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Wer ist mein Nächster?

Das Soziale in der Ego-Gesellschaft- 15. Ökumenische Sommerakademie, Kremsmünster 2013

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Edited By Severin Lederhilger

Der aktuelle politische und philosophische Diskurs bewegt sich zunehmend zwischen den Polen eines individualistischen Egoismus und den verschiedenen Aspekten gesellschaftlicher Solidarität. Inwieweit egozentrische Tendenzen das Zusammenleben maßgeblich bestimmen oder ob nicht Formen der Solidarität das eigentlich evolutive Erfolgsmodell menschlicher Gemeinschaft darstellen, gehört mit zu den Grundfragen unserer Zeit. Individuelle Verantwortung und autonome Selbstbestimmung kennzeichnen schließlich nicht nur die persönliche Lebensgestaltung, sondern prägen ebenso die wirtschaftlichen, kulturellen und kirchlichen Bereiche der Gesellschaft. Der überfordernde Zwang zur permanenten Selbst-Inszenierung und zur Verwirklichung des eigenen Ichs eröffnet aber zugleich einen neuen Zugang zur Rückfrage nach der Notwendigkeit alternativer Gestaltungen von Vergemeinschaftung, die Verlässlichkeit schenken und speziell der Dimension der Gerechtigkeit Rechnung tragen. Angesichts der anstehenden sozialen Probleme und veranlasst durch das Jubiläum von 10 Jahren «Sozialwort» des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich stellte sich die 15. Ökumenische Sommerakademie Kremsmünster 2013 provokant die biblische Nachfrage «Wer ist mein Nächster?» und erkundete so «das Soziale in der Ego-Gesellschaft».
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Heinrich Bedford-Strohm. Wer ist mein Nächster?: Gemeinschaft in der modernen Gesellschaft

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Heinrich Bedford-Strohm

Wer ist mein Nächster?

Gemeinschaft in der modernen Gesellschaft1

„Heute denkt jeder nur noch an sich!“ – so wird immer wieder gesagt. Und es wird damit ein Gefühl zum Ausdruck gebracht, dass Gemeinschaft etwas ist, das zunehmend brüchig wird. Dass es mit der Gemeinschaft in unserer Gesellschaft bergab geht, ist ein weit verbreitetes Gefühl. Vermeintlich zurückgehendes ehrenamtliches Engagement, Parteienverdrossenheit, Vereinzelung, Ellenbogen-Gesellschaft, mehr Scheidungen, und ähnliche Einzelbeobachtungen werden dann als Beleg angeführt. Die Frage ist, ob diese Diagnose zutrifft? Wir spüren alle: Die Gesellschaft verändert sich! Aber wie?

Ich will zunächst einige Bemerkungen dazu machen, warum der Begriff der „Gemeinschaft“ in Deutschland, anders als in den USA, jedenfalls in der Soziologie, noch immer belastet ist und nur mit Scheu als Programmwort gebraucht wird. Ich will dann zweitens mit den Ansätzen von Ferdinand Tönnies und Emile Durkheim zwei Klassiker der Soziologie kurz skizzieren, die noch heute für das Verständnis von Gemeinschaft von Bedeutung sind. Drittens will ich die gesellschaftlichen Veränderungen umreißen, mit denen wir konfrontiert sind, wenn wir heute von Gemeinschaft reden wollen. Eine vierte Überlegung betrifft die Frage, wie die Theologie auf diese Veränderungen reagieren soll. In einem fünften Teil will ich Überlegungen zum Verhältnis von Gemeinschaft und Gerechtigkeit anstellen und schließlich einige Schlussfolgerungen für die Aufgabe der Kirche ziehen. ← 31 | 32 →

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