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Literatur, Utopie und Lebenskunst

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Elzbieta Kapral and Karolina Sidowska

Den Kern des vorliegenden Bandes bilden die Beiträge, die an der interdisziplinären Konferenz Literatur und Utopie (Łódź 2012) präsentiert wurden. Der Band beinhaltet vor allem jene Texte, deren Autoren sich mit dem breit verstandenen Thema der Utopie in der Literatur befassten. Schon den Titeln der Beiträge lässt sich entnehmen, dass das Thema der Utopie in der Literatur vielschichtig und auf keinen Fall nur auf eine (literarische) Epoche festzulegen ist. Die einzelnen Texte und die unterschiedlichsten Herangehensweisen der Autoren an die im Titel des Bandes angesprochene Problematik weisen auf dieses Facettenreichtum hin und liefern Inspiration zu einer intensiveren wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit diesem Thema.
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„Der Stein… die Grenze… in Ewigkeit.“ Neue Utopie der Provinz in Stephan Thomes Debütroman Grenzgang (2009)

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Joanna Firaza

Nach der Renaissance der Heimatliteratur in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts, auf die eine Welle der Anti-Heimatliteratur folgte,1 wurde Stephan Thomes Debütroman Grenzgang von 20092 für seine „subtile Restauration des Provinziellen“ gefeiert, für eine „unverbrauchte Frische […], als hätte [der Autor] das Genre gerade selbst erfunden“.3 Sandra Kegel (Frankfurter Allgemeine Zeitung) zeigte sich beeindruckt von der realistischen Schilderung des Romans mit pessimistischem Grundton: es sei erstaunlich, „wie präzise [Thome, J.F.] nicht nur die oberhessische Landschaft und die Eigenart ihrer Menschen einfängt, sondern hin und wieder auch das spezielle Idiom der Nordhessen einfließen lässt“.4 Iris Radisch stellt Thome in die Nachfolge Martin Walsers, seit dessen „liebevollen Kleinstadtbürgerpanoramen der deutsche Mittelstand lange nicht mehr so verständnisinnig in seinen liebenswürdigen Begrenztheiten porträtiert worden [sei, J.F.] wie hier.“5 Die Fachpresse nahm den Grenzgang einstimmig lobend auf,6 das Buch Stephan Thomes (bürgerlich Stephan Schmidt), Jahrgang ← 71 | 72 → 1972, des großen Unbekannten der deutschen Literaturszene,7 gelangte auf die Shortlist zum Deutschen Buchpreis 2009 und wurde mit dem Aspekte-Literaturpreis 2009 ausgezeichnet. Die Kritik wollte gar an dem Text ein Symptom der neuesten Tendenz in der deutschen Gegenwartsliteratur ablesen, die von der jungen Generation der Autoren realisiert wird: Wie schon in den 60er Jahren, als das Ländliche nicht mehr so sehr als „Projektionsraum für vorwärtsoder rückwärtsgewandte Utopien“ oder als negatives Gegenbild zur Urbanität fungierte, sondern die...

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