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Formen des Nicht-Verstehens

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Oliver Niebuhr

Für viele Sprachwissenschaftler ebenso wie für Sprachbenutzer ist Nicht-Verstehen eine unabsichtlich entstehende Randerscheinung in der Kommunikation, die es zu vermeiden gilt. Die Beiträge in diesem Band rücken das negative Image des Nicht-Verstehens ein wenig zurecht. Sie analysieren und kategorisieren die Formen des Nicht-Verstehens aus unterschiedlichen ingenieurs- wie geisteswissenschaftlichen Blickwinkeln heraus für verschiedene Sprachen und Medien. Nicht-Verstehen ist – mal mehr, mal weniger ausgeprägt – in geschriebener wie gesprochener Sprache allgegenwärtig und wird von Sprachbenutzern auch gezielt instrumentalisiert. Zudem werden einige Formen des Nicht-Verstehens überschätzt – oder durch die Forschung selbst erst geschaffen, die das (Nicht-)Verstehen noch nicht verstanden hat.
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Thorsten Burkard: Mythen und freie Erfindungen in der lateinischen Grammatik – das Nicht-Verstehen einer toten Sprache und seine Konsequenzen

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Mythen und freie Erfindungen in der lateinischen Grammatik –das Nicht-Verstehen einer toten Sprache und seine Konsequenzen

Thorsten Burkard (Kiel)

1. Einleitung

Nicht-Verstehen und Latein scheinen eng zusammenzugehören, wie jeder zu wissen glaubt, der in der Schulzeit oder in Latinumskursen mit dieser Sprache Bekanntschaft gemacht hat. Einen lateinischen Text auf Anhieb zu verstehen, beim Lesen oder womöglich sogar beim Zuhören, ist auch für die meisten Lateinstudenten unvorstellbar. Die Hürde des – anfänglichen oder ständigen – Nicht-Verstehens gehört anscheinend untrennbar zum Lateinischen dazu. Bekanntlich geht es hier um ein Verständnis auf einer sehr niedrigen Stufe, um das Verstehen des Satzbaus und der Wortbedeutungen; von Interpretation und tieferem Eindringen in den Text ist überhaupt noch nicht die Rede.

Um diese naheliegende Verbindung von Nicht-Verstehen und Latein soll es im Folgenden aber nicht gehen, weil dieser Aspekt wissenschaftlich gesehen irrelevant ist. Die meisten Texte sind unter Heranziehung der einschlägigen Hilfsmittel wie Lexika und Grammatiken mühelos übersetzbar, so dass es sich nicht lohnt, über diese Form des Nicht-Verstehens zu reflektieren, die lediglich auf eine zu geringe Sprachkompetenz zurückzuführen ist und selbstverständlich auch für jeden Anfänger in anderen Sprachen gilt. Der Untertitel des Aufsatzes ist daher nicht so zu verstehen, dass Latein eine schwierige Sprache wäre, weil der Sinn eines Satzes, seine Konstruktionen und die darin vorkommenden Formen so außergewöhnlich kompliziert wären, dass dem Lateinischen eine Sonderstellung zukäme. Die...

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