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Der Nationalsozialismus als Problem der Gegenwart

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Joachim Perels

Kritik an – heute wirksamen – Umdeutungen der despotischen NS-Herrschaft bildet den roten Faden der Untersuchung. Dazu gehört die Verwandlung des Hitlerregimes in einen Rechtsstaat und die Entpolitisierung der beamteten Funktionseliten der Diktatur. Die Auswirkungen der weitgehenden Übernahme des Justizapparats des Dritten Reiches werden sichtbar – wie die vielfache Auflösung des Täterbegriffs für nationalsozialistische Massenverbrechen.
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Die NS-Despotie – ein Volksstaat? Erkenntnisgewinn und ideologische Tendenzen bei Götz Aly

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I.

Unter den Historikern, die verdrängte Fragestellungen der deutschen Geschichte zum Thema machen, gehört Götz Aly zweifellos in die erste Reihe. Von seinen Untersuchungen, die sich überwiegend durch eine intensive Aufarbeitung nicht veröffentlichter oder der allgemeinen Wahrnehmung entzogener Quellen auszeichnen, zeigt dies insbesondere das gemeinsam mit Susanne Heim veröffentlichte Buch „Vordenker der Vernichtung“,1 das die ideologische Mitwirkung von Historikern in der nationalsozialistischen Politik der Aussonderung und Vernichtung der Juden herausarbeitet.2 Die wissenschaftspolitische Pointe ist dabei, dass ein Teil jener Historiker in der Bundesrepublik ohne Schwierigkeiten zu prägenden Figuren ihres Fachs wurden, wie beispielsweise Werner Conze.

Das Buch „Hitlers Volksstaat“,3 das in der deutschen Öffentlichkeit eine außerordentliche Resonanz fand,4 folgt wiederum dem detektivischen Erkenntnisinteresse Götz Alys. Es arbeitet die bisher nur begrenzt wahrgenommene Verwendung jüdischen Eigentums und Vermögens für den Krieg des HitlerRegimes systematisch heraus, analysiert die steuerrechtliche Bevorzugung der unteren Schichten und lenkt den Blick auf den – kaum in seiner Bedeutung erkannten – Indikator der allgemeinen Sparquote, an der man die Massenloyalität in bestimmtem Maße ablesen kann.

Der Erkenntnisgewinn der Untersuchung, die sich auf eine Auswertung weitverzweigter Quellen stützt, ist jedoch – in einem eigentümlichen Gegensatz von exakter empirischer Analyse und unkritischer Interpretation – mit einer fragwürdigen Gesamtanalyse der NS-Herrschaft verbunden, die dessen Ideologie z.T. affirmativ verdoppelt, die Ausgrenzungsformen des Regimes analytisch unzureichend wahrnimmt und am Ende sogar den Stellenwert des Antisemitismus für die Struktur...

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