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Paul Zechs Exilwerk

Zwischen postkolonialer Anerkennung und exotistischer Vereinnahmung indigener Völker Lateinamerikas

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Kora Busch

Aus einem neuen Blickwinkel analysiert diese Untersuchung die Ebene, die sich hinter den Exotismen des (Exil-)Werks Paul Zechs verbirgt: Die vehemente Kritik der anhaltenden Vertreibung indigener Völker verbunden mit der Monierung der Umweltzerstörung des industrialisierten Menschen. Unter Heranziehung postkolonialer und ökokritischer Theorien, hybrider Modelle und Alteritätskonzepte interpretiert die Autorin veröffentlichte und unveröffentlichte Exiltexte Zechs. Dabei zeigt sie auf, wie sich die untersuchten Werke in eine Reihe von Medien neueren Datums einfügen, die zwischen kolonial-exotistischem Begehren des Fremden und Anerkennung kultureller Andersheit beziehungsweise Gleichwertigkeit changieren.

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0. Einleitung

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0.  Einleitung

Ich habe es dem weißen Mann versprochen. Der weiße Mann ist mehr als Yamacinto. Dem weißen Mann gehört das Baumwollfeld. Yamacinto hat kein Feld.1

1933 floh der aus Westpreußen gebürtige, zu dieser Zeit in Berlin wohnhafte Autor Paul Zech nach Argentinien, wo sich einer seiner Brüder aufhielt. Die genauen Umstände seiner Flucht konnten bis heute nicht geklärt werden; er selbst gab vor, aus politischen Gründen einer zweiwöchigen Haft ausgesetzt worden zu sein; demgegenüber stehen Quellen, die ihm die Entwendung mehrerer Hundert Bücher aus der Bibliothek vorwerfen, in der er vor seiner Flucht angestellt war.2 Fakt ist, dass einige seiner Werke von den Nationalsozialisten als „undeutsches Schrifttum“ deklariert wurden3 und Zech selbst den einige Jahre zuvor bei der Volksbühne eingereichten Roman Goebbels’ stark kritisierend abgelehnt hatte.4 Nach Buenos Aires, das Zech gänzlich unbekannt war, kam er mit der Hoffnung, ein „Land der Zukunft“5 vorzufinden. Doch schon die Einreise gestaltete sich für Deutschland-Flüchtlinge strapaziös, wie Zech in zahlreichen seiner Texte thematisiert. Argentinien und andere lateinamerikanische Länder verschärften die Einreisebedingungen in den 1930er Jahren, nachdem zuvor eine Politik des blanqueamiento vorgeherrscht hatte.6

Ein weiteres Hindernis, das exilierte Schriftsteller in besonderem Maße betraf, war die Sprache. Zechs – der 1918 den Kleistpreis für seine Lyrik zugesprochen bekam – hatte bereits vor seiner Flucht den Zenit seines literarischen Schaffens überschritten; in Buenos...

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