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Märchen, Mythen und Moderne

200 Jahre «Kinder- und Hausmärchen» der Brüder Grimm – Teil 1 und 2

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Edited By Claudia Brinker-von der Heyde, Holger Ehrhardt and Hans-Heino Ewers

Im Dezember 2012 jährte sich zum 200. Mal das Erscheinen der Kinder- und Hausmärchen. Dieses Jubiläum nahm die Universität Kassel zum Anlass, einen internationalen Kongress mit dem Titel Märchen, Mythen und Moderne. 200 Jahre Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm zu veranstalten. Die vorliegenden Kongressbeiträge nähern sich dem populärsten Werk der Brüder Grimm sowohl literatur- und sprachwissenschaftlich als auch aus Sicht der Kinder- und Jugendliteratur, Psychologie und Pädagogik, Medienwissenschaft und interkulturellen Rezeptionsforschung. Über die Märchen hinaus finden sich Studien zum philologischen, lexikographischen, mythologischen und rechtshistorischen Werk der Brüder Grimm.
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Märchen-Buch. Mediale Transformationen der Märchenerzählung in der Romantik vom „Roman“ zum „Erziehungsbuch“: Helmut Schanze

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Helmut Schanze

Märchen-Buch. Mediale Transformationen der Märchenerzählung in der Romantik vom „Roman“ zum „Erziehungsbuch“

Der Ausgangspunkt wie der Endpunkt des vorliegenden Beitrags sind epochal. Friedrich von Hardenberg, Novalis, erfindet um 1800 den Begriff ‚Romantik‘ – als neues Stichwort seiner ‚Enzyklopädistik‘. 1812 erscheint das ‚Märchen-Buch‘ schlechthin, die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm.

‚Romantik‘ um 1800 meint – noch – nicht die Epoche der Literaturgeschichte, sondern die Lehre vom Roman, der modernen Prosagattung: „Romane“, in denen „wahre Liebe vorkommt“, sind „Mährchen – magische Begebenheiten.“1 Bereits im Ausgangspunkt ist die ‚Romantik‘ mit dem „Mährchen“ verbunden. Folgt man der Definition des ‚Mythos‘ in der Poetik des Aristoteles, so ist die kleine Prosagattung, das „Mährchen“ zugleich „Ursprung und Seele“ der großen Prosagattung, des Romans. Das „Mährchen“ wird zum neuen, dem romantischen Mythos. Eine weitere Definition des Novalis bestimmt den Roman medial: „Ein Roman ist ein Leben, als Buch“. Roman ist „ein Leben“, ‚bios‘, aber dieses Leben erscheint als Bio-Graphie, „als Buch“. Mit der Buchform, dem Roman, wird der neue Mythos von der wahren Liebe an die breite Öffentlichkeit gebracht. Die Veröffentlichung des höchst Privaten ist, wie nicht nur Friedrich Schlegel mit seiner Lucinde 1799 erfahren musste, in höchstem Maße skandalträchtig.

Das neue Märchen-Buch aber, die Kinder- und Hausmärchen der „Brüder Grimm“, soll nicht mehr das universelle, auch als „Lehrjahre“ skandalisierte romantische Liebes- und Lebensbuch schlechthin sein, sondern „nicht eigentlich...

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