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Salafismus in Deutschland

Entstehung, Radikalisierung und Prävention

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Edited By Rauf Ceylan and Benjamin Jokisch

Salafismus zeigt sich derzeit hauptsächlich in der medial aufgearbeiteten Form des zeitgenössischen politischen Salafismus: radikal, schnell wachsend, national und international als aktuelle Bedrohung empfunden. Dem öffentlichen Diskurs fehlt es häufig an Information und Differenzierung. Es gilt einerseits, Gefahren nicht kleinzureden, um Prävention und angemessene Reaktion zu ermöglichen, und andererseits, diese Minderheit in der Minderheit daran zu hindern, das Bild der Muslime in der Mehrheitsgesellschaft zu prägen. Informierend und differenzierend untersucht der vorliegende Band das Thema Salafismus in zwei Teilen unter den Gesichtspunkten Geschichte und Gegenwart des Salafismus in der islamischen Welt und, dem Titel folgend, Salafismus in Deutschland. Radikalisierung und Prävention.
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Salafismus zwischen Realität und Fantasie

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Rüdiger Lohlker

Das Wort Salafismus bezeichnet vielerlei Dinge. Einmal beinhaltet es den Bezug auf die as-salaf aṣ-ṣāliḥ, also auf die „frommen Altvorderen“, und damit die frühe islamische Gemeinschaft als selbstverständlichen Bezugspunkt islamischen Denkens. Ein anderes Mal bezieht es sich auf eine einigermaßen bestimmbare islamische Strömung, die manchmal bis in die Reformbewegungen des 17.-19. Jahrhunderts1 zurückgeführt wird. Noch ein anderes Mal ist damit die Strömung gemeint, die in der arabischen Welt – aber auch in Europa – immer militanter auftritt, ja sogar gewalttätig wird. Und wieder ein anderes Mal scheint damit eine veritable Verkörperung des Bösen gemeint, die alles Mögliche beinhaltet von Terrorismus bis Demokratiefeindlichkeit, Intoleranz u.a.m. Letzteres Fantasieprodukt soll hier als ‚Salafismus‘ bezeichnet werden, um es von realen Strömungen zu unterscheiden.

Salafismus ist ein modernes religiöses Phänomen, das mancherlei Schwierigkeiten erzeugt, in arabischen noch mehr als in europäischen Gesellschaften. ‚Salafismus‘ dagegen dient als Container, in dem die eigenen Bedrohungsängste deponiert und damit veräußerlicht und angreifbar werden. Damit eignet sich ein solches Konstrukt hervorragend, um sich selbst angegriffen und diffamiert zu fühlen. Eine solche Konstruktion ist naturgemäß nicht geeignet, um zu einem realen Verständnis religiöser Phänomene beizutragen. Marks charakterisiert die Situation der Forschung über Salafismus recht treffend:

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