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Kinder- und Jugendliteratur der Romania

Impulse für ein neues romanistisches Forschungsfeld

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Ludger Scherer and Roland Ißler

Die Kinder- und Jugendliteratur der romanischen Länder ist, obwohl seit langem international erfolgreich, in der deutschsprachigen Romanistik bislang noch nicht als systematisches Forschungsfeld etabliert. Dieser Band, der auf eine Sektion des Romanistentags 2013 zurückgeht, gibt nun Impulse für eine romanistische Kinder- und Jugendliteraturforschung. 20 Beiträge behandeln exemplarisch französische und frankophone, italienische, spanische und lateinamerikanische (auch brasilianische) Werke. Die hier angesprochenen fundamentalen literarhistorischen und theoretischen Fragestellungen der Kinder- und Jugendliteraturforschung sind zudem interdisziplinär für praxisnahe universitäre und schulische Bildung und Lehre relevant.
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Hans Fernandez „Los astros son rondas de ninos“. Darstellung der Kinderwelt im Fruhwerk Gabriela Mistrals

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Die Poesie Gabriela Mistrals zeichnet sich, wie jedes komplexe künstlerische Schaffen, durch ihre Vielschichtigkeit aus, welche die diversen literaturwissenschaftlichen Fokussierungen auf das Werk der chilenischen Dichterin verständlich machen. In Hinsicht auf die von der chilenischen Gesellschaft herausgebildete mütterliche Figur Mistrals wird diese, wenn nicht einzig, so doch hauptsächlich durch die Grundschule vermittelt, da die Kinder nicht nur ihre Gedichte mit kindlichen Thematiken auswendig lernen, sondern diese auch vortragen und zu manchen Gelegenheiten sogar ihre bekannten Reigen anstimmen, welche von verschiedenen Komponisten meisterhaft vertont wurden. Gabriela Mistral ist unter den vier klassischen chilenischen Dichtern (Neruda, Huidobro, de Rokha, Mistral) die Autorin, mit deren Werk sich die Schüler am intensivsten auseinandersetzen und die aus eben diesem Grund eine ihrer ersten literarischen Erlebnisse bildet. Auf diese Weise hat das chilenische Bildungssystem eine Vision von Leben und Werk Gabriela Mistrals konstruiert, welche zur Folge hat, dass die Poesie der Dichterin von bestimmten Lesern für naiv, von geringem Wert und daher uninteressant bzw. nicht lesenswert gehalten wird. Infolgedessen wird unter Berücksichtigung dieser Aneignung seitens des chilenischen Staates offensichtlich, dass die Funktion der Poesie Mistrals in den Schulen nicht nur in der Etablierung, sondern auch in der Verbreitung eines bestimmten Ansatzes in der Betrachtung ihres Lebens und Werks besteht, ohne anderen Aspekten wie ihrem sozialen Bewusstsein, ihrer Weltanschauung sowie ihrem profunden Verständnis der Kinderwelt Beachtung zu schenken. In diesem Sinne sollte nicht unerwähnt bleiben, dass einige der im weiteren Verlauf kommentierten Gedichte in der Schule auswendig gelernt...

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