Show Less
Restricted access

Alkestis: Opfertod und Wiederkehr

Interpretationen

Series:

Beatrix Borchard and Claudia Maurer Zenck

Was für eine Geschichte! Ein Mann, der weiß, dass er sterben muss, sucht einen anderen Menschen, der bereit ist, für ihn stellvertretend in den Tod zu gehen. Alle lehnen ab, auch die alten Eltern, von denen er glaubt, da sie ja eh bald sterben müssen, könnte einer der beiden für ihn auf den Rest seiner Lebenszeit verzichten. Aber die Eltern denken nicht daran; der Vater beschimpft ihn sogar als Feigling, weil er dem Tod nicht ins Auge sehen will. Und wer macht es am Ende? Natürlich die Ehefrau! Aber sie stellt eine Bedingung: Er darf nie wieder heiraten. Er verspricht es. Sie stirbt, er überlebt. Aber – glücklich ist er nicht. Da kommt ein Freund vorbei, erfährt, was geschehen ist und beschließt, die Frau aus dem Reich des Todes zurückzubringen. Als er zurückkommt, führt er eine verschleierte Frau an der Hand. Ist es Alkestis? Obwohl der Ehemann sich nicht sicher ist, nimmt er sie auf Drängen des Freundes in sein Haus auf. Sie schweigt.
Diese Geschichte wurde in den letzten 2000 Jahren immer wieder neu und immer wieder anders erzählt. Den verschiedenen Interpretationen des Alkestis-Mythos war eine interdisziplinäre Ringvorlesung an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg gewidmet.
Aus dem Inhalt: Beatrix Borchard: Anstelle einer Einleitung: Weiblicher Opfertod und männliche Todesverweigerung – Peter Riemer: Die euripideische Alkestis. Ein Märchenstoff in tragischem Gewand – Theresia Birkenhauer: Schweigende Präsenz - Zur szenischen Komposition der Alkestis des Euripides – Jan Philipp Reemtsma: Auf der Suche nach der schönen Leiche. Wielands Singspiel Alceste – Tina Hartmann: Zwischen Euripides und Metastasio - Wielands Konzept einer bürgerlich-heroischen Oper – Gabriele Busch-Salmen: «Uebrigens ein Werk voll Fehler und Nachlässigkeiten» - Wieland/Schweitzers Singspiel Alceste in der opernästhetischen Debatte – Astrid Reuter: Der Tod der Alkeste von Angelika Kauffmann. Zum Wandel eines Bildmotivs – Solveig Malatrait: Alceste in Frankreich oder der missglückte Triumph des amour conjugal – Dorothea Schröder: Alkestis auf der barocken Opernbühne – Claudia Maurer Zenck: Liebesopfer versus Selbstweihe. Egon Wellesz‘ Vertonung von Hofmannsthals Alkestis – Barbara Hahn: Heiner Müller: Die Wiederkehr der Farbe. Die Wiederkehr der Alkestis.