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Märchen, Mythen und Moderne

200 Jahre «Kinder- und Hausmärchen» der Brüder Grimm – Teil 1 und 2

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Claudia Brinker-von der Heyde, Holger Ehrhardt and Hans-Heino Ewers

Im Dezember 2012 jährte sich zum 200. Mal das Erscheinen der Kinder- und Hausmärchen. Dieses Jubiläum nahm die Universität Kassel zum Anlass, einen internationalen Kongress mit dem Titel Märchen, Mythen und Moderne. 200 Jahre Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm zu veranstalten. Die vorliegenden Kongressbeiträge nähern sich dem populärsten Werk der Brüder Grimm sowohl literatur- und sprachwissenschaftlich als auch aus Sicht der Kinder- und Jugendliteratur, Psychologie und Pädagogik, Medienwissenschaft und interkulturellen Rezeptionsforschung. Über die Märchen hinaus finden sich Studien zum philologischen, lexikographischen, mythologischen und rechtshistorischen Werk der Brüder Grimm.
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Die ‚Gattung Grimm‘ wird zum ‚Volksmärchen‘ – Ludwig Richters Illustrationen zu Johann Carl August Musäus’ Volksmährchen der Deutschen: Andreas Beck

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Andreas Beck

Die ‚Gattung Grimm‘ wird zum ‚Volksmärchen‘ – Ludwig Richters Illustrationen zu Johann Carl August Musäus’ Volksmährchen der Deutschen

‚Deutsche Volksmärchen‘ sind aus heutiger Sicht nicht zuletzt die KHM – und so bemerkt Heinz Rölleke, dass die Brüder Grimm sich „gerade […] den deutschen Volksmärchen“ zugewendet hätten, Texten, die „als Volksmärchen im umfassendsten Wortsinn“ gelten konnten.1 Eine problematische, ahistorische Formulierung: Die Grimms suchten nicht ‚deutsche Volksmärchen‘, denn die waren 1806/1807, als die Brüder Märchen zu sammeln begannen, eben erst, 1804/1805, erschienen: Die deutschen Volksmährchen von Johann August Musäus2 – eine Neuedition von dessen 1782–1787 erstmals publizierten Volksmährchen der Deutschen. Mit ihnen hatte Musäus den Gattungsbegriff ‚Volksmärchen‘ geprägt3 und nachhaltig besetzt: Seine humoristischen Erzählungen fanden eine „Unzahl von Nachahmern“,4 sie waren architextuell tonangebend – so dass die Grimms, wenn sie 1806/1807 den ‚Wortsinn‘ von ‚Volksmärchen‘ im Kopf gehabt haben sollten, gewiss nicht an kindlich-naive, über Generationen hinweg mündlich tradierte Märchen dachten, sondern an die ganz andersartigen Dichtungen des Spätaufklärers Musäus. Inzwischen aber firmieren die KHM unter dem Gattungstitel ‚Volksmärchen‘, sie haben die Gründungsurkunde jenes Erzählgenres verdrängt: Mit dem Erfolg der ‚Gattung Grimm‘ im früheren 19. Jahrhundert fällt die Vorbildfunktion der Musäischen Erzählungen, und um 1900 haben diese ersten ‚Volksmärchen‘ ihren vormals glänzenden Ruf fast vollständig eingebüßt; „das Volksmärchen“, ätzte man, habe...

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