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Der Nationalsozialismus als Problem der Gegenwart

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Joachim Perels

Kritik an – heute wirksamen – Umdeutungen der despotischen NS-Herrschaft bildet den roten Faden der Untersuchung. Dazu gehört die Verwandlung des Hitlerregimes in einen Rechtsstaat und die Entpolitisierung der beamteten Funktionseliten der Diktatur. Die Auswirkungen der weitgehenden Übernahme des Justizapparats des Dritten Reiches werden sichtbar – wie die vielfache Auflösung des Täterbegriffs für nationalsozialistische Massenverbrechen.
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Lebensgeschichte und wissenschaftliche Forschung. Theodor Eschenburgs Umdeutung der Rolle der Beamtenschaft des NS-Staats

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Durch Forschungen von Prof. Rainer Eisfeld, Osnabrück, der sich durch Untersuchungen über die Kontinuität der wissenschaftliche Karriere des Raketenspezialisten Werner von Braun einen Namen gemacht hat, der im Dienst der NS-Diktatur und der US-Regierung tätig war, ist ans Licht gekommen, dass Theodor Eschenburg, einer der bekanntesten Politikwissenschaftler der Bundesrepublik, der als Rektor der Universität Tübingen Ernst Bloch nach seinem Verlassen der DDR eine Gastprofessor verschaffte, durch seine zeitweise Mitgliedschaft in der SS Anfang der 3oer Jahre und durch die Mitwirkung an der Arisierung eines jüdischen Unternehmens an der Durchsetzung der NS-Herrschaft beteiligt war.1 Die neuen Erkenntnisse zu Eschenburgs Rolle im NS-Staat haben dazu geführt, dass der mit seinem Namen verbundene Wissenschaftspreis vom Vorstand der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft nicht mehr vergeben wird. Eschenburgs in der Wochenzeitung „Die Zeit“ publizierte Beiträge zur Rolle der Beamtenschaft im NS-System erscheinen nun in einem neuen Licht. In den Zeitungsartikeln drückt sich indirekt Eschenburgs Umgang mit seiner einstigen politischen Rolle im Hitler-Regimes aus.

I.

Eschenburgs Artikel über Beamte und Minister im Nationalsozialismus reproduzieren deren Selbstbild einer weitgehend unselbständigen Rolle in der Diktatur. Dies zeigen Beiträge über Staatssekretärs Ernst von Weizäcker, Finanzminister Graf Schwerin von Krosigk und des Ministerialrats Hans Globke. Die in den 60er und 70er Jahren auf Deutsch publizierten rechtstheoretischen Arbeiten zur Machtstruktur Nazi-Deutschlands der emigrierten Juristen und Politikwissenschaftler Franz Neumann, Ernst Fraenkel und Otto Kirchheimer2 werden von ← 139 | 140 → Eschenburg nicht zur...

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