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Modernismus als theologischer Historismus

Ansätze zu seiner Überwindung im Frühwerk Maurice Blondels- 2., überarbeitete Auflage

Gerhard Larcher

Die Arbeit versteht sich als theologiegeschichtliche Untersuchung in systematischer Absicht. Innerhalb der Blondel- und Modernismusforschung erfüllt sie die spezielle Aufgabe, jenen Stellungnahmen und Korrespondenzen Maurice Blondels rund um die «question biblique» nachzugehen, die wissenschaftstheoretisch und theologisch das Geschichtsproblem betreffen. Darüber hinaus wird versucht, alle einschlägigen Hinweise, die Blondels sonstiges philosophisches und apologetisches Frühwerk bereithält, in ihrer weitreichenden Aktualität, besonders zum Thema «Historische Vernunft und Glaube» und zum Traditionsbegriff systematisch zu entfalten.
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Erster Hauptteil: Hinführungen

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1. Modernismus als theologischer Historismus

1.1. Erläuterung der Arbeitshypothese

Der Modernismusstreit (1) ist ein äußerst komplexes geschichtliches Phänomen, das keineswegs zufällig um die Jahrhundertwende in katholischer Theologie und Kirche auftaucht. In ihm manifestieren sich Symptome einer weitreichenden Krise, die insbesondere die französische Kirche, aber nicht nur sie allein, in Atem hielten (2). Maurice Blondel, der wie viele andere unter den Pionieren jener Zeit an den Erschütterungen von Theologie und Kirche gelitten und mit seinem ganzen Lebenswerk für eine Erneuerung gestritten hat, sprach auf dem Höhepunkt der Kontroversen vom anomalen Gegensatz „zweier ganz und gar unverträglicher katholischer Grundhaltungen“ (3). Dabei diagnostizierte er den Konflikt sehr weitsichtig sowohl als speziell innerkatholischen Antagonismus im Streit um das Identitätsproblem zwischen Dogma und Geschichte als auch als Index eines tiefgreifenden, aber noch unbewältigten generellen ‚Paradigmenwechsels‘ in der Wissenschafts- und Geistesgeschichte seit der Aufklärung überhaupt. Unter beiden, sich gegenseitig bedingenden Aspekten stand für ihn die Frage einer grundsätzlichen Haltung von Kirche und Theologie gegenüber den Herausforderungen neuzeitlichen Welt- und Methodenbewusstseins zur Entscheidung an (4). Die faktische Durchsetzung des Begriffs ‚Modernismus‘ ist insofern nicht unzutreffend. Was Blondel – zu einer Zeit, da das gängige Schlagwort noch nicht in Gebrauch war – näherhin am Gesamtphänomen des Modernismus als Historismus („historicisme“) (5) kritisierte, stellte sich ihm einerseits als Folgeproblem und Spiegelbild zur extrinsezistisch-dogmatischen Bevormundung (6), andererseits als Verstrickung in einen noch undurchschauten Problemzusammenhang im Übergang von einem...

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