Show Less
Restricted access

Ungeduld der Erkenntnis

Eine klischeewidrige Festschrift für Hubert Orłowski

Edited By Wlodzimierz Bialik, Czeslaw Karolak and Maria Wojtczak

Der Sammelband stellt eine Festschrift zum 77. Geburtstag von Professor Hubert Orłowski, dem namhaften polnischen Germanisten dar und setzt sich aus Beiträgen seiner Freunde und Schüler zusammen. Die Festschrift präsentiert ein breites, mit den Forschungsschwerpunkten des Jubilars korrespondierendes Spektrum der Themenschwerpunkte. Sie beziehen sich – unter anderem – auf historische Fremdbild- und Stereotypenforschung, auf exemplarische Fragen und implizit vergleichende Analysen zur deutschen und polnischen Exilliteratur und Kultur im Schatten der NS-Ideologie sowie zu topographisch akzentuierter Erinnerungskultur in vergleichender deutsch-polnischer Perspektive.
Show Summary Details
Restricted access

Das Schreiben und das Schweigen über die Plünderung des deutschen Eigentums. Die identitätsstiftende Figur des szabrownik im Nachkriegspolen: Kornelia Kończal / Firenze

Extract

Eine der Leidenschaften, mit denen Hubert Orłowski seine Studenten anzustecken versteht, ist die Neugier für die Geschichte von Begriffen und Redewendungen. Sein Feingehör für Mehrdeutigkeiten und Bedeutungsverschiebungen in der deutschen und der polnischen Sprache führt oft zu einem ganz besonderen Glitzern der Augen – seiner wie auch der des Gegenübers; zu Momenten, die man, toutes proportions gardées, oder aber nach Walter Benjamin als Illuminationen bezeichnen könnte.

Eine solcher Illuminationen ist garantiert, wenn in Gesprächen mit Hubert Orłowski zum Beispiel das polnische Wort „szaber“ fällt, das man in Ermangelung einer besseren Möglichkeit mit dem deutschen Wort „Plünderung“ übersetzen muss. Wann, wo und von wem auch immer die Worte szabrownik (Plünderer), szabrować (plündern) oder szaber (die Plünderung, beziehungsweise das Geplünderte) benutzt wurden – eins war klar, Hubert Orłowskis Augen werden glitzern. Denjenigen, die seine im Jahre 2000 veröffentlichten Erinnerungen Warmia z oddali (Ermland aus der Ferne) gelesen haben, ist der Grund dafür klar.

Eine der Szenen, die dem Leser für lange Zeit im Gedächtnis bleiben, ist nämlich die Schilderung der Plünderungserlebnisse des Autors in der zweiten Hälfte der 1940er Jahre. Somit gehört „Ermland aus der Ferne“ zu den ganz wenigen Texten, in denen ein (ehemaliger) Plünderer über sich selbst als szabrownik schreibt und nicht bloß die anderen als szabrownicy etikettiert. Die Diskrepanz zwischen der mehrmals festgestellten Omnipräsenz der Plünderung des (einst)...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.