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Prädiktoren von Aggression

Eine Untersuchung der Faktoren Wahrnehmung und Regulation von Emotionen, Ambiguitätstoleranz, Selbstwertschätzung und Selbstwertdiskrepanz bei Patienten aus der Forensischen und der Allgemeinen Psychiatrie

von Christian Fischer (Autor:in)
Dissertation 191 Seiten

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • 1 Einleitung
  • 2 Begriffsklärung und Definition von Aggression
  • 3 Theoretische Überlegungen zur Aggressionsentstehung
  • 3.1 Lerntheorie
  • 3.2 Frustrations-Aggressions-Hypothese
  • 3.3 Modell der sozialen Informationsverarbeitung
  • 3.4 Social Interactionist Theory of Coercive Action (SITCA)
  • 3.5 Psychosoziale Erklärungsansätze
  • 3.6 General Affective Aggression-Model (GAAM)
  • 4 Prädiktoren von Aggression
  • 4.1 Selbstwertschätzung
  • 4.1.1 Diskrepante und kongruente Selbstwertschätzung
  • 4.1.2 Narzissmus als übersteigerte Form der Selbstwertschätzung
  • 4.1.3 Selbstwertschätzung als Prädiktor von Aggression
  • 4.2 Impulsivität als Prädiktor von Aggression
  • 4.3 Emotionen und Emotionsregulation als Aggressionsprädiktoren
  • 4.4 Wahrnehmung als Prädiktor von Aggression
  • 4.5 Sozialisation als Prädiktor von Aggression
  • 5 Messung von Persönlichkeitsmerkmalen
  • 5.1 Probleme expliziter Verfahren
  • 5.2 Indirekte Messverfahren
  • 5.2.1 Impliziter Assoziations-Test (IAT)
  • 5.2.2 Prozedur des IAT
  • 5.2.3 Befunde und Kritik am IAT
  • 5.2.4 Abwandlungen und Weiterentwicklungen des IAT
  • 6 Zusammenfassung der theoretischen Vorüberlegungen, Zielsetzung der Arbeit und Hypothesen
  • 6.1 Zusammenfassung und Zielsetzung
  • 6.2 Hypothesen
  • 6.2.1 Explizite und implizite Anteile von Selbstwertschätzung und Aggression
  • 6.2.2 Selbstwertschätzung als Prädiktor von Aggression
  • 6.2.3 Emotionen und ihre Aggressionsförderung
  • 6.2.4 Impulsivität als Prädiktor von Aggression
  • 6.2.5 Wahrnehmung und Sozialisation als Aggressionsprädiktoren
  • 7 Methode
  • 7.1 Versuchspersonen
  • 7.2 Materialien der indirekten Messung
  • 7.3 Materialien der direkten Messung
  • 7.4 Verhaltensbeobachtung
  • 7.5 Durchführung
  • 7.5.1 Messzeitpunkt 1
  • 7.5.2 Messzeitpunkt 2
  • 8 Ergebnisse
  • 8.1 Deskriptive Beschreibungen der Stichprobe
  • 8.1.1 Patienten der Forensischen Psychiatrie
  • 8.1.2 Patienten der Rehabilitationsstation für Suchterkrankungen
  • 8.1.3 Gruppenunterschiede in den demografischen Daten
  • 8.2 Persönlichkeitsvariablen der direkten Messung
  • 8.2.1 Gruppenunterschiede innerhalb der Persönlichkeitsvariablen
  • 8.2.2 Korrelationen bei den Persönlichkeitsvariablen
  • 8.2.2.1 Forensische Patienten
  • 8.2.2.2 Rehabilitationspatienten
  • 8.3 Variablen der indirekten Messung
  • 8.3.1 Gruppenunterschiede bei den indirekten Maßen
  • 8.3.2 Korrelationen bei den forensischen Patienten
  • 8.3.3 Korrelationen bei den Rehabilitationspatienten
  • 8.4 Selbstwertdiskrepanz
  • 8.5 Verhaltensbeobachtung
  • 8.6 Regression zur Vorhersage von Aggression
  • 8.6.1 Forensische Patienten
  • 8.6.1.1 Vorhersagekraft einzelner Prädiktoren von selbst berichteter Aggression
  • 8.6.1.2 Gesamtmodell selbst berichteter Aggression
  • 8.6.1.3 Vorhersagekraft einzelner Prädiktoren von beobachteter Aggression
  • 8.6.1.4 Gesamtmodell beobachteter Aggression
  • 8.6.1.5 Moderations- und Mediationsanalyse
  • 8.6.1.5.1 Mediation
  • 8.6.1.5.2 Moderation
  • 8.6.2 Gewaltstraftäter
  • 8.6.2.1 Vorhersagekraft einzelner Prädiktoren von selbst berichteter Aggression
  • 8.6.2.2 Gesamtmodell selbst berichteter Aggression
  • 8.6.2.3 Vorhersagekraft einzelner Prädiktoren von beobachteter Aggression
  • 8.6.2.4 Gesamtmodell beobachteter Aggression
  • 8.6.2.5 Moderations- und Mediationsanalyse
  • 8.6.2.5.1 Mediation
  • 8.6.2.5.2 Moderation
  • 8.6.3 Rehabilitationspatienten
  • 8.6.3.1 Vorhersagekraft einzelner Prädiktoren von selbst berichteter Aggression
  • 8.6.3.2 Gesamtmodell selbst berichteter Aggression
  • 8.6.3.3 Moderations- und Mediationsanalyse
  • 8.6.3.3.1 Mediation
  • 8.6.3.3.2 Moderation
  • 9 Zusammenfassende Beantwortung der Hypothesen und Diskussion
  • 9.1 Explizite und implizite Anteile bei Selbstwertschätzung und Aggression
  • 9.2 Selbstwertschätzung als Prädiktor von Aggression
  • 9.3 Emotionen und ihre Aggressionsförderung
  • 9.4 Impulsivität als Prädiktor von Aggression
  • 9.5 Wahrnehmung und Sozialisation als Aggressionsprädiktoren
  • 9.6 Modelle zur Aggressionsvorhersage
  • 9.7 Einfluss von Drittvariablen auf den Zusammenhang von Selbstwertschätzung und Aggression
  • 10 Abschließende kritische Diskussion und Ausblick
  • 11 Fazit für die Praxis
  • 12 Literaturverzeichnis
  • 13 Anhang

