Show Less
Restricted access

Ein vergessenes Kapitel aus der Seenforschung

Wilhelm Halbfass (1856-1938), interne Seiches und der Madüsee (Jezioro Miedwie)

Sylvin Müller-Navarra

Limnologie wird heute vornehmlich als gewässerökologische Wissenschaft verstanden. Dieses Buch lässt ein vergessenes Kapitel der Seenforschung – eine schottisch-deutsche Exped-tion zum Nachweis interner Seiches im Madüsee – und somit das wissenschaftliche Milieu der physikalischen Limnologie zu Beginn des 20. Jahrhunderts wieder aufleben. Interne Seiches sind eigentümliche Wellen im Inneren eines Sees, der durch solare Einstrahlung, Wind und Wetter im Sommer eine ausgeprägte, veränderliche Dichteschichtung ausbildet, die den Wasserkörper zu einem Resonator mit variabler Eigenfrequenz macht. Interne Seiche sind ein gutes Beispiel für die Schwierigkeiten bei der physikalischen Modellbildung: Das einfache theoretische Modell einer stehenden Welle an der Grenzfläche zwischen zwei übereinander gelagerten Flüssigkeiten mit unterschiedlicher Dichte kann die Wellenerscheinungen innerhalb natürlicher Gewässer physikalisch nicht hinreichend beschreiben. Ein dreidimensionales numerisches Modell des Madüsees wird verwendet, um die beobachteten Temperaturschwankungen durch Simulation nachzuvollziehen. Zugleich liefert die vorliegende Studie ein lebendiges Bild der Expedition und der frühen Seenkunde. So zeichnet sie die Biographie eines der Teilnehmer, WILHELM HALBFAß (1856-1938), nach. Seine Karriere als Gymnasialprofessor und Seenforscher beleuchtet den Übergang der privat geförderten Seenkunde in Deutschland zur heutigen Limnologie.