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‘le propre de l'homme’ - Zum Verhältnis von Anthropologie und Literatur in François Rabelais' Pantagruel

Marion Feichtmair

Worin besteht das Wesen des Menschen – «le propre de l'homme»? Auf diese Frage liefert der Roman Pantagruel, dessen Autor Rabelais als Arzt bereits Berühmtheit erlangt hatte, eine Antwort, die im Frankreich des 16. Jahrhunderts als revolutionär galt und auch heute noch manchen Leser verblüfft. Denn vielfach betrachten Rezipienten bis in unsere Zeit Rabelais' Riesengeschichten lediglich als ein heiteres Lesevergnügen ohne tieferen Sinn.
Die vorliegende Studie zeigt dagegen auf, wie der Pantagruel im Rahmen der historischen, durch tief greifende Umbrüche gezeichneten Renaissance-Kultur eine neue Rede über den Menschen entwirft. An eine ausführliche Analyse der Poetik des Pantagruel schließt sich eine anthropologische Lektüre des Werkes an, die den Text im Kontext dominant nicht-fiktionaler Diskurse betrachtet, welche vor allem dem Bereich der humanistischen Medizin und Philosophie entstammen. Dabei finden frühneuzeitliche lateinische Medizintraktate sowie philosophische Schriften italienischer Provenienz, die im Lyon des frühen 16. Jahrhunderts eine bedeutende Rolle spielen, zum ersten Mal ausreichende Beachtung.