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1 Einleitung

„Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen Ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“

Beim Lesen dieses Zitates mag man dem sofort zustimmen und glauben, dass es sich um eine Beschreibung der aktuellen gesellschaftlichen Situation handelt. Dem ist jedoch nicht so, vielmehr handelt es sich um ein Zitat des antiken griechischen Philosophen Sokrates (um 469 v. C.–399 v. C.). Es zeigt sich, dass es Fehlverhalten in der menschlichen Gesellschaft schon seit der Antike und letztendlich seit Bestehen der menschlichen Gesellschaft gibt.

Betrachtet man die aktuelle Berichtserstattung der Medien, entsteht der Eindruck einer Gesellschaft, in der Fehlverhalten und insbesondere gewalttätiges Verhalten zur Tagesordnung gehören. Nahezu täglich lassen sich Reportagen über Gewaltstraftaten finden, wodurch das Gefühl einer drastischen Zunahme der Gewalt innerhalb der Gesellschaft entsteht. Bei Betrachtung der Kriminalstatistik und deren Entwicklung in den letzten Jahren zeigt sich jedoch ein deutlich differenzierteres Bild. Im Vergleich zu den 1990er Jahren kam es bis zum aktuellen Tage durchaus zu einem Anstieg bei den verübten Straftaten. Neben den verzeichneten Delikten, die unbestrittener Weise an erster Stelle für die Zahlen verantwortlich zeichnen, gibt es aber auch noch andere Einflussfaktoren, die bei der Zunahme der registrierten Straftaten eine Rolle spielen. Durch die Strafrechtsreform in den 1990er Jahren wurden „neue“ Delikte definiert und somit auch in die Statistiken aufgenommen. Beispiele hierfür sind zum einen das Stalking als bekanntestes Beispiel und zum anderen die versuchte Körperverletzung (Kury, 2007; 2010). Außerdem ließ sich in den vergangenen Jahren ein erhöhtes Anzeigeverhalten der Bevölkerung sowie eine Intensivierung der polizeilichen Ermittlungstätigkeit beobachten, so dass es auch zu einer Verschiebung aus dem „Dunkelbereich“ in das „Hellfeld“ der Kriminalität kam (BKA, 2010; Kury, 2007, 2010). Seit dem Höchststand im Jahre 2007 ← 13 | 14 → lässt sich allerdings wieder eine leicht rückläufige Tendenz erkennen, die sich auch in den Folgejahren fortsetzte. Wurden im Jahre 2009 797.218 so genannte „Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit“ registriert, zu denen unter anderem Raub, räuberische Erpressung und Körperverletzung gehören, waren es im Jahre 2010 noch 789.377. So wurden beispielsweise bei den „klassischen“ Gewaltstraftaten, der gefährlichen und schweren Körperverletzung im Vergleich zum Vorjahr 6.398 Delikte weniger registriert, was einer Abnahme von 4,3% entspricht. Dieser Trend ließ sich auch bei den „Straftaten gegen das Leben“, zu denen Mord und Totschlag zählen, beobachten. Wurden bei dieser Deliktgruppe 2009 noch 3.269 Straftaten registriert, ließ sich im Jahre 2010 eine Reduzierung um 1,6% auf 3.216 Delikte verzeichnen (Bundeskriminalamt, BKA, 2011).

