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Shoah und Dialog bei Primo Levi und Ruth Klüger

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Aglaia Bianchi

Primo Levi und Ruth Klüger, zwei der wichtigsten Stimmen der Shoah-Literatur, unterscheiden sich stark in ihrer Persönlichkeit, ihrer Bildung und ihren Schreibbedingungen. Beide greifen jedoch auf den Dialog zurück, um sich persönlich mit der Shoah auseinanderzusetzen, sich in dieser Literatur zu verorten und um die Leser zu einem bewussteren Umgang mit der Shoah anzuregen. Erstmalig untersucht diese Studie systematisch die spezifische Funktion, die der Dialog im Leben und Werk beider Autoren aufweist und zeigt, wie er eine einheitliche Strategie der Auseinandersetzung mit der Shoah konstituiert, und somit eine bewusstere Auseinandersetzung damit, sowohl auf privater als auch auf öffentlicher Ebene, anregt.
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2. Der Dialog als Strategie der öffentlichen Auseinandersetzung mit der Shoah

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Der Dialog dient Levi und Klüger nicht nur als Strategie für die eigene Auseinandersetzung mit der Shoah, sondern auch als Mittel, um die Gesellschaft zu einer bewussteren Auseinandersetzung mit der Shoah anzuregen. Das bedeutet erstens, das Publikum zu einer Reaktion zu zwingen: Insbesondere in der Nachkriegszeit sind sowohl die ehemaligen Täter als auch viele Opfer und die westliche Gesellschaft im Allgemeinen vollkommen auf die Zukunft ausgerichtet und wollen die jüngste Vergangenheit am liebsten ausradieren. Zweitens geht es darum, eine persönliche Auseinandersetzung in den Lesern anzuregen und deren Rückgriff auf simplifizierende Stereotype und verallgemeinernde Dichotomien (z.B. zwischen gut und böse, Täter und Opfer) entgegen zu wirken. Schließlich möchten Levi und Klüger die Leser durch den Dialog zu einer vernünftigen und kritischen Auseinandersetzung mit der Shoah aufrufen, die von einer rein emotionalen Reaktion Abstand nehmen soll, denn diese betrifft weniger die Shoah selbst als die Gefühle des Lesers. Darüber hinaus bleibt sie, so stark sie auch sein mag, eine momentane Reaktion, die schnell in Vergessenheit gerät; denn „was man nicht wahrnimmt und aufnimmt, hat man tatsächlich nicht gesehen“ sagt Klüger in weiter leben (WL, S. 186).

Diese Suche nach dem Dialog auch im öffentlichen Bereich spielt für die öffentliche Beschäftigung mit der Shoah sowohl bei Levi als auch bei Klüger eine wichtige Rolle. Wegen ihrer unterschiedlichen Charaktere und der verschiedenen Voraussetzungen ihres Schreibens nimmt diese Suche jedoch zwei teilweise voneinander...

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