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Von Homer bis Theodosius dem Großen

Sechzehn historische Fiktionen mit Themen der griechischen und römischen Geschichte

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Gunther Gottlieb

Was wäre geschehen, wenn…? Diese Frage wird an zentralen Ereignissen und großen Persönlichkeiten der griechischen und römischen Geschichte bearbeitet, wobei die Einbindung in den jeweils kulturellen Kontext Beachtung findet. Ziel des Buches ist es, Gedankenspiele einzuüben, Argumentationen zu erfinden und zu überprüfen sowie tiefer einzudringen in Pläne, Vorstellungen, Wünsche und Absichten von Einzelpersönlichkeiten oder Gemeinschaften. Die sechzehn Kurzessays verstehen sich als kulturgeschichtlich ausgerichteten Beitrag zur historischen Literatur.
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Kaiser Julian besiegt 363 das Perserheer

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Zwei Themen beherrschen die kurze Zeit der Alleinherrschaft Kaiser Julians (361–363): Erstens die Auseinandersetzung mit dem Sassanidenreich im Osten und zweitens der Versuch Julians, das Christentum zurückzudrängen, dafür die alte, traditionelle Götterwelt neu zu beleben und durch eine nach dem Vorbild der christlichen Kirche geschaffenen Kultorganisation zu vereinheitlichen und auf diese Weise zu stärken. Die erste Aufgabe steht in dem langen Zusammenhang der Konflikte zwischen Ost und West, Asien und Europa. Dieser Zusammenhang ist wie eine große Erzählung, um ein Bild des Mythenforschers Herfried Münkler zu verwenden, welche in der Vorstellung der Griechen mit dem Troianischen Krieg begann und in den Perserkriegen von 490 und 481/479 v. Chr. ihre nachhaltigste Ausformung fand. Diese Erzählung setzte sich im Feldzug Alexanders gegen das Achaimenidenreich und, nach dem Entstehen des Römischen Reiches, in den Kriegen zuerst mit den Parthern, dann mit den Sassaniden fort. Sich in diesem Kampf erfolgreich zu bewähren, war eines der höchsten Ziele römischer Feldherren und Kaiser. Wir wissen auch, dass diese Erzählung damit nicht zu Ende war, sondern in der Gegnerschaft zwischen Osmanen und christlichem Europa sozusagen neu aufgelegt wurde – und bis in unsere Gegenwart immer neu aktualisiert wird, wenn wir etwa an den Anspruch der Serben denken, Verteidiger des christlichen Europa gegen die Muslime zu sein.

Abb. 36: Kaiser Julian (331/32–363 n. Chr.). Statue im Musée Cluny Paris

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