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Der Spiegel der Vergangenheit

Geschichtswissenschaft zwischen Relativismus und Realismus

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Jens Pape

Kann Geschichtsschreibung objektiv und wahr sein? Oder ist sie nur Zerrbild der Vergangenheit – geprägt von den Interessen und Blindheiten ihrer Zeit und ihrer Verfasser? Historiker neigen zu einer realistischen Perspektive auf ihr Fach. Ihr Ringen um richtige Darstellungen und Interpretationen vergangenen Geschehens wäre sinnlos, würden sie diese vollständig aufgeben. Geschichtstheoretiker singen – zumal in den letzten Jahrzehnten – gern das Lied des historischen Relativismus. Dabei räumen sie mit allerlei naiv-realistischen Vorstellungen von Geschichtswissenschaft auf. Doch vielfach wird darüber hinaus das Konzept einer wissenschaftlichen Erforschung der menschlichen Vergangenheit überhaupt verabschiedet. Unter Betonung ihres narrativen Charakters wird Geschichtswissenschaft in die Nähe von fiktionaler Literatur gerückt. Die Grenzen zwischen Geschichtswissenschaft, Geschichtspolitik oder gar Propaganda verschwimmen. Dieses Buch untersucht die Argumente für den radikalen historischen Relativismus und weist seine wesentlichen Schlussfolgerungen zurück. Weiter entwickelt der Autor ein positives Verständnis von historischer Objektivität. Geschichtsdarstellungen werden hierbei nicht als Erzählungen, sondern als kausale Theorien über historische Veränderungsprozesse verstanden. Als solche lassen sie sich empirisch rechtfertigen – wie andere wissenschaftliche Theorien.
Aus dem Inhalt: Geschichtswissenschaft, Gedächtniskultur und Geschichtsfälschung – Das Rankesche Ideal – Historische Tatsachen sind nicht gegeben – Perspektivität historischer Darstellungen – Erzählung und historische Wirklichkeit – Historische Erklärung, narrative Erklärung – Narrative Interpretationen und ästhetischer Relativismus – Von narrativen Panoramen zu kausalen Theorien – Theorien über die Vergangenheit – Theoriebildung in der Geschichtswissenschaft – Objektivität und Wahrheit – Vielfalt und Kontroversen.