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Märchen, Mythen und Moderne

200 Jahre «Kinder- und Hausmärchen» der Brüder Grimm – Teil 1 und 2

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Edited By Claudia Brinker-von der Heyde, Holger Ehrhardt and Hans-Heino Ewers

Im Dezember 2012 jährte sich zum 200. Mal das Erscheinen der Kinder- und Hausmärchen. Dieses Jubiläum nahm die Universität Kassel zum Anlass, einen internationalen Kongress mit dem Titel Märchen, Mythen und Moderne. 200 Jahre Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm zu veranstalten. Die vorliegenden Kongressbeiträge nähern sich dem populärsten Werk der Brüder Grimm sowohl literatur- und sprachwissenschaftlich als auch aus Sicht der Kinder- und Jugendliteratur, Psychologie und Pädagogik, Medienwissenschaft und interkulturellen Rezeptionsforschung. Über die Märchen hinaus finden sich Studien zum philologischen, lexikographischen, mythologischen und rechtshistorischen Werk der Brüder Grimm.
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Formierungen des Mythischen. Zur Prägung deutscher Mythologien durch Jacob Grimm: Helmut Groschwitz

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Helmut Groschwitz

Formierungen des Mythischen. Zur Prägung deutscher Mythologien durch Jacob Grimm

Die Deutsche Mythologie1 von Jacob Grimm, deren erste Auflage 1835 in der Dieterichschen Buchhandlung in Göttingen erschienen ist, hat wie wenige andere Werke die Fachgeschichte der Volkskunde ebenso stark beeinflusst wie belastet. Und sie wirkt über das beständige Aufgreifen von Kontinuitätskonstrukten – etwa in Formen populärer Spiritualität oder in journalistischen Darstellungen – bis in die Gegenwart. Die volkskundliche Fachgeschichtsschreibung hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg intensiv mit der Dekonstruktion einiger damit in Zusammenhang stehender Prämissen, insbesondere den romantischen Kontinuitätskonstruktionen, sowie der Selbstinszenierungen der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm auseinandergesetzt. Im Zentrum der Analysen zu den Brüdern Grimm standen, vor allem im Kontext der Erzählforschung, die Kinder- und Hausmärchen, erstmals erschienen 1812 und 1815, sowie deren fortlaufenden Bearbeitungen bis 1857, ihre Quellen, Gewährspersonen und medialen Transformationen. Aber auch die Deutschen Sagen (1816/18), die Deutschen Rechtsalterthümer (1828) und eben die Deutsche Mythologie bilden nach wie vor einen großen Fundus an Quellenmaterial – ebenso wie an Kritik. Das Aufgreifen von Grimm’schen Theoremen und Mythologemen in der sogenannten „Mythologischen Schule“2 und deren Weiterentwicklung durch völkisch bzw. nationalsozialistisch ausgerichtete Volkskundler hatten letztlich zu einer Distanzierung und kritischen Beurteilung von Jacob Grimms Werk geführt.

Verfestigt hatte sich – spätestens seit Wolfgang Emmerichs Dissertation Germanistische Volkstumsideologie von 19683 – der Eindruck, als seien die Brüder Grimm, speziell Jacob Grimms Deutsche Mythologie, in gewissem Sinne...

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