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Der Gott der Anderen

Interkulturelle Transformationen religiöser Traditionen- Redaktion: Andreas Heise und Nicolas Bollinger

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E.W.B. Hess-Lüttich and Aru Pon Natarajan

Unter kulturwissenschaftlicher Perspektive lassen sich Religionen als gemeinschaftsstiftende Sinndeutungssysteme verstehen, mit deren Hilfe die Verständigung über gemeinsame Glaubens- und Wertvorstellungen geregelt werden kann. Religionen erwachsen aus interkulturellen Prozessen, denn sie speisen aus unterschiedlichen kulturellen Quellen und Bedeutungstraditionen und ‘migrieren’ aus der ursprünglichen ‘Gemeinde’ in andere kulturelle Kontexte. ‘Fremd-Religionen’ werden adaptiv verändert und in die eigene kulturelle Praxis überführt. Solche Veränderungen von Religionen werden durch Literatur begleitet und bewahrt. Sie verleiht Sinnstiftungsprozessen von Kultur sprachliche Gestalt und reflektiert damit auch immer implizit oder explizit religiöse Vorstellungen. Unter interkultureller Perspektive läßt sich Literatur also auch als Speicher religiöser Vorstellungen unter den Bedingungen ihrer epochen- und kulturspezifischen Veränderungen verstehen. Der Band sucht diesen Veränderungen in der Literatur und ihrer Spiegelung in den Medien nachzugehen und zu prüfen, wie dadurch Gemeinsamkeiten, aber auch kulturelle Differenzen bewußt gemacht werden.
Aus dem Inhalt: Ernest W. B. Hess-Lüttich: Vorwort – Nilüfer Kuruyazıcı: Religiöse Wertvorstellungen in literarischen Texten und ihre Rolle bei interkulturellen Begegnungen - untersucht am Beispiel von Özdamars Das Leben ist eine Karawanserei – Mahmut Karakus: Wielands Oberon: Religiöses Sendungsbewusstsein oder ironische Distanzierung? – Manfred Durzak: Die Göttin Kali in Grass’ Indien-Buch Zunge zeigen – Manfred Durzak: Produktive Indien-Rezeption. Martin Mosebachs Roman Das Bestreben – Hans Christoph Graf von Nayhauss: Mircea Eliades Indisches Tagebuch. Auf der Suche nach der indischen Seele – Klaus Bohnen: Auf der Suche nach dem ‘fremden Gott’. Der «asiatische Printz» Pontoppidans und seine Spuren bei Lessing – Siegrid Schmidt: Die Heiligen - heimliche Götter der Christen? – Maria E. Brunner: Das literarische Werk Primo Levis: Mythen des Judentums, Bibelparodie, Laizismus und Interkulturalität – Kathleen Thorpe: Die Apokalypse im zeitgenössischen Roman - Millenarismus im Roman Opernball von Josef Haslinger – Herbert Uerlings: Interkulturelle Transformationen religiöser Traditionen in der Konquista. Las Casas in Döblins Amazonas-Roman – Aleya Khattab: Der ägyptische Faust von Taufik Al-Hakim - ein Gott der Kunst? – Hasibe Kalkan Kocabay: Peter Brooks Mahabharata zwischen Ost und West – Gesine Lenore Schiewer: Übersetzung und Rezeption des «Mahâbhârata». Literarische Interkulturalität bei Friedrich Schlegel, Franz Bopp, Friedrich Rückert und Alfred Döblin – Dieter Rall: Octavio Paz, zwischen Nietzsche und Buddha – Norbert Mecklenburg: Propheten und Poeten. Goethes interkulturelle poetische Spiele mit religiösen Traditionen – Yüksel Ekinci-Kocks: Integration islamischer Schüler in deutschen Schulen – Zehra İpşiroğlu: Zwischen religiös-traditionellem Ghetto und säkularer Gesellschaft. Neue Erziehungs-, Bildungs- und Denkformen für Schüler und Studierende mit Migrationshintergrund – Ernest W. B. Hess-Lüttich: Fremdbilder - Feindbilder? Ein Islam-Bild in der deutschen Presse. Zur Kopftuch-Debatte im SPIEGEL 1998-2008 – Ernest W. B. Hess-Lüttich: Sollen/Dürfen/Müssen muslimische Mädchen schwimmen lernen? Eine interkulturelle Medien-Debatte in der deutschen Schweiz.