Show Less
Restricted access

La Paz und Santa Cruz in der bolivianischen Gegenwartsliteratur

Series:

Simone Tillmann

An je drei fiktionalen Entwürfen der bolivianischen Städte La Paz und Santa Cruz wird gezeigt, wie die Autoren die Physis der textuellen Städte aus topographischen Werten erschaffen. Durch die Verwendung topologischer Werte schreiben sie ihnen darüber hinaus eine immaterielle Spezifik ein. Die textuellen Städte erweisen sich gegenüber ihren realen Vorbildern als widerständig, sie reproduzieren nicht das angespannte Verhältnis, das zwischen La Paz und Santa Cruz herrscht. Stattdessen setzen sie sich mit sozialen Fragen und Identitätsentwürfen eines plurinationalen Staates auseinander. Damit führen sie nicht nur eine bolivianische Literaturtradition fort, sondern erweitern auch das Feld des lateinamerikanischen Stadttextes um neue, interessante Aspekte.
Show Summary Details
Restricted access

Einleitung

Extract



Oscar Cerruto (1912–1981), „El Resplandeciente“, 19751

Emilio Finot Franco (1888–1914), „A Santa Cruz de la Sierra“, o.J.

In den Auszügen aus den Gedichten Oscar Cerrutos und Emilio Finots präsentieren sich dem Leser textuelle Entwürfe der bolivianischen Städte La Paz bzw. Santa Cruz de la Sierra. Die Bildwelten, derer sich die Autoren bedienen, sind für die Entstehungszeit der Texte typisch. Sie könnten nicht gegensätzlicher sein: auf der einen Seite ein düsteres La Paz, auf dessen heilloses Treiben der Berg Illimani distanziert herabblickt, auf der anderen Seite ein blühendes Santa Cruz, in dem Werttreue und Lebenslust Hand in Hand gehen. Diese Stadtdarstellungen beziehen sich auf literarische Vorgänger, sie haben aber auch selbst das Bild von La Paz und Santa Cruz in der Literatur geprägt und nicht zuletzt das Selbstbild der realen Stadtbewohner, ← 9 | 10 → der paceños und cruceños, beeinflusst.2 Zwar kann die Auseinandersetzung mit dem Städtischen durchaus als Konstante der bolivianischen Literatur gelten, aber gerade bolivianische Autoren der Gegenwart machen die Stadt verstärkt zum Gegenstand ihrer Texte und treiben die Überwindung der stereotypen Darstellungen weiter voran, die mit der Autorengeneration der Postdiktatur ab 1982 einsetzt. Das La Paz der Gegenwartsliteratur ist nicht nur „[…] ese cúmulo de sombras y personajes nocturnos, con los que se pretendió estereotiparla, también es un inagotable caudal de imágenes visuales y sonoras, armónicas y contradictorias.“ (Velarde 2008: 14) Vergleichbares gilt f...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.