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Kulturrevolution, Diskurs und Erinnerung

Eine Analyse lebensgeschichtlicher Erzählungen von chinesischen Frauen

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Nora Sausmikat

China befindet sich in einer Transformationsphase – zumindest wirtschaftlich und gesellschaftlich. Inwieweit auch eine politische Transformation von einem autoritären zu einem postautoritären System stattfindet, zeigt die Untersuchung anhand der Aufarbeitung der Kulturrevolution. Die Erinnerung an die Kulturrevolution in China unter Mao Zedong, insbesondere an die Massenumsiedlung von früheren RotgardistInnen und städtischen SchülerInnen, unterliegt bis heute strengen Tabus. Dennoch ist nicht nur allein der Staat mit der Aufarbeitung dieser Epoche beschäftigt. Dieses Buch beschäftigt sich mit den Erinnerungsmechanismen einer spezifischen Generation von Frauen. Die so genannte Vierte Führungsgeneration der heutigen politischen Elite in China entstammt dieser Generation. Die historische Analyse beleuchtet den parteiinternen Planungscharakter der bisher als spontane Massenaktion dargestellten Bewegung. Im diskursanalytischen Teil wird die Instrumentalisierung der Erinnerungsliteratur für innenpolitische Stabilisierungszwecke deutlich gemacht. Die empirische Analyse wendet erstmals Methoden der westlichen Biografieforschung auf lebensgeschichtliche Erzählungen der Generation der Rotgardisten und der so genannten Zhiqing an.
Aus dem Inhalt: Theorie und Methode der Biografieforschung – Historische Genese einer Massenbewegung – Folgen der Umerziehungspolitik für Chinesische Frauen – Rotgardisten als Katalysatoren, Zhou Enlai und die Massenbewegung – Die Vergangenheit dient der Gegenwart – Ideologien der Vergangenheitsaufarbeitung – Paradoxien der Aufarbeitung – Neue Kollektive – Internalisierung von Strafe – Was bedeutet ein «sinnvolles weibliches Leben»? Evaluationsabhängige Erklärungsmuster.