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Von Memel bis Allenstein

Die heutigen Bewohner des ehemaligen Ostpreußens: Memelland, Kaliningrader Gebiet, Ermland und Masuren

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Andrzej Sakson

Der Autor zeigt den Verlauf der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Prozesse in den Regionen Memelland, Kaliningrader Gebiet, Ermland und Masuren nach 1945 auf. Er vergleicht ihre jeweiligen Entwicklungen kritisch miteinander und rekurriert dabei auf die Nationalbildungsprozesse im späten 19. Jahrhundert sowie die Ereignisse am Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Analysen stützen sich auf eigene soziologische Feldforschung. Zahlreiche Interviews, direkte und indirekte Beobachtungen sowie quantitative Untersuchungen wurden durch Archivstudien und durch die Auswertung von amtlichen Dokumenten, Memoiren, Fachliteratur sowie Presseezeugnissen ergänzt.
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Einführung

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Die wechselhafte Geschichte Ostpreußens ist auf dem Alten Kontinent ohnegleichen. Hier lebten verschiedene prußische Stämme, an die sich kaum noch jemand erinnert. Das Eintreffen des Ordens der Brüder vom Deutschen Haus Sankt Mariens in Jerusalem (auch Deutscher Orden genannt) zu Beginn des 13. Jahrhunderts bildete den Auftakt zu siebenhundert Jahren deutschen Einflusses und deutscher Herrschaft.

Das historische Ermland war Teil der polnischen Adelsrepublik (Rzeczpospolita), das Herzogtum Preußen ein Lehen der polnischen Könige. Die Region war von Multikulturalität geprägt. Einheimische, d. h. preußische Einflüsse kreuzten sich hier mit deutschen, polnischen und litauischen. Hier fanden aber auch Salzburger, Niederländer, Schotten, Franzosen, Juden und Russen Zuflucht und ihre neue Heimat. Königsberg war die Provinzhauptstadt und das wichtigste Zentrum des Protestantismus während der Reformation. In der Universitätsstadt Königsberg wurde die Bibel nicht nur auf Deutsch gedruckt, sondern es erschienen auch polnische, litauische und preußische (prußische) Ausgaben. Das katholische Ermland war ein geistiges und kulturelles Zentrum mit einer Ausstrahlungskraft, die weit über die Grenzen der Provinz hinaus reichte.

Im Laufe der Zeit fühlten sich die Bewohner dieser Gegend immer mehr als deutsche, polnische oder litauische Preußen. Allmählich begann man, sie Ostpreußen, Ermländer oder Memelländer zu nennen. Hier wurde auch ein Kampf um die nationale Identität der Bevölkerung ausgetragen. Deutsche, Polen und Litauer erwarteten von ihren jeweiligen hier alteingesessenen Landsleuten, dass sie ihre Bindung zum...

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