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Das nachklassische Drama im Lichte Schopenhauers

Eine Interpretationsreihe- Schiller: "Die Jungfrau von Orléans</I>, Hebbel: "Judith</I>, Grabbe: "Hannibal</I>, Büchner: "Dantons Tod</I>

Dirk Haferkamp

Die Arbeit wirft ein neues Licht auf prominente Dramen aus Biedermeier und Vormärz. Ausgehend von Schillers Jungfrau von Orléans werden Dramen von Hebbel, Grabbe und Büchner auf Prozesse des Willens und der Willensverneinung untersucht. Dabei wird deutlich, dass die genannten Autoren in ihren Dramen Handlungsstrukturen entwerfen, die der Philosophie Schopenhauers sehr verwandt sind. So entsteht in der Gattung Drama ein pessimistisches Weltbild, das bis in Wortentsprechungen hinein der Weltdeutung Schopenhauers gleicht – und dies, ohne dass eine positive Rezeption der Philosophie Schopenhauers durch die Autoren nachweisbar wäre.
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Grabbe: „Hannibal“

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Zur Einführung

Bei Grabbes „Hannibal“ sind sich die Interpreten uneins, ob Hannibal für seinen Kampf gegen Rom eine politisch-militärische Legitimation aus Karthago besitzt oder nicht. Schneider und Nieschmidt sind hier exemplarisch zu nennen. Schneider ist der Ansicht, ,,Hannibals langer Kriegszug in Italien [werde] nirgendwo militärisch oder politisch motiviert.“ (Schneider 1973, S. 314). Nieschmidt meint, dass es neben dem „heroischen Selbstverständnis Hannibals“ (Nieschmidt 1983, S. 32) auch einen „geschichtliche[n] Auftrag“ (ebd.) gebe. Dieser bestehe darin, einen „Schutzwall gegen die römische Gefahr auf[zuwerfen], der die politische Freiheit und wirtschaftliche Blüte des Vaterlandes sichern soll.“ (ebd.). Das klingt, als habe Hannibal einen offiziellen Auftrag für seinen Krieg gegen Rom.

Das Drama zeigt aber, dass die Gründe für den Angriffskrieg allein in Hannibal selbst zu suchen sind. Die „realpolitische Komponente“ (ebd., S. 39) hat ihren Ursprung in der Zentralfigur, in dem „tiefe[n] Geheimnis“ (WWV I, § 24, S. 182) des „Charakters“ (WWV I, § 26, S. 197), das sich auszeichnet durch „das Unergründliche (Grundlose d.i. Wille), […] das nicht weiter Abzuleitende […]“. Dieser Wille strebt zur Tat, denn es gibt „nur ein einziges, einförmiges, durchgängiges Prinzip aller Bewegung: ihre innere Bedingung ist Wille, ihr äußerer Anlaß Ursache, welche nach Beschaffenheit des Bewegten auch in Gestalt des Reizes oder Motivs auftreten kann.“ (WIN, S. 409). Hannibal hat diesen Zug aus sich heraus zum handlungsauslösenden Motiv hin vollkommen ausgeprägt. Die Aussicht, tätig werden zu...

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