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Von Memel bis Allenstein

Die heutigen Bewohner des ehemaligen Ostpreußens: Memelland, Kaliningrader Gebiet, Ermland und Masuren

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Andrzej Sakson

Der Autor zeigt den Verlauf der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Prozesse in den Regionen Memelland, Kaliningrader Gebiet, Ermland und Masuren nach 1945 auf. Er vergleicht ihre jeweiligen Entwicklungen kritisch miteinander und rekurriert dabei auf die Nationalbildungsprozesse im späten 19. Jahrhundert sowie die Ereignisse am Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Analysen stützen sich auf eigene soziologische Feldforschung. Zahlreiche Interviews, direkte und indirekte Beobachtungen sowie quantitative Untersuchungen wurden durch Archivstudien und durch die Auswertung von amtlichen Dokumenten, Memoiren, Fachliteratur sowie Presseezeugnissen ergänzt.
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1. Das unabhängige Litauen

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1.   Das unabhängige Litauen

Dass Litauen nach sechzig Jahren der „sowjetischen Besatzung“ seine Unabhängigkeit wiedererlangte, hing mit dem Auseinanderbrechen der Sowjetunion zusammen und leitete einen tiefgreifenden und schwierigen Tramsformationsprozess ein. Ähnlich wie in Polen und Russland schritt man hier zum Aufbau eines von Grund auf neuen politischen und wirtschaftlichen Systems. Neben positiven Folgen dieses Prozesses traten auch negative Auswirkungen zutage, die das Leben zahlreicher Menschen entscheidend prägen.

Im Zuge der Gorbatschowschen Glasnost und Perestroika entstand in Litauen (am 3. Juni 1988) die Litauische Bewegung für Erneuerung, kurz Sajudis (Sąjūdis), d. h. Bewegung. Initiiert wurde sie vor allem durch Intellektuelle und die Intelligenz (darunter viele Mitglieder der Kommunistischen Partei Litauens), und sie brachte die Bestrebungen der ganzen Nation zum Ausdruck. Sie nahm sich vor, die Politik des damaligen Generalsekretärs des Zentralkomitees der KPdSU, Michail Gorbatschows, der das Amt im April 1988 angetreten hatte, zu unterstützen. Sajudis sollte sich in die sowjetische Perestroika einfügen und deren litauische Spielart abgeben. Rasch wurde aber offenbar, dass die Bestrebungen der Litauer viel weiter reichten, dass es ihnen nicht um eine Verbesserung der Litauischen SSR ginge, sondern um etwas ganz Grundsätzliches, die staatliche Unabhängigkeit.

Ein wichtiges Ereignis war eine von Sajudis veranstaltete Trauerkundgebung am 23. August 1988 in Wilna anlässlich des 49. Jahrestages der Unterzeichnung des Hitler-Stalin-Pakts, der in Litauen allgemein als Auftakt zum Verlust der Staatlichkeit im Jahr 1940 galt. Zu der Kundgebung kamen 200 000-250 000...

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