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Mechanismen der Trivialliteratur

Zur Wirkungsweise massenhaft verbreiteter Unterhaltungslektüre

Wolfgang Beutin

In einer Untersuchung von etwa 170 Romanen und Novellen der Trivialliteratur aus der Zeit von 1849 bis 1945 werden die «Mechanismen» dieser Texte aufgezeigt. Die herangezogenen Werkgruppen sind: der Liebesroman, der Frauenroman, der historische Roman, der Gesellschaftsroman, der Abenteuerroman, der Bergroman und der biographische Roman. Die unterschiedlichen Romantypen weisen auf verschiedene Elemente in der Textur zurück – es wird analysiert, wie diese «Mechanismen» die Schriften an das Interesse des Publikums banden und die Inhalte mit der gesellschaftlichen Psychologie und der Ideologie der Lesenden verknüpften.
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Abenteuerroman

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„Exotische“ Motive

Autorinnen und Autoren historischer Romane befassen sich mit Stoffen aus zurückliegenden Epochen, mit Ereignissen, die von der jeweiligen Zeitspanne her gesehen, in der die Bücher entstehen, länger oder kürzer zurückliegen. Sie wandern aus ihrer Gegenwart aus, zurück in die Vergangenheit – ob sie diese bevorzugt aus Dokumenten zu rekonstruieren suchen oder unverdrossen aus ihrer Phantasie herstellen. So wandern die Urheber von Abenteuerromanen statt aus ihrer Zeit in Gedanken aus der Region oder Stadt ihrer Herkunft aus, emigrieren geistig aus ihrem Land und verlassen sogar womöglich ihren Erdteil, um in entfernten Ländern und auf fremden Kontinenten anzukommen, wo sie auf ‚exotische Motive‘ stoßen, die sie aufgreifen.123

Und wie die Verfasser historischer Romane nicht ohne Gepäck in die Vergangenheit abtauchen – denn sie nehmen die Probleme ihrer eigenen Epoche mit –, so nicht anders die Verfasser der Abenteuerromane. Schon gar dann, wenn die fremden Länder oder Kontinente solche sind, die das Herkunftsland des Verfassers sich angegliedert hat und als Kolonie bewirtschaftet. Im Jahre 1884 änderte Reichskanzler Bismarck zur Überraschung vieler seine bis dahin gültige Ansicht, daß dem Deutschen Reich Kolonien nicht nötig seien, und begann eine Politik, die darin bestand, Teile anderer Kontinente, sog. „Niemandsland“, worin aber deutsche Kaufleute ihre Interessen verfolgten, unter den Schutz des Deutschen Reiches zu stellen. Sprachregelung: Nicht von deutschen Kolonien war offiziell die Rede, sondern der angewandte Terminus hieß: „Schutzgebiete“. Erstes davon wurde Deutsch-Südwestafrika. Hier brach 1904 ein...

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