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Goethe

Homo homini lupus – Homo homini deus- Über deutsche Dichtungen 2

Wolfgang Wittkowski

Beachtet man die lange vernachlässigten Phänomene ethischer Natur, befreien sich zentrale Werke Goethes von weitergeschleppter altväterischer wie neumodisch-ideologischer Verfälschung. Sie geraten auf die Füße und erweisen Goethes menschliche, ästhetische und politische Weisheit als so allgemeingültig, daß sie heute eher noch aktueller, unentbehrlicher erscheint. Äußerlich angepaßt und diplomatisch, opponierte der Dichter subversiv. So rebelliert Iphigenie gegen religiösen und weltlichen Autoritätsmißbrauch, desgleichen die unerhört analytische Liebestragödie Tasso gegen Hofdünkel. Angeblich unpolitisch, bewährt Egmont ethisch-politisches Genie in Anlehnung an Machiavelli. Der schlichte Hermann übertrifft Dorotheas imponierenden ersten Verlobten und Sympathisanten der Revolution. Die natürliche Tochter, Faust entlarven Betrug und Machtwillen hinter schönklingenden Parolen. Mit umsichtiger Diätetik der Seele, der Ethik und seiner polar ausbalancierten Kunst warnt Goethe vor dem Menschen, der an anderen zum Wolf, und rühmt ihn, wo er an ihnen zum Gott, zur Göttin wird.
Aus dem Inhalt: Hinrichtung einer Kindsmörderin 1783: Goethes verkannte Rolle dabei und sein Gedicht Das Göttliche Polarität in Goethes Ethos, Seelen-Diätetik, Auffassung von Schuld und Vergebung, Kunstautonomie und Wirkung – Unkonventionelles Interesse an Cellini, Machiavelli – Interpretationen von Egmont: politisches Genie – Iphigenie: Humanität macht göttliches Ausrottungskomplott zunichte – Tasso: höfische Unzulänglichkeit verursacht subtile Liebestragödie – Hermann und Dorothea: der neue Verlobte human-politisch-ethisch dem toten überlegen – Die natürliche Tochter: Betrug vs. Ehrlichkeit in der Politik – Faust: Das Ende im Zusammenhang mit Schuld und Sorge, Gretchen, Helena, dem Kaiser, dem Ewig-Weiblichen, Mephisto und der Forschung – Ein Brief Zelters.