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Repräsentationen des Ethischen

Festschrift für Joanna Jabłkowska- Herausgegeben von Kalina Kupczyńska und Artur Pełka

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Kalina Kupczynska and Artur Pelka

Im Mittelpunkt dieser Festschrift für Professorin Joanna Jabłkowska stehen Fragen, die im Zusammenhang mit dem kulturwissenschaftlichen ethical turn in der rezenten literaturwissenschaftlichen Forschung diskutiert werden. Der Zusammenhang zwischen Ethik und Literatur wird sowohl theoretisch erfasst als auch in zahlreichen Einzelanalysen literarischer Werke diskutiert. Die literaturwissenschaftliche Perspektive wird ergänzt durch philosophische und politische Betrachtungsweisen.
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Neosexualitäten und die Moral der Literatur

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Günther A. Höfler

1. Stichworte zur sexuellen Situation der Zeit

Die auf den Punkt gebrachte Diagnose des Kulturphilosophen Robert Pfaller, nämlich „dass wir ein Problem mit unserer ‚Libidounterbringung‘ haben“1, klingt fürs Erste nicht besonders aufregend. Denn welche gesellschaftliche Konstellation im Laufe der Zivilisationsgeschichte hatte diese Schwierigkeit nicht? Und die Formen der sozial- und moralhistorischen Bewältigungsversuche vom sechsten Gebot bis zu Harassment-Paragraphen und Correctness-Hysterie sind mannigfaltig. Dennoch lässt eine einigermaßen befriedigende Problemlösung fraglos weiter auf sich warten, und das, wenn man Pfaller folgt, vielleicht mehr denn je. „Die westliche Gegenwartskultur“, so seine Beobachtung, verfällt „seit Beginn der 90er Jahre in eine Tendenz zu Lustfeindlichkeit und Prüderie“, was damit zu tun hat, dass „wir kein vernünftiges Verhältnis zum Genuss herstellen können.“2 Was auf den schnellen Hinblick anmutet, als gebe es in Bezug auf die ‚Condition sexuelle‘ wenig Neues unter der Gürtellinie, scheint sich bei näherer Betrachtung doch als recht neuartige Situation darzustellen, zumal sich darin auch eine gewisse Paradoxie abzeichnet. Erwartbar wäre nämlich, dass nach der so genannten „sexuellen Revolution“ der 1970er Jahre, die Volkmar Sigusch zufolge die Normalsexualität3 aus alten Moralzwängen gelöst hat, sich ein entspannterer Umgang damit im Sinne verbesserter Lebenskunst einstellt. In einem nächsten mit den 1980er Jahren einsetzenden Schritt, dem von ihm als „neosexuelle Revolution“ bezeichneten Umbruch, geschieht Sigusch zufolge eine weitere Deregulierung auf sexuellem Gebiet. „Die ‚großen...

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