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Von Homer bis Theodosius dem Großen

Sechzehn historische Fiktionen mit Themen der griechischen und römischen Geschichte

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Gunther Gottlieb

Was wäre geschehen, wenn…? Diese Frage wird an zentralen Ereignissen und großen Persönlichkeiten der griechischen und römischen Geschichte bearbeitet, wobei die Einbindung in den jeweils kulturellen Kontext Beachtung findet. Ziel des Buches ist es, Gedankenspiele einzuüben, Argumentationen zu erfinden und zu überprüfen sowie tiefer einzudringen in Pläne, Vorstellungen, Wünsche und Absichten von Einzelpersönlichkeiten oder Gemeinschaften. Die sechzehn Kurzessays verstehen sich als kulturgeschichtlich ausgerichteten Beitrag zur historischen Literatur.
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Einleitung

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Der greise Physiker in Véronique Bizot’s Roman ‚Meine Krönung’ liest eben eine Biographie Kaiser Konstantins. Er schätzt historische Werke, weil ihn die Tatsache beruhigt, dass an dem, was stattgefunden hat, nicht mehr zu rütteln ist1. „Mutmaßungen über ungeschehene Geschichte sind in den historischen Wissenschaften verpönt […] hypothetische Alternativen zum wirklich Geschehenen erscheinen als müßiges Gedankenspiel, als unseriöse Spekulation […] Derartiges führt ins Unbeweisbare, Uferlose, ist unwissenschaftlich, ja nicht einmal wissenschaftsfähig und bleibe Dichtern und Träumern überlassen […].“ Diese Sätze lesen wir gleich am Anfang von Alexander Demandts Traktat über ‚Ungeschehene Geschichte’2. Ist es unter diesen Umständen nicht besser, die hier dargebotenen sechzehn historischen Fiktionen sofort wieder zu löschen? Im Gegenteil – wenige Zeilen weiter beschreibt Demandt seine eigene Position, wonach „unser Bild von der Geschichte unfertig bleibt, wenn es nicht in den Rahmen der unverwirklichten Möglichkeiten gerückt wird“3, und er hat selbst im Mai 2013 in der Staatlichen Münzsammlung, München, einen Vortrag gehalten über das Thema „Maxentius siegt an der Milvischen Brücke“4. Dieser Zielsetzung dient Demandts ganze Abhandlung, der auch unser Versuch wesentliche Anstöße verdankt.

Diese Einleitung ist kein Beitrag zu Theorie und Methode historischer Fiktionen. Sie will lediglich auf dem Hintergrund aktueller Positionen den hier eingeschlagenen Weg beschreiben und den eigenen Standort bestimmen. Dass dabei auch grundsätzliche Fragen berührt werden, ist naheliegend. Anderseits, so mein Eindruck, je anspruchsvoller und geschichtstheoretischer man sich mit Fiktionen befasst,...

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