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Kunst der Propaganda- Der Film im Dritten Reich

Zweite überarbeitete Auflage

Series:

Manuel Köppen and Erhard Schütz

Kunst und Propaganda wurden unter der gleichen Perspektive gesehen: Menschen zu formen. Es blieb jedoch eine entscheidende Differenz: Das Politische nutzte die Propaganda als Funktion bzw. Mittel, die Kunst aber war u. a. ihr Ziel. Propaganda und Kunst gerieten in Wechselverhältnisse: Kunst konnte Mittel der Propaganda werden, die selbst eine Kunst sein sollte. Die hohe Kunst blieb jedoch Leitbild, selbst wenn dadurch eine Modernisierung des Films nach internationalen Maßstäben verhindert wurde. Was dabei jedoch entstand, war ein sehr eigener, eben als spezifisch kunsthaft deutsch verstandener Stil der Dramatisierung von Historie und Zeitgenössischem. Die Kunst der Propaganda erschien so als modern und rückwärtsgewandt zugleich; sie entwickelte raffinierte Muster und verfiel plattester Rhetorik; sie kalkulierte Freiräume der Affekte ein, die sie doch zugleich kontrollieren wollte.
Dieser Kunst der Propaganda, mit ihren Eindeutigkeiten, Widersprüchen und Ambivalenzen sind die Aufsätze dieses Bandes auf der Spur. Die Beiträge, die sich aus einem gemeinsamen Seminar zum «Film im Dritten Reich» an der Humboldt-Universität entwickelt haben, zentrieren sich um Themen wie: Filmkunst als Gesetz, Inversion der Feindbilder, Künstler als Genies, Flieger und Trümmerlandschaften, Bilder der Großstadt, das Melodram, den Jugendfilm oder die Imaginationen von Fremde und Heimat.
Aus dem Inhalt: Manuel Köppen/Erhard Schütz: Kunst der Propaganda - Der Film im ‘Dritten Reich’. Einleitung – Marian Kaiser: Rundfunk und Film im Dienste nationaler Kultur. Zur Film- und Medientheorie im ‘Dritten Reich’ – Simon Roloff: Im Körper des Feindes. Regierungswissen in Filmen der NS-Zeit – Manuel Köppen: Der Künstlerfilm in Zeiten des Krieges – Erhard Schütz: Flieger-Helden und Trümmer-Kultur. Luftwaffe und Bombenkrieg im nationalsozialistischen Spiel- und Dokumentar-Film – Wolfgang Kabatek: Berlin - Ein Widerstreit (UA 1933) – Geesa Tuch: Den Volkskörper zu Tränen rühren: Melodramatisches im ‘Dritten Reich’ – Rebekka Hufendiek: «Ein doppelter Wall aus Herzen und Stahl». Krieg und Emotionen im Heimat-Frontfilm – Astrid Pohl: Männer am Ende. «Große Freiheit Nr. 7» und die deutschen Filmmelodramen der letzten Kriegsjahre – Rüdiger Steinlein: Der nationalsozialistische Jugendspielfilm. Der Autor und Regisseur Alfred Weidenmann als Hoffnungsträger der nationalsozialistischen Kulturpolitik – Manuel Köppen: Mit dem ‘Dritten Reich’ um die Welt. Kodierungen der Fremde im fiktionalen Film.