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Politische Metaphysik

Die Entstehung moderner Rechtskonzeptionen in der Spanischen Scholastik

Series:

Matthias Kaufmann and Robert Schnepf

Dieser Band soll das Innovationspotential der Spanischen Scholastik offen legen und zugleich Argumentationsmuster rekonstruieren, die im Kontext theologisch zentrierten Philosophierens der Grundlegung moderner Freiheits- und Menschenrechte vorgearbeitet haben. Für die gegenwärtigen Auseinandersetzungen wäre damit eine Perspektive gewonnen, nicht einfach in der schlichten Entgegensetzung von Moderne und Mittelalter, von Glaube bzw. Dogma und Vernunft bzw. Säkularisierung zu verbleiben. Vielmehr zeigt sich, wie in scheinbar fundamentalistischem Denken ein Raum für die Genese von Rechten im modernen Sinn entstehen kann. Dies und der Umstand, dass in der Theologie jener Zeit das Bedürfnis nach einer vernünftigen Rechtfertigung zentraler Positionen zur Entwicklung einer der Theologie vorgeschalteten Metaphysik führt, gab den Ausschlag – statt von einer «Politischen Theologie» – von einer «Politischen Metaphysik» zu sprechen.
Aus dem Inhalt: Robert Schnepf: Zwischen Gnadenlehre und Willensfreiheit. Skizze der Problemlage zu Beginn der Schule von Salamanca (Francisco de Vitoria) – Kurt Seelmann: Selbstherrschaft, Herrschaft über die Dinge und individuelle Rechte in der spanischen Spätscholastik – Alexander Aichele: Moral und Seelenheil. Luis de Molinas Lehre von den zwei Freiheiten zwischen Augustin und Aristoteles – Christian Schäfer: ‘Freedom’ oder ‘Liberty’? Der freie Mensch in der (spät)scholastischen Deutung von De Anima – Giuseppe Cacciatore: La escolástica española y la génesis de la filosofía latinoamericana. Alonso Briceño: metafíscia e individualidad – Giuseppe Tosi/João Pessoa: The Theological Roots of Subjective Rights: Dominium, ius and potestas in the Debate on the Indian Question (Sec. XXVI) – Jörg Alejandro Tellkamp: Über den Zusammenhang von Freiheit und Sklaverei bei Vitoria und Soto – Mariano Delgado: Die Rechte der Völker und der Menschen nach Bartolomé de Las Casas – Matthias Kaufmann: Luis de Molina über subjektive Rechte, Herrschaft und Sklaverei – Pauline Westerman: Suárez and the formality of law – Gerald Hartung: Vorboten des modernen Liberalismus. Zur Entstehung des Konzepts subjektiver Rechte in der frühen Neuzeit – Rudolf Schüßler: Locke, Kasuistik und die Wurzeln des Liberalismus – Peter Blickle: Leibeigenschaft am Ende des Mittelalters. Ein Referenzsystem für den Umgang mit der Sklaverei? – Merio Scattola: Sklaverei, Krieg und Recht. Die Vorlesung über die Regula «Peccatum» von Diego de Covarrubias y Leyva – José Eisenberg: Cultural Encounters, Theoretical Adventures: The Jesuit Missions to the New World and the Justification of Voluntary Slavery – Lukas Sosoe: Wege zur Menschheit. Zur Diskussion von Valladolid zwischen Las Casas und Sepulveda – Dominik Recknagel: Freier Wille und Sklaverei: Die Rechtfertigung der freiwilligen Unterwerfung aus der grundsätzlichen Vertragsfreiheit des Menschen bei Hugo Grotius – Willis Guerra Filho: Das theologisch-politische Problem der Versklavung von Farbigen im Denken Pater Antonio Vieiras.