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MARKT

"Literarisch</I>

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Thomas Wegmann

Das Verhältnis von Literatur und Markt gestaltet sich traditionell schwierig: Einerseits werden Autoren über die verkauften Bücher honoriert, andererseits unter Missachtung des Marktes von Literaturkritik und -wissenschaft rezensiert und kanonisiert. Ästhetik und Ökonomie, das geht offenbar nicht zusammen. Dennoch gibt es eine Koevolution von modernen Märkten und Literaturen; als eigene Systeme entwickeln beide voneinander unabhängige Codes: Geld und Poesie. Gleichwohl gibt es auch eine Poetik des Geldes und manchmal auch Geld für Poesie. Genau das wirft Fragen auf: Ist Literatur dann marktgerecht, wenn sie ostentativ gegen den Markt schreibt? Wie werden Markt und Marktgeschehen in literarischen Texten dargestellt, und welche Rolle spielt dabei der homo oeconomicus? Wie steht es um die Entkoppelung von ökonomischem Erfolg und ästhetischer Qualität, mit der das literarische Feld just in dem Moment reagierte, als es sich via Markt nicht nur an Gelehrte und Gönner, sondern potentiell an alle wandte?
Die Beiträge dieses Bandes untersuchen exemplarische Aspekte im vielschichtigen Verhältnis von Literatur und Markt und zeigen damit gleichzeitig Potentiale einer Literaturwissenschaft auf, die den Markt weder glorifiziert noch verteufelt, sondern als das nimmt, was er seit langem (auch) ist: ein Umschlagplatz für Literatur, ein Motiv in literarischen Texten und eine Herausforderung jedweder Kunstautonomie.
Aus dem Inhalt: Thomas Wegmann: Einleitung – Rainer Leschke: Negative Repräsentation. Zur Funktion der Metaphern des Ökonomischen in der Ästhetik – Werner Wunderlich: «Geld in allen Taschen ist eine schöne Profession». Milchmädchenrechnung und Tauschgeschäfte des «homo oeconomicus stultus» – Norbert Christian Wolf: Gegen den Markt: Goethes Etablierung der ‘doppelten Ökonomie’ – Henning Herrmann-Trentepohl: «Kein Lissaboner Erdbeben, kein Brand von Moskau, keine Pariser Revolution» - aber was dann? Der Markt und die Literatur in Ludwig Tiecks Novelle «Der Jahrmarkt» – Gerhard Vowe: Rechner, Spieler, Bürger. Ein Blick durch «Des Vetters Eckfenster» auf die Marktteilnehmer – Fritz Breithaupt: Der reine und der unreine Markt. Pathologien ökonomischer Individualität in Kellers «Der Grüne Heinrich» – Bernd Blaschke: Markt zwischen Tragödie und Komödie. Hermann Brochs Marketing seiner «Schlafwandler» und Dramen – Thomas Wegmann: «Kanonendonner legt sich um bedeutend weniger als ein Omlett»: Die Reklame-Debatte in den 1920er Jahren – Jan Brandt: Springende Fohlen. Die junge Generation um 1930 als Marketingkonzept – Moritz Bassler: Zur Semiotik des Markennamens in literarischen Texten – Urs Meyer: Einfache Formen in der Werbung. Überlegungen zum Verhältnis zwischen literarischer Anthropologie und Gattungstheorie – Norbert Bolz: Literarisches Kultmarketing – Reto Sorg: Kleine Literatur, großer Markt. Die ‘Schweizer Literatur’ zwischen schweizerischem und gesamtdeutschem Markt – Andrea Höhne/Stefan Russ-Mohl: Der «Homo oeconomicus» im Feuilleton. Zur Ökonomik der Kulturberichterstattung.