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Linke und rechte Kulturkritik

Interdiskursivität als Krisenbewußtsein

Series:

Gilbert Merlio and Gérard Raulet

Die hier versammelten Beiträge reichen von den ersten Jahrzehnten bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dennoch sind damit dem geistesgeschichtlichen und kulturpolitischen Phänomen der Kulturkritik keine chronologischen Grenzen gesetzt, weder nach hinten noch nach vorne. Vielmehr weist der Beitrag, der den Band beschließt, auf die Fortsetzung, ja auf die erneute Aktualität des kulturkritischen Denkens nach 1945 hin. Auch die ideologischen und politischen Zuschreibungen erweisen sich als problematisch. Der Band dokumentiert das starke Echo, das die kulturkritischen Motive und Theorien im gemeinhin als links bezeichneten Lager – von Lukács bis hin zur Kritischen Theorie – gefunden haben. Dabei soll gezeigt werden, daß Interdiskursivität nicht nur eine bloße Krisenerscheinung sondern das eigentliche Medium eines Krisenbewußtseins ist. Auch «rationalistischen», liberalen oder marxistischen Denkern fällt es allem Anschein nach besonders schwer, Diagnosen und Prognosen der konservativen Kulturkritik von der Hand zu weisen. Die Austauschdiskurse zwischen linker und rechter Kulturkritik lassen sich hauptsächlich dadurch erklären, daß die fortschrittlich-linke Gesellschaftskritik ihr Verhältnis zur Tradition der Kulturkritik in dem Maße überdenken muß, wie die Herausforderungen, die sie zu bewältigen hat, über die Denkmittel des Historischen Materialismus hinauswachsen.
Aus dem Inhalt: Gérard Raulet: Histoire d’un malentendu fécond. La réception de Bergson en Allemagne – Marc Cluet: Hans Surén, maître gymnaste de la République de Weimar, ou l’art de la jonglerie idéologique – Gilbert Merlio: Anthropologie philosophique et Kulturkritik sous la République de Weimar – Burghart Schmidt: Irrationalismus deutsch links in Weimar-Zeiten. Unter anderem zu Ernst Bloch über Ludwig Klages, weniger in Sachen Theodor Lessings – Manfred Gangl: Georg Lukács zwischen Kulturkritik und Marxismus – Olivier Agard: Adorno, lecteur de Spengler – Daglind Sonolet: Literatur und Kunst in apokalyptischer Zeit. Günther Anders und Theodor W. Adorno – Günter Figal: Zur negativistischen Theologie der Moderne. Überlegungen zu Heidegger und Benjamin – Stefan Breuer: Der Futurismus und die deutsche Kulturkritik – Luca Crescenzi: Vor der Katastrophe. «Züchtung» und «dorische Welt» bei Gottfried Benn – Michael Grossheim: Antibürgerliches Denken im Politischen Existentialismus – Aldo Venturelli: Kulturkritik und Projekt. Musils Auseinandersetzung mit Oswald Spengler – Barbara Besslich: «Das wichtigste Buch!». Zu Thomas Manns Spengler-Rezeption im Zauberberg – Elisabeth Galvan: Identifikation und Identität. Thomas Mann und Friedrich der Große – Thomas Keller: Kulturkritik nach 1945.