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Ungeduld der Erkenntnis

Eine klischeewidrige Festschrift für Hubert Orłowski

Edited By Wlodzimierz Bialik, Czeslaw Karolak and Maria Wojtczak

Der Sammelband stellt eine Festschrift zum 77. Geburtstag von Professor Hubert Orłowski, dem namhaften polnischen Germanisten dar und setzt sich aus Beiträgen seiner Freunde und Schüler zusammen. Die Festschrift präsentiert ein breites, mit den Forschungsschwerpunkten des Jubilars korrespondierendes Spektrum der Themenschwerpunkte. Sie beziehen sich – unter anderem – auf historische Fremdbild- und Stereotypenforschung, auf exemplarische Fragen und implizit vergleichende Analysen zur deutschen und polnischen Exilliteratur und Kultur im Schatten der NS-Ideologie sowie zu topographisch akzentuierter Erinnerungskultur in vergleichender deutsch-polnischer Perspektive.
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„ ... die Worte// Fallen in das Getriebe der Welt uneinholbar // Kenntlich machend die Dinge oder unkenntlich“. Heiner Müllers Konzept der Tragödie: Joanna Jabłkowska / Łódź

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Die DDR-Literatur war dafür bekannt, dass ihre Autoren mythologische oder biblische Stoffe als Gleichnisse zu Hilfe nahmen, die es ermöglichten, die Zensur zu umgehen oder die Einbildungskraft der Leser zu provozieren. Heiner Müller – nachdem er mit seinen ‚Produktionsstücken‘, vor allem mit der Umsiedlerin – in ‚Ungnade‘ gefallen war3 – begann sowohl die antiken Tragödien als auch andere literarische Stoffe, vornehmlich Shakespeare, zu adaptieren. Wolfram Ette betont in diesem Zusammenhang, dass die „zwei bedeutendsten Epochen tragischer Dichtung […] die athenische Klassik und das elisabethanische England“ gewesen seien.4 Seine Vermutung, dass man der DDR-Dramatik, in der tragische „Konstellationen“ und Widersprüche problematisiert wurden, in künftigen Literaturgeschichten einen ähnlichen Status der „Klassizität“ „wie Athen“ zubilligen werde, will ich hier nicht diskutieren.5 Ohne Zweifel hat Ette allerdings recht, wenn er auf Heiner Müller hinweist, der in der DDR, „im Aufstieg und Niedergang der ← 73 | 74 → kommunistischen Idee“ das einzige tragische Sujet der Moderne erkennen ließ.6 Dies provoziert die Frage nach der Entwicklung der Tragödie in seinem Theaterkonzept und der Funktion des Tragischen in seiner Auseinandersetzung mit der DDR.

Norbert Otto Eke wies noch zu Lebzeiten des Autors auf die Entwicklung seiner Dramen zu ort-und zeitlosen Werken hin.7 Er schreibt dazu:

„Ein wesentliches Element der Zurücknahme des Dramas aus der gesellschaftlichen Raum-Zeit der dramatischen Aktion in den entgegenständlichten Innenraum der Reflexion oder […] des ‚dramatischen Konfliktpotential[s] in die ‚paradoxe Raum-Zeit von Landschaften‘ ist die monologische Anlage der Texte […]; ein anderes die Dekonstruktion...

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