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Kinder- und Jugendliteraturforschung international

Ansichten und Aussichten- Festschrift für Hans-Heino Ewers

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Edited By Gabriele von Glasenapp, Ute Dettmar and Bernd Dolle-Weinkauff

32 Autorinnen und Autoren reflektieren die internationale Verankerung, die theoretisch-methodische Ausdifferenzierung und das Forschungsinteresse an Geschichte und Gegenwart der Kinder- und Jugendliteratur. Sie beschäftigen sich in vier Schwerpunkten mit der Theorie, der Übersetzungs- und Rezeptionsgeschichte, mit kinder- und jugendliterarischen Medien sowie in zahlreichen Einzelstudien mit Gattungen, Formen und Themen historischer wie aktueller Kinder- und Jugendliteratur und -medien. Der Band ist Hans-Heino Ewers gewidmet, der in seiner über 25-jährigen Lehr- und Forschungstätigkeit maßgeblich zur theoretisch-systematischen Fundierung dieser vergleichsweise jungen Fachdisziplin beigetragen und wesentliche Impulse für die weitere Forschung gegeben hat.
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Volkspoesie als Kindheits- und Kinderliteratur. Von Herder zu den Brüdern Grimm: Isamitsu Murayama

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Volkstümliche Dichtungen wie Märchen und Kinderlieder gehören heute zum festen Bestandteil der Kindersparten von Büchern,Videos, CDs sowie anderen digitalen Medien. Der schon lange unverrückbare Status der volkstümlichen Dichtungen in der Kinder- und Jugendliteratur war jedoch vor 200 Jahren, als die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm erschienen, noch keine Selbstverständlichkeit.

Es ist bekannt, dass die Märchen des ‚gemeinen Volkes‘ in der Zeit der Aufklärung, in der andererseits Feenmärchen als Liebesgeschichten eine beliebte literarische Gattung darstellten, aus der Sicht der aufgeklärten Pädagogik als Inbegriff des Aberglaubens zu bekämpfen und von Kindern fernzuhalten waren. Erst in der Frühromantik wurde die Volkspoesie „als ursprünglich und kindlich empfundene[n] Dichtung“ entdeckt, die in erster Linie als „Kindheitsliteratur“ den Erwachsenen, der an einer „metaphysischen Obdachlosigkeit“ leide, „beim Lesen […] einer selbst kindlichen Literatur, in die eigene Kindheit“ versetzen sollte (Ewers 2008, 100f.). Dabei spielte die zukunftsorientierte Geschichtsphilosophie eine große Rolle: Der Erwachsene sollte nicht in den mythischen Ursprung der ersten Kindheit zurückkehren, sondern die zweithöhere Kindheit, ein drittes Stadium der Menschheitsgeschichte erreichen, indem er „Reflexionsbildung und Intellektualität […] bis ins Extrem“ ausbildete (ebd., 102). In der Spätromantik galt es, die nationale Folklore sowohl vor der Einwirkung der modernen Verstandesbildung als auch vor den Kriegswirren zu retten und den gebildeten Schichten der Bevölkerung wieder zugänglich zu machen. Die „chiliastische Endzeiterwartung“ der Frühromantik hingegen ging jedoch verloren, denn den Spätromantikern...

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