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Mechanismen der Trivialliteratur

Zur Wirkungsweise massenhaft verbreiteter Unterhaltungslektüre

Wolfgang Beutin

In einer Untersuchung von etwa 170 Romanen und Novellen der Trivialliteratur aus der Zeit von 1849 bis 1945 werden die «Mechanismen» dieser Texte aufgezeigt. Die herangezogenen Werkgruppen sind: der Liebesroman, der Frauenroman, der historische Roman, der Gesellschaftsroman, der Abenteuerroman, der Bergroman und der biographische Roman. Die unterschiedlichen Romantypen weisen auf verschiedene Elemente in der Textur zurück – es wird analysiert, wie diese «Mechanismen» die Schriften an das Interesse des Publikums banden und die Inhalte mit der gesellschaftlichen Psychologie und der Ideologie der Lesenden verknüpften.
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Biographischer Roman

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Dimensionen des biographischen Romans

Verfasserinnen und Verfasser biographischer Romane sind nicht davon befreit, sich analogen Schwierigkeiten zu stellen, wie sie beim Schreiben von historischen Romanen stets zu überwinden sind. Das Genre des biographischen Romans läßt sich auch als Subgattung des historischen Romans auffassen.138

Allerdings zeigt es zwei unterschiedliche Dimensionen, je nachdem, ob eine historische Persönlichkeit als Hauptfigur in den Mittelpunkt rückt oder ob eine fiktive. Falls eine fiktive, liegt die Problematik nicht anders als in der Belletristik überhaupt. Erfinde ich eine Handlung um „Die schöne Melusine“, bewege ich mich nirgends anders als auf dem Boden der Fiktionalität; würde ich eine Erzählung ersinnen, die ich für eine Lebensgeschichte einer Fürstin oder einer Bildhauerin namens Melusine ausgebe, als die Biographie einer Ausnahmefrau vielleicht, jedenfalls aber als die erfundene Biographie einer erfundenen Figur, hätte ich dieselben Regeln zu beachten, die bei der Produktion eines belletristischen Werks generell nicht verabsäumt werden dürfen.

Beim biographischen Roman um eine historische Persönlichkeit sind zwei Möglichkeiten denkbar. Entweder ist über die vom Verfasser gewählte Gestalt der Geschichte nur wenig bekannt, manchmal kaum mehr als einige Daten (Herzog Boiorix bei Pastenaci, s. o.), oder im Gegenteil viel. Falls nur spärliche Daten, darf die Phantasie des Verfassers nachhelfen, d. h. er setzt allerlei fiktive Charaktere, Vorgänge und Details dem überlieferten Material hinzu, Elemente einer Familiengeschichte, womöglich eine komplette Privathandlung. Diffizil wird es im hohen...

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