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Von Memel bis Allenstein

Die heutigen Bewohner des ehemaligen Ostpreußens: Memelland, Kaliningrader Gebiet, Ermland und Masuren

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Andrzej Sakson

Der Autor zeigt den Verlauf der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Prozesse in den Regionen Memelland, Kaliningrader Gebiet, Ermland und Masuren nach 1945 auf. Er vergleicht ihre jeweiligen Entwicklungen kritisch miteinander und rekurriert dabei auf die Nationalbildungsprozesse im späten 19. Jahrhundert sowie die Ereignisse am Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Analysen stützen sich auf eigene soziologische Feldforschung. Zahlreiche Interviews, direkte und indirekte Beobachtungen sowie quantitative Untersuchungen wurden durch Archivstudien und durch die Auswertung von amtlichen Dokumenten, Memoiren, Fachliteratur sowie Presseezeugnissen ergänzt.
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Schlusswort, oder: Was von Ostpreußen geblieben ist

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Der Untergang des tausendjährigen Dritten Reiches zog den Niedergang Ostpreußens nach sich. Ein solches Schicksal ist keiner anderen historischen Provinz Deutschlands widerfahren. Für die Deutschen, die ihre Heimat verlassen mussten, bedeutete dies das Ende ihrer siebenhundertjährigen Präsenz in diesem Teil Europas. Die ostpreußischen Juden, die in den Vernichtungslagern ermordet worden waren, erlebten das Kriegsende nicht mehr. In den Folgejahren verließen andere ehemalige Bewohner der Region, d. h. Masuren, Ermländer und Preußisch-Litauer, nach und nach ihre bisherigen Wohnsitze.

1945 riss die kulturelle Kontinuität dieses Landes ab, allerdings nicht zum ersten Mal in seiner Geschichte. Für viele neue Bewohner Ostpreußens, d. h. Russen, Polen, Litauer, Ukrainer oder Weißrussen, war es eine Ankunft in einem feindlichen Land. Im Fall der deportierten Grenzländer aus dem Osten und der Ukrainer war es ein „Leidensweg ins Verderben“. Für andere, die mehr oder weniger unter Zwang hierher gekommen sind, war es ein Verbannungsort und der „Fluch der Geschichte“. Nur ganz wenige sahen hier einem besseren und glücklicheren Leben entgegen.

Preußen-Ostpreußen-Deutschland (der wilhelminischen, Weimarer oder Hitlerzeit) sind für die meisten Neusiedler Synonyme des Bösen und der Aggression. Die Moskauer „Prawda“ schilderte am 13. April 1945 die Provinzhauptstadt folgendermaßen: „Königsberg – das ist die Geschichte der Verbrechen Deutschlands. Während ihrer vielhundertjährigen Geschichte lebte die Stadt mit Kämpfen und Überfällen. Ein anderes Leben kannte sie nicht. Schweigsam und d...

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