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Hamburg unter dem Drucke der Franzosen (1863/64)

Mit einem Lebensbild Carl Mönckebergs, Pastor an St. Nikolai

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Helmut Stubbe da Luz

1863 – in Hamburg werden «Befreiungskriegs»-Jubiläen veranstaltet. Über das Datum herrscht Zwist – seit 50 Jahren. 1863 setzt sich die «März-Partei» durch. Die Märzfeier, zuletzt 1838 begangen, auf Hamburger Lokalgeschehen Bezug nehmend, gerät erneut zum Triumph von Nationalismus und Liberalismus, zeigt aber auch Anklänge an Militarismus und Franzosenfeindlichkeit. Die auf Senatsbeschluß hin seit 1817 routinemäßig alljährlich veranstaltete Oktoberfeier, bezogen auf die Leipziger «Völkerschlacht», läuft dagegen aus. Hier positioniert sich hastig Carl Mönckeberg mit dem Buch Hamburg unter dem Drucke der Franzosen; nur der erste Teil erscheint – wie geplant – zum März 1863. Der konservative Pastor, auf Seiten der «Senats»- und «Oktober-Partei», legt eine Darstellung vor, die von Ressentiments weitgehend frei und bis heute informativ ist. Dieses Werk wurde nun neu herausgegeben und reich kommentiert.
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3. Export und Reimport. Georges Servières entdeckt Carl Mönckeberg und das Thema der Hanseatischen Departements

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1904 erschien die erste Darstellung von Napoleons Hanseatischen Departements - von einem Franzosen, stark auf Hamburg zugeschnitten, bemerkenswert ressentimentfrei, bis auf den heutigen Tag informationsreich, leider nie übersetzt. Der französische Musik - und Kunsthistoriker Georges Servières war auf Carl Mönckeberg gestoßen, weil er ein Buch über deutsche Städte schrieb28. Auf diese Idee wiederum kam Servières, weil er sich - nächst der französischen - für deutsche Musik interessierte und begeisterte, anfänglich vor allem für Richard Wagner29. Servières war germanophil. Als er Informationen über Hamburg sammelte, kam ihm Mönckebergs Geschichte der Freien und Hansestadt Hamburg zu Gesicht, und als Kapitelüberschrift entdeckte er darin Hamburg als französische Stadt.

In Mönckebergs Franzosenzeit-Buch hatte ein Kapitel gelautet Hamburg, eine französische Stadt. Die Formulierung vermochte etwas ganz und gar Abwertendes nicht zu bedeuten. Bei all der in Deutschland grassierenden Frankophobie herrschte doch aber ein großer Respekt vor Frankreich, seiner Kultur, seiner Geschichte, seinen Intellektuellen, nicht zuletzt seinen Städten. Mochte Paris unter bestimmten Aspekten und unter Heranziehung eines guten Stücks doppelter Moral als sündiger Moloch verschrien sein, so war es doch zumindest ganz unüblich, Städte wie Lyon, Marseille oder Montpellier, Rennes, Reims oder Tours als Manifestationen des Erzfeinds oder gar einer inhumanen, schädlichen, zurückgebliebenen Zivilisation zu betrachten. Noch einmal: Wer sich auf das Wort eine französische Stadt einließ, konnte negative Assoziationen nicht ohne weiteres damit verbinden. Der...

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