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Kindgemäß und literarisch wertvoll

Untersuchungen zur Theorie des "guten Jugendbuchs</I> – Anna Krüger, Richard Bamberger, Karl Ernst Maier

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Sonja Müller

Der dominante literaturtheoretische und -pädagogische Diskurs in Westdeutschland und Österreich der 1950er und 1960er Jahre zielte auf eine Festlegung dessen ab, was unter einem guten Jugendbuch zu verstehen sei. Die fachgeschichtliche Studie sucht die Argumentationen der wichtigsten Theoretiker des guten Jugendbuchs, Anna Krüger, Richard Bamberger, Karl Ernst Maier, nachzuzeichnen. Daneben kommen weitere Literaturpädagogen der Zeit mit ihren teils konservativen, teils progressiven Positionen zur Sprache. Die Auseinandersetzung mit den Kinderliteraturkonzepten dieser Epoche stellt sich als in vielerlei Hinsicht gewinnbringend für die aktuelle Theoriebildung heraus.
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1. Kapitel: Zur Ausgangslage

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Im Folgenden soll beleuchtet werden, welche Normen und Konzepte von der Literaturpädagogik unmittelbar nach 1945 vertreten worden sind, welche Fragen in den ersten Nachkriegsjahren diskutiert wurden und welche Vertreter sich zunächst zu Wort meldeten. Damit wird zugleich die institutionelle und konzeptionelle Ausgangslage skizziert, aus der sich die Theorie des „guten Jugendbuchs“ zu Beginn der 1950er Jahre entwickelte.

Angesichts der materiellen Not und der problematischen sozialen Situation vieler Kinder und Jugendlicher in den ersten Nachkriegsjahren wurde von staatlicher Seite der Jugendfürsorge und der Jugendpflege63 besondere Bedeutung beigemessen. Ab 1950 trat bspw. der Bundesjugendplan in Kraft, der anfangs als ein Jugendsozialplan konzipiert war (vgl. Jäschke 1993, S. 435). Bezogen auf die literaturpädagogischen Institutionen wurden in Westdeutschland – anders als in Österreich64 – zunächst die Verbände wieder etabliert, die es auch schon in den 1930er Jahren gegeben hatte.65

Neben den Bibliothekaren sah es insbesondere die Lehrerschaft als ihre Aufgabe an, „sich aufzufangen, nicht abzugleiten ins Resignieren“ (Barfaut 1949, S. 39). Für John Barfaut66, den ersten Schriftleiter der nach 1945 in neuer Folge erschienenen ← 29 | 30 → Jugendschriften-Warte67 stand die Lehrerschaft gar „vor einem Neubeginn wie nie zuvor“ (ebd.). Denn „die Erziehung unserer Kinder“ galt Barfaut als „die letzte Hoffnung“, als „die bedeutungsvollste Aufgabe unserer Tage“ (ebd.). Im Gegensatz zu den für den Nationalsozialismus und seine Schrecken mitverantwortlichen Erwachsenen, galten die Kinder als Hoffnungs- und Zukunftsträger für einen gesellschaftlichen und politischen Neuanfang (vgl. Barfaut ebd.; Lepman 1999, S. 47). Dabei wurde die...

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