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Von Memel bis Allenstein

Die heutigen Bewohner des ehemaligen Ostpreußens: Memelland, Kaliningrader Gebiet, Ermland und Masuren

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Andrzej Sakson

Der Autor zeigt den Verlauf der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Prozesse in den Regionen Memelland, Kaliningrader Gebiet, Ermland und Masuren nach 1945 auf. Er vergleicht ihre jeweiligen Entwicklungen kritisch miteinander und rekurriert dabei auf die Nationalbildungsprozesse im späten 19. Jahrhundert sowie die Ereignisse am Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Analysen stützen sich auf eigene soziologische Feldforschung. Zahlreiche Interviews, direkte und indirekte Beobachtungen sowie quantitative Untersuchungen wurden durch Archivstudien und durch die Auswertung von amtlichen Dokumenten, Memoiren, Fachliteratur sowie Presseezeugnissen ergänzt.
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5. Nationalitätenverhältnisse im deutschen Ostpreußen

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5.   Nationalitätenverhältnisse im deutschen Ostpreußen

Infolge der Beschlüsse der Pariser Konferenz wurde von Ostpreußen ein Gebiet im Norden der Provinz (Memelland) abgetrennt, das 1923 an Litauen (Litauisch-Preußen) angegliedert wurde, und ein Gebiet im Süden, wo aus dem Kreis Neidenburg das Soldauer Gebiet (Polnisch-Preußen) herausgelöst und 1920 Teil Polens wurde. Im Ergebnis der Volksabstimmung von 1920 wurden im Grenzgebiet einige Ortschaften um Löbau dem polnischen Staat angeschlossen. Die Mehrheit der masurischen und ermländischen Bevölkerung sowie der Preußisch-Litauer verblieb allerdings in den Reichsgrenzen.

Das Schicksal der protestantischen Preußisch-Litauer (Lietuvininkai) und Masuren, die in den Grenzen Ostpreußens lebten, weist in den Jahren 1920-1944 viele Ähnlichkeiten auf. Gemeinsam ist ihnen die damals rasch fortschreitende Assimilation (Germanisierung), die im Verlust des ethnischen Selbstbewusstseins zum Ausdruck kam. Ähnliches vollzog sich auch unter der einheimischen Bevölkerung im Soldauer Gebiet und im Memelland.

5.1.   Preußisch-Litauer und Masuren

Die evangelische Konfession und die Tatsache, dass die Preußisch-Litauer und Masuren nicht in den Staaten lebten, aus denen sie stammten, d. h. in Litauen bzw. Polen, führten dazu, dass sich beide Gruppen nicht nur von ihren deutschen Nachbarn, sondern auch von den katholischen Litauern und Polen „jenseits der Grenze“ stark unterschieden. Die Preußisch-Litauer und Masuren, aber auch die katholischen Ermländer bildeten im Laufe der Geschichte eine soziale Gruppe, die zwischen Litauertum/Polentum und Deutschtum gewissermaßen schwebte und eine eigene Wertewelt schuf. Dazu...

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