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Niccolò Machiavelli – Die Macht und der Schein

2., aktualisierte und erweiterte Auflage

Dirk Hoeges

Machiavelli entwirft die Figur des modernen Herrschers im Spannungsverhältnis von Macht und Schein. Nichts sein – alles scheinen wird zur Bedingung für Erwerb und Erhalt von Macht. Dabei ist Machiavellis Entdeckung und Nutzung der Perspektive für das Wesen des Politischen entscheidend. Unter die Perspektive diffuser Beobachter geraten, wird Herrschaft von der Inszenierung abhängig. Macht ohne Schein scheitert wie Schein ohne Macht. Es schlägt die Stunde der Medien. Sie arbeiten am Schein. Durch präzise Textanalyse wird der «Fürst» als komplexe Kunstfigur sichtbar. Machiavellis berühmtester Text wie sein umfangreiches Gesamtwerk aus Prosa und Poesie ist nur mittels Ästhetik und Rhetorik zu verstehen. Es zeigt den kritischen Humanisten und gewandten Politiker als Meister vieler literarischer Formen, mit denen er von Jugend an vertraut wurde.
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Der Himmel über Arezzo oder der Wille zur Macht Propheten, Astrologen, Magier

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Das 56. Kapitel des 1. Buches der «Discorsi» ist überschrieben: «Bevor in einer Stadt oder in einem Land große Ereignisse eintreten, kommen Zeichen, die darauf hindeuten, oder treten Menschen auf, die sie voraussagen.»

Auf Savonarolas Voraussagen über das Schicksal von Florenz gemünzt, belegen Machiavellis Ausführungen hinreichend, dass er die Möglichkeit, Wahrheit und Relevanz von Prophezeiungen, Wundern und übernatürlichen Zeichen nicht ausschließt. Demnach haben Propheten, Astrologen, Magier, Astrologie wie Magie und Mantik ihren Platz in seinem Denken und in seiner Phantasie. Damit hat der angebliche Fundamentalrationalist Machiavelli teil am kollektiven Bewusstsein seiner Zeit. Will man das Cliché vom Rationalisten beibehalten, muss man den Begriff des Rationalismus um seine Renaissancedimension erweitern. In ihm figurieren Astrologie, Magie, Alchimie, und sie haben erkenntnisfördernde Qualität. Die moderne Verkargung des Rationalismusbegriffs führt zur Ausweisung der «okkulten» Wissenschaften aus dem Reich der Rationalität.

Für Machiavelli hingegen, der sich über die gelehrten Erbauer von Luftschlössern mokierte,1 sie aber selbst unablässig konstruierte, um sich gleichzeitig der Wirklichkeit der Gegenwart und der Wahrheit der Geschichte zu verschreiben, sind keineswegs Beziehungen, Korrespondenzen und Einflüsse zwischen evidenter und latenter Welt ausgeschlossen. Die Mittelsmänner zwischen diesen Welten sind die Wahrsager, Propheten und ihre Anverwandten; ihren zeitgenössischen Vertretern barsch das Wort abzuschneiden, wagt er nicht; und im übrigen: Hatten sie nicht im antiken Rom, Machiavellis Musterstaat, ihren festen Platz, und gehörten sie nicht dort zu den gesuchten, geschätzten und...

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