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1926 – Die Geburt der Bioethik in Halle (Saale) durch den protestantischen Theologen Fritz Jahr (1895–1953)

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Florian Steger, Jan C. Joerden and Maximilian Schochow

Es besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass die Bioethik während der 1960er Jahre in den USA ihren Anfang nahm. Dass dieser Begriff aber schon wesentlich früher etabliert wurde, belegen die Arbeiten des protestantischen Theologen Fritz Jahr (1895–1953) aus Halle (Saale), der bereits 1926 den Begriff Bioethik in seinem Artikel Wissenschaft vom Leben und Sittenlehre definierte und ihn ein Jahr später in dem Artikel Bio-Ethik – Eine Umschau über die ethischen Beziehungen zu Tier und Pflanze näher ausarbeitete. Der von Jahr vorgeschlagene bioethische Imperativ lautet dabei: «Achte jedes Lebewesen grundsätzlich als einen Selbstzweck und behandle es nach Möglichkeit als solchen!» In diesem Tagungsband werden die Perspektiven dieser Thesen Jahrs näher untersucht. Dieses Buch enthält Beiträge in deutscher und englischer Sprache.
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Fritz Jahr und die Bioethik des 21. Jahrhunderts

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Hans-Martin Sass

Zusammenfassung

Der Hallenser Pastor Fritz Jahr (1895–1953) hat 1927 den Begriff und das Konzept von Bioethik als einer neuen akademischen Disziplin und einer universalen Tugendhaltung geprägt und beschrieben. In Anlehnung und Weiterführung des Ansatzes von Immanuel Kant (1724–1804) definiert er als Bioethischen Imperativ: „Achte jedes Lebewesen grundsätzlich als einen Selbstzweck, und behandle es nach Möglichkeit als einen solchen!“ Basierend auf vergleichenden physiologischen und psychologischen Studien weitet er damit den kantischen Kategorischen Imperativ aus auf alle Formen des Lebens. Seine Vision eines neuen interdisziplinären Faches und einer neuen globalen Ethik im Umgang mit Natur und Umwelt waren lange Zeit vergessen. Erst heute sehen wir, dass Jahrs methodischer und konzeptioneller Paradigmenwechsel in der Bewertung von Leben, von Lebensformen und Lebensräumen nicht nur neue methodische und inhaltliche Perspektiven für die Natur- und Umweltwissenschaften eröffnet, sondern auch für die Organisations-, Wert- und Kulturwissenschaften.

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