Die Erklärung für die teils erhebliche Diskrepanz zwischen empfundener und realer Bedrohung liegt für Kury (2007) primär in der Berichterstattung der Medien. Insbesondere durch die Boulevardmedien werden Einzelfälle herausgegriffen und als Normalität dargestellt, was einer selektiven Berichterstattung entspricht und auch dazu führt, dass Gewaltstraftaten stärker ins Bewusstsein der Gesellschaft rücken, was wiederum zu einem sensibleren Reagieren auf die entsprechenden Thematiken führt (Weidner, 1995; Kury, 2007). Die so entstandene öffentliche Diskussion über den Umgang mit Gewaltstraftätern findet dadurch losgelöst von der Sachebene auf einer emotionalen Ebene statt. Dies geht in der Regel mit der Forderung nach drakonischen Strafen sowie Verschärfung der Haftbedingungen einher, wodurch die Diskussion letztendlich auch politisiert und zum Wahlthema gemacht wird.

Vor allem wegen der Opfer aber auch wegen den aus den Gewaltstraftaten resultierenden Kosten für die Gesellschaft (etwaiger Werteverfall, Behandlungskosten für die Opfer, Kosten für die Unterbringung der Täter) stellen Gewaltstraftaten ohne jeden Zweifel ein zu vermeidendes gesellschaftliches Problem dar. Eine Verschärfung der Strafen und Haftbedingungen führt jedoch kaum zu einer Verbesserung der Problematik (Kury, 2007, 2010; Lösel, 2010; Weidner, 1995), und dem Erziehungsgedanken werden die Haftanstalten schon heute kaum gerecht (Weidner, 1995). Vielmehr wird das aggressive Verhalten der Täter durch die Struktur der Haftanstalt verstärkt und gefördert, denn nur wer stark ist und ← 14 | 15 → sich aggressiv verhält, kann sich in der Insassenkultur behaupten. In so einem Umfeld nehmen die Täter das eigene gewalttätige Verhalten nicht als Normverletzung wahr. Aggression signalisiert hier Macht und Überlegenheit, wodurch es wiederum zu einer Herausbildung einer so genannten „Knastelite“ kommt (Weidner, 1995). Auch die internationale Forschung zeigt, dass harte Strafen kein wirksames Mittel darstellen, um Kriminalität zu verhindern (Kury, 2007, 2010). Im Umkehrschluss bedeutet das jedoch keinesfalls, dass auf kriminelles Verhalten nicht reagiert werden soll, vielmehr ergibt sich die Notwendigkeit nach einem differenzierten Sanktions- und Hilfesystem. Für Kury (2007) bedeutet dies auf der Seite der Opfer eine umfängliche Unterstützung und Hilfe sowie eine Entschädigung für die durch die Straftat entstandenen Schäden. Für den Umgang mit den Tätern fordert der Autor bei geringer Rückfallgefahr, relativ kurze Haftstrafen sowie die Stärkung des Wiedereingliederungswillens des Täters und die Unterstützung zur gesellschaftlichen Integration. Lange freiheitsentziehende Strafen sollen allein den dauerhaft gefährlichen Straftätern vorbehalten bleiben, die aus Sicherheitsgründen von der Gesellschaft ferngehalten werden müssen.

Da sich ein restriktiveres Bestrafungssystem als rein reaktive Maßnahme zur Vermeidung weiterer Straftaten als wenig effektiv erwiesen hat, fordert Kