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Religion und Sprache- Religion and Language

von Marietta Calderón Tichy (Band-Herausgeber:in) Georg Marko (Band-Herausgeber:in)
Konferenzband 421 Seiten
Reihe: Sprache im Kontext, Band 42

Zusammenfassung

Die Beiträge dieses Buches untersuchen verschiedene Fragestellungen zu religiösen Bezügen in nicht-religiöser Sprache, etwa in Redewendungen, Ortsnamen, Ökonomie-Diskursen oder politischer Rhetorik, und zu nicht-(nur-)religiösen Konstruktionen in religiöser Sprache, etwa in Gebeten und anderen sakralen Texten, Ritualen oder religiösen Traktaten. Dabei werden unterschiedliche linguistische Methoden angewandt, von der Diskursanalyse bis zur Onomastik, von der Soziolinguistik bis zur Metaphernanalyse. In vielen Aufsätzen wird interdisziplinär gearbeitet, etwa mit Input aus Bereichen wie der Literaturwissenschaft oder der Geschichtsforschung. Die untersuchten Daten stammen aus verschiedenen Sprachen, darunter Aramäisch, Bosnisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Hebräisch, Italienisch, Katalanisch, Kroatisch, Latein, Portugiesisch, Sefardisch und Spanisch.
The contributions to this book explore various questions concerning religious aspects and references in non-religious language, whether in idioms, place names, economic discourses or political rhetoric, and non-religious (among other) aspects and references in religious language, whether in prayers, sacred texts, rituals and religious treatises. The research presented applies a variety of methods, ranging from discourse analysis to onomastics, from sociolinguistics to metaphor analysis. The data come from languages such as Aramaic, Bosnian, German, English, French, Hebrew, Italian, Catalan, Croatian, Latin, Portuguese, Ladino and Spanish.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Contents / Inhalt
  • Einleitung
  • Überlegungen zur Instrumentalisierung religiöser Entitäten im politischen Diskurs Silvio Berlusconis
  • Von der unsichtbaren Hand Adam Smiths bis zur heutigen Markt-Gläubigkeit der Neoliberalen. Spuren der Religion in der Sprache der Wirtschaft
  • Religiöse Elemente in der französischen Jugendsprache und ihre Wahrnehmung in der Gesellschaft
  • The Meaning of Life. Religiously Informed Entrance-into-Life Models in the German Media Coverage of Research on Human Embryonic Stems Cells
  • Science by Religious Design. A Critical Analysis of Scientification in the Discourse of Intelligent Design
  • Pray What You Mean. Balancing Integrity of Belief and Continuity of Tradition in a Secular Humanistic Jewish Congregation
  • Das Kaddisch der Trauernden aus pragmalinguistischer Sicht
  • Das Umbanda-Ritual in Brasilien. Rituelle Sichtbarmachung und narrative Identitätskonstruktionen im Kontext der Besessenheitstrance
  • Bewertungen in österreichischen Pressekommentaren über Kindesmissbrauch innerhalb der römisch-katholischen Kirche
  • Die Transzendenz der Zunge. Sprachbarrieren und Sprachtabus als Trennlinien zwischen Sakralem und Profanem
  • Elements of Christian Discourse. From Politeness Theory to the Relational Hermeneutics of Paul’s Word of the Cross
  • I attack you with words. Peter the Venerable’s Contra sectam saracenorum as a medieval approach to inter-religious argumentation
  • Marko Marulić Splićanin und sein dreisprachiges Opus als Paradigma des kroatischen Humanismus der Renaissance
  • Metasprachliche Auseinandersetzungen als Teil religiöser Konflikte
  • Religion und Sprache in Wissenschaftstexten des 17. Jahrhunderts in Neuspanien. Am Beispiel von vier Abhandlungen zur Interpretation und Erklärung von Kometenerscheinungen
  • Spätbarocke Kanzelrhetorik und aufklärerische Homiliekritik in José Francisco de Islas Fray Gerundio de Campazas
  • The use of three languages in the textbook Otzar haHayim, printed in Vienna 1823
  • Die Sprache des Übertritts. Jüdische KonvertitInnen in Wien 1782-1914
  • Ein Wiener bei den Herero. Die linguistische Tätigkeit des Missionars Johannes Rath (1816-1903)
  • Römisch-katholische Kirche und katalanische Sprachenpolitik
  • Religiöses in slawischen und deutschen Ortsnamen. Eine kontrastive Untersuchung
  • Deutsche und bosnische Phraseologismen mit der Komponente G.ott
  • Kroatische und deutsche Sprichwörter biblischer Herkunft und ihre Verwendung in den Massenmedien
  • Series Index

Marietta Calderón / Georg Marko (Hrsg./eds.)

Religion und Sprache
Religion and Language

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← 3 | 4 → Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über
http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Library of Congress Cataloging-in-Publication Data
Religion und sprache = : Religion and language / Marietta Calderón; Georg
Marko (Hrsg./eds.). — Peter Lang Edition.
pages cm. — (Sprache im kontext; Band 42)
Articles are in English and German.
ISBN 978-3-631-63271-0 (Print) — ISBN 978-3-653-05375-3 (E-Book) 1. Language and languages—Religious aspects. I. Calderón, Marietta, editor. II. Marko, Georg, editor.
P53.76.R45 2015
410—dc23                     2014048988

Gedruckt mit Unterstützung der Karl-Franzens-Universität Graz, der Paris Lodron Universität Salzburg und der Stiftungs- und Förderungsgesellschaft der Universität Salzburg.

ISSN 0948-1354

ISBN 978-3-631-63271-0 (Print)

E-ISBN 978-3-653-05375-3 (E-Book)

DOI 10.3726/978-3-653-05375-3

© Peter Lang GmbH

Internationaler Verlag der Wissenschaften

Frankfurt am Main 2015

Alle Rechte vorbehalten.

Peter Lang Edition ist ein Imprint der Peter Lang GmbH.

Peter Lang – Frankfurt am Main · Bern · Bruxelles · New York · Oxford · Warszawa · Wien

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Diese Publikation wurde begutachtet.

www.peterlang.com

Autorenangaben

Marietta Calderón ist Sprachwissenschaftlerin am Fachbereich Romanistik der Universität Salzburg.
Marietta Calderón works as a linguist at the Department of Romance Languages at the University of Salzburg.

Georg Marko ist Sprachwissenschaftler am Institut für Anglistik der Universität Graz.
Georg Marko works as a linguist at the English Department at the University of Graz.

Über das Buch

Die Beiträge dieses Buches untersuchen verschiedene Fragestellungen zu religiösen Bezügen in nicht-religiöser Sprache, etwa in Redewendungen, Ortsnamen, Ökonomie-Diskursen oder politischer Rhetorik, und zu nicht-(nur-)religiösen Konstruktionen in religiöser Sprache, etwa in Gebeten und anderen sakralen Texten, Ritualen oder religiösen Traktaten. Dabei werden unterschiedliche linguistische Methoden angewandt, von der Diskursanalyse bis zur Onomastik, von der Soziolinguistik bis zur Metaphernanalyse. In vielen Aufsätzen wird interdisziplinär gearbeitet, etwa mit Input aus Bereichen wie der Literaturwissenschaft oder der Geschichtsforschung. Die untersuchten Daten stammen aus verschiedenen Sprachen, darunter Aramäisch, Bosnisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Hebräisch, Italienisch, Katalanisch, Kroatisch, Latein, Portugiesisch, Sefardisch und Spanisch.

The contributions to this book explore various questions concerning religious aspects and references in non-religious language, whether in idioms, place names, economic discourses or political rhetoric, and non-religious (among other) aspects and references in religious language, whether in prayers, sacred texts, rituals and religious treatises. The research presented applies a variety of methods, ranging from discourse analysis to onomastics, from sociolinguistics to metaphor analysis. The data come from languages such as Aramaic, Bosnian, German, English, French, Hebrew, Italian, Catalan, Croatian, Latin, Portuguese, Ladino and Spanish.

Zitierfähigkeit des eBooks

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← 4 | 5 → Contents / Inhalt

Marietta CALDERÓN

Einleitung

Julia KUHN & Fabio MOLLICA & Simona EMPOLI

Überlegungen zur Instrumentalisierung religiöser Entitäten im politischen Diskurs Silvio Berlusconis

Fiorenza FISCHER

Von der unsichtbaren Hand Adam Smiths bis zur heutigen Markt-Gläubigkeit der Neoliberalen. Spuren der Religion in der Sprache der Wirtschaft

Johanna WARM

Religiöse Elemente in der französischen Jugendsprache und ihre Wahrnehmung in der Gesellschaft

Martin DÖRING & Olaf JÄKEL

The Meaning of Life. Religiously Informed Entrance-into-Life Models in the German Media Coverage of Research on Human Embryonic Stems Cells

Georg MARKO

Science by Religious Design. A Critical Analysis of Scientification in the Discourse of Intelligent Design

Zach GORDON & Erica SOSA

Pray What You Mean. Balancing Integrity of Belief and Continuity of Tradition in a Secular Humanistic Jewish Congregation

Marietta CALDERÓN

Das Kaddisch der Trauernden aus pragmalinguistischer Sicht

← 5 | 6 → Alexandra Maria DUPPÉ

Das Umbanda-Ritual in Brasilien. Rituelle Sichtbarmachung und narrative Identitätskonstruktionen im Kontext der Besessenheitstrance

Marianne FRANZ

Bewertungen in österreichischen Pressekommentaren über Kindesmissbrauch innerhalb der römisch-katholischen Kirche

Andrea FRUHWIRT

Die Transzendenz der Zunge. Sprachbarrieren und Sprachtabus als Trennlinien zwischen Sakralem und Profanem

William OLHAUSEN

Elements of Christian Discourse. From Politeness Theory to the Relational Hermeneutics of Paul’s Word of the Cross

Christian BENSEL

I attack you with words. Peter the Venerable’s Contra sectam saracenorum as a medieval approach to inter-religious argumentation

Vesela TUTAVAC

Marko Marulić Splićanin und sein dreisprachiges Opus als Paradigma des kroatischen Humanismus der Renaissance

Dietmar OSTHUS

Metasprachliche Auseinandersetzungen als Teil religiöser Konflikte

Veronika ÖSTERBAUER

Religion und Sprache in Wissenschaftstexten des 17. Jahrhunderts in Neuspanien. Am Beispiel von vier Abhandlungen zur Interpretation und Erklärung von Kometenerscheinungen

← 6 | 7 → Markus EBENHOCH

Spätbarocke Kanzelrhetorik und aufklärerische Homiliekritik in José Francisco de Islas Fray Gerundio de Campazas

Ruth WINKLER

The use of three languages in the textbook Otzar haHayim, printed in Vienna 1823

Anna STAUDACHER

Die Sprache des Übertritts. Jüdische KonvertitInnen in Wien 1782-1914

Martina Anissa STROMMER

Ein Wiener bei den Herero. Die linguistische Tätigkeit des Missionars Johannes Rath (1816-1903)

Sandra HERING & Sonja SÄLZER

Römisch-katholische Kirche und katalanische Sprachenpolitik

Joern-Martin BECKER

Religiöses in slawischen und deutschen Ortsnamen. Eine kontrastive Untersuchung

Zrinka ĆORALIĆ

Deutsche und bosnische Phraseologismen mit der Komponente G.ott

Željka MATULINA

Kroatische und deutsche Sprichwörter biblischer Herkunft und ihre Verwendung in den Massenmedien← 7 | 8 →

← 8 | 9 → Marietta Calderón

Einleitung

Ziel der „X & Language/X & Sprache“-Reihe ist es, gesellschaftlich relevante Themen in ihrem Facettenreichtum, ihren diskursiven Einbettungen und ihren sprachlichen Manifestationen zu thematisieren und in ihrem diskursiven und – damit eng verbunden – sozialen Impact zu beleuchten. Als für Organisation und Herausgabe Verantwortliche streben wir dabei nach Pluralismus die sprachwissenschaftlichen und sprachwissenschaftsnahen Disziplinen, die methodologischen Zugänge und die vertretenen Sprachen (und Kulturen) betreffend und bemühen uns besonders auch um die Möglichkeit der Aufnahme und Vergleichbarmachung anglistisch, germanistisch, romanistisch und slawistisch betonter sowie sprachenvergleichender Beiträge.

Ersteres hat auch – besonders im vorliegenden Band – zu diskursanalytischen und lexikologischen Schwerpunktbildungen geführt. Letzteres erscheint uns innerhalb der Neuphilologien immer noch ein – auch explizit zu thematisierendes – Desideratum, denn trotz einer Disziplineninterkulturalität, die immer wieder Möglichkeiten zur Erweiterung unserer linguistischen Horizonte bietet, sind wir uns der vergleichsweise geringeren Menge anderer als germanischer (insbesondere englischer), romanischer und slawischer Varietäten und von diesen geprägter Kulturen bewusst. Wir könnten diese Schlagseite mit unseren linguistikdisziplinären Kernkompetenzen und Gebundenheiten (hier konkret der Anglistik und der Romanistik) argumentieren, erkennen aber speziell bei der thematischen Ausrichtung dieses Bandes sehr wohl das Vorhandensein bestimmter kultureller Cluster und das Nichtvorhandensein anderer.1

← 9 | 10 → Bei „Religion und Sprache“ ist dies besonders auffällig. Als HerausgeberInnen des Bandes sind wir dabei aber nicht von einer möglichst vollständigen Auffüllung relevanter Themen (etwa im Sinn eines Handbuchs) ausgegangen, sondern halten die thematischen Angebote, die uns von unseren BeiträgerInnen gemacht wurden, in ihrer Gesamtheit für an sich für den Stand aktueller Diskurse symptomatisch und haben insofern nicht steuernd eingegriffen.

Auch waren religionsbezogene Identitäten bzw. religionsbezogene Zugänge der einzelnen ForscherInnenpersönlichkeiten, die Beiträge leisteten, nicht ausschlaggebend für die definitive Auswahl der Artikel. Nicht eigens und nicht explizit thematisiert wird aber im Folgenden, ob sich die einzelnen BeiträgerInnen aus einer religiösen Innen- oder Außenperspektive ihren jeweiligen Themen genähert haben, dies ist zum Teil jedoch zumindest implizit aus den entsprechenden Arbeiten selbst herauslesbar.2

← 10 | 11 → Eine interessante Herausforderung und, vielmehr noch, interdiskursive Bereicherung stellte nicht nur diesbezüglich die Teilnahme von in der – in den konkreten Fällen ja sehr (auch meta-)sprachbewussten – Th’ologievermittlung bzw. religionsbezogenen Praxis Aktiven dar: Die Germanistin Marianne Franz ist römisch-katholische, die Judaistin Ruth Winkler jüdische Religionspädagogin, William Olhausen ist anglikanischer Geistlicher, zudem weist auch der derzeit als Literatur- bzw. Kulturwissenschaftler tätige Markus Ebenhoch eine th’ologische Ausbildung und Erfahrung ebenfalls als römisch-katholischer Religionslehrer auf.

Das Rahmenthema des vorliegenden Buches hatten wir ursprünglich auf Kommunikation in religiösen und über religiöse Settings, Themen bzw. Diskurse(n) hin konzipiert, sowie auf Kommunikation über mit Religiösem (bzw. Religionen oder Ausprägungen von Religiosität) Assoziiertes bzw. davon Beeinflusstes. Die in diesem Sammelband aufgenommenen Texte behandeln in diesem Sinn hauptsächlich Kommunikation in religiösen Settings oder aus solchen in nicht-(primär-)religiöse Settings übernommene Elemente sowie den Umgang mit religiösen Diskursen und Diskurselementen. Ein Beitrag (nämlich der Marianne Franz’) beschäftigt sich mit einem mit ‚Religion‘ i.w.S. (konkret einer mit einer sozialen Praxis) assoziierten Thematik in Pressetexten ohne Rückkopplung an th.eologische Sichtweisen, sondern im Hinblick auf die Darstellung von Religion bzw. Formen von Religiosität (oder nicht-religionsvorgabekonformen Verhaltens). Wir bedauern, unter den zahlreichen Beitragstitelvorschlägen und auch tatsächlich in den Sammelband aufgenommenen Beiträgen keine vorgefunden zu haben, die Religionsfeindlichkeit, Säkularisierungs- oder Laizisierungs- und somit i.w.S. Kulturkampfthemen explizit behandelt hätten.3 Dennoch sind Kulturkampfelemente in einigen diskursanalytischen Beiträgen thematisch präsent.

← 11 | 12 → Unabhängig von Objektsprachen und Religionen behandelter Texte/Korpora bzw. von Themen, Umfang, Status und Phasenstand der in den Beiträgen präsentierten Forschungsprojekte (die diesbezüglich variieren) und der verschiedenen Positionen der BeiträgerInnen (innerhalb der Stadien wissenschaftlicher Karrieren von Studierenden bis zu LehrstuhlinhaberInnen und außerhalb dieser) haben wir uns im vorliegenden Band, auf metadiskursive Kriterien gestützt, für folgende Themenordnung entschieden:

Zunächst wird der „X & Language/X & Sprache“-Hauptkomponente Diskursanalyse mit verschiedener Ausrichtung und Fokussierung, aber mit der Gemeinsamkeit relativ aktuellen untersuchten Materials Rechnung getragen, wobei wir die Beiträge gemäß abnehmender Prototypikalität angeordnet haben: Julia Kuhn, Fabio Mollica und Simona Empoli eröffnen diese Beitragsgruppe. Sie geben einen Überblick über die Ausgestaltung und auch Durchdringung der diskursiven Praxis des langjährigen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi mit Elementen aus religiösen Diskursen (der römisch-katholischen Kirche); dabei werden das Potenzial und konkrete Möglichkeiten linguistischer Diskursanalyse exemplarisch an einem Korpus politischer Sprache dargelegt. Auf Diskurse zur Wirtschaft konzentriert sich Fiorenza Fischer: Sie nimmt den Wortschatz ins Visier, wenn sie in ihrem Beitrag Sprachen und insbesondere die (deutsche) Sprache der Wirtschaft auf Metaphern aus dem Bereich Religion und Kult hin untersucht.4 Wie Fiorenza Fischer greift auch Johanna Warm (vormals Humenberger) auf eine Thematik zurück, mit der sie sich nicht zum ersten Mal beschäftigt, und fokussiert dabei auf Elemente religiösen Ursprungs: Sie analysiert Identitätskonstruktionen bzw. diskursive Positionierungen anhand der Sprache Banlieue-Jugendlicher, wie sie ← 12 | 13 → im von ihr untersuchten Spielfilm L’Esquive dargestellt wird.5 Im Gegensatz zu diesem Filmkorpus untersuchen Martin Döring und Olaf Jäkel, wie religiöse bzw. th’ologische Positionen zum Beginn menschlichen Lebens in Texten deutscher Medien zum Themenkreis Präimplantationsdiagnostik kommuniziert werden. Georg Marko widmet sich quantitativ und korpusbasiert Konstruktionen einer intendierten Anmutung von Wissenschaftlichkeit in US-amerikanischen Texten zu Intelligent Design, womit er diskursives Mimikry bzw. Aneignungen diskursiver Charakteristika und deren Grenzen beschreibt. Metadiskursiv bedingte Diskursaufbrechungen behandeln Zach Gordon und Erica Sosa, die den Versuch, religiöse Kultsprache von einem diskursiven Akteur als politisch nicht korrekt eingestufter Elemente zu entkleiden und in von ihm als politisch korrekt eingestufte Diskurse zu überführen, anhand eines von diesem diskursiven Akteur verfassten Gebetsbuchs nachzeichnen. Hier im Anschluss daran platziert, betrachtet Marietta Calderón ein Gebet aus pragmalinguistischer Sicht und in seinen Realisationsmöglichkeiten innerhalb diskursiver Rahmen. Gesprächsanalytisch ist die von Alexandra Maria Duppé beschriebene Kommunikation zwischen Menschen und (ko-konstruierten) Geistern im Kontext der Besessenheitstrance des in Brasilien praktizierten Umbanda-Rituals anzusehen; aus linguistischer Sicht erscheinen dabei besonders die SenderInnenspezifik und das Codeswitching beachtenswert. Das große Feld des Kommunizierens über Religion(en)/Religiöses/Religiosität bzw. über damit Assoziiertes aus diesbezüglichen Außenperspektiven (das typischerweise auch als diskursive Praxis von Säkularismus, Säkularisierung bzw. Laizismus manifestiert wird) bietet jeweils ein Forum für jeweils in Massenmedien verbreitete Modethemen.6 In diesem Sammelband wird nur eines dieser Art Themen aufgegriffen: Marianne Franz untersucht darin Pressetexte zu ← 13 | 14 → Kindes-missbrauch durch römisch-katholische Geistliche im Hinblick auf dahinterliegende diskursiv vermittelte Ideologien.

Biographische Angaben

Marietta Calderón Tichy (Band-Herausgeber:in) Georg Marko (Band-Herausgeber:in)

Marietta Calderón ist Sprachwissenschaftlerin am Fachbereich Romanistik der Universität Salzburg. Marietta Calderón works as a linguist at the Department of Romance Languages at the University of Salzburg. Georg Marko ist Sprachwissenschaftler am Institut für Anglistik der Universität Graz. Georg Marko works as a linguist at the English Department at the University of Graz.

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Titel: Religion und Sprache- Religion and Language