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Hüter der Kultur

Bildungsbürgerlichkeit in den Kulturzeitschriften «Deutsche Rundschau» und «Neue Rundschau» (1890-1914)

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Margot Goeller

Die Kulturzeitschriften «Deutsche Rundschau» und «Neue Rundschau» galten bereits den Zeitgenossen als die führenden Kulturorgane des Bildungsbürgertums im deutschen Kaiserreich. Unterhalb der zur Schau getragenen Gegensätze verband beide ein gemeinsames bildungsbürgerliches Ideen- und Wertefundament. Die Zeitschriftenbeiträge eröffnen einen Zugang zum Bildungswissen und zu den ästhetischen Konzepten im Bildungsbürgertum und zeigen, dass sich diese Gesellschaftsgruppe über Bildung und Kultur definierte und daraus ihre Identität und gesellschaftliche Stellung ableitete. Die wilhelminische Phase ist ein letzter Höhe- und zugleich Endpunkt dieser kulturellen Vergesellschaftung des Bildungsbürgertums. Vieles trug zu ihrem Ende bei. Im Zentrum standen die Entwicklungen in der Kunst, die der Wertegemeinschaft des liberalen Kulturmilieus den Kern entzogen, der sie zusammenhielt. Der Verlust ihrer Rolle als Kulturhüter wurde in beiden Zeitschriften seismographisch sensibel beobachtet. Als das bürgerliche Jahrhundert im Ersten Weltkrieg unterging, endete auch die große Zeit der Kulturzeitschriften.
Inhalt: Der kulturalistische Ansatz in der Bildungsbürgertumsforschung – Die Kulturzeitschriften als Repräsentanten bildungsbürgerlicher Werthaltungen und Denkmuster – Die Publizisten- und Leserkreise der «Deutschen Rundschau» und «Neuen Rundschau» – Bildungsbürgerliche Selbstbilder und Positionierungen in der wilhelminischen Gesellschaft – Die Krise des Wertesystems Bildungsbürgerlichkeit – Reaktionen auf den Verlust kultureller Meinungsführerschaft.