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Ungeduld der Erkenntnis

Eine klischeewidrige Festschrift für Hubert Orłowski

Edited By Wlodzimierz Bialik, Czeslaw Karolak and Maria Wojtczak

Der Sammelband stellt eine Festschrift zum 77. Geburtstag von Professor Hubert Orłowski, dem namhaften polnischen Germanisten dar und setzt sich aus Beiträgen seiner Freunde und Schüler zusammen. Die Festschrift präsentiert ein breites, mit den Forschungsschwerpunkten des Jubilars korrespondierendes Spektrum der Themenschwerpunkte. Sie beziehen sich – unter anderem – auf historische Fremdbild- und Stereotypenforschung, auf exemplarische Fragen und implizit vergleichende Analysen zur deutschen und polnischen Exilliteratur und Kultur im Schatten der NS-Ideologie sowie zu topographisch akzentuierter Erinnerungskultur in vergleichender deutsch-polnischer Perspektive.
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Das Jahrhundert der Diktatoren – auch ein Jahrhundert des Widerstands: Peter Steinbach / Berlin

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Berlin ist für Hubert Orlowski immer ein wichtiger Bezugspunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit gewesen. Das war nicht selbstverständlich. Denn Berlin war während der NS-Zeit zu einem Zentrum der Vernichtung geworden, dessen politische Aktivitäten sich gegen den polnischen Staat, und dessen Ausrottungswillen sich schließlich auch in außerordentlichem Maße gegen die polnische Gesellschaft richteten.

Was, fragte ich mich oft, bindet einen polnischen Germanisten wie Hubert Orlowski so an die deutsche Geschichte, an die deutsche Sprache und Literatur, an die Kultur der Deutschen? Warum widmete er einen großen Teil seiner wissenschaftlichen Energie der deutsch-polnischen Bibliothek, dem kulturellen Austausch? Ich fand die Erklärung, als Hubert Orlowski und ich über den Wirtschaftstheoretiker Walter Eucken diskutierten, dessen Hauptwerk Orlowski der polnischen Öffentlichkeit erschloss: Ihn faszinierte die Ambivalenz der deutschen Kultur, die Vielschichtigkeit deutscher Geschichte, die Ambivalenz politischer Entwicklungen und Entscheidungen.

Kaum eine deutsche Stadt spiegelt diese Vielschichtigkeit so wie Berlin, die Hauptstadt Preußens, die zur Reichshauptstadt aufstieg, in der Weimarer Republik pulsierte und im NS-Staat zur Reichshauptstadt abstieg, dem Zentrum von Terror, Verfolgung, Vernichtung. Die Jahrzehnte nach 1945 schienen so geradezu ein Abgesang zu sein, die Teilung Europas machte aus Berlin eine merkwürdige Doppelstadt. Nach 1989 sprach man deshalb von Berlin als einem modernen Phönix, der aus der Asche neu erwachsen war. Die Deutungsprobleme nahmen dadurch nicht ab, denn es sagt sich leicht, nun müsse zusammenwachsen, was zusammengehöre. Eine neue Phase politisch-kultureller Integration begann in den Jahren 1989 und...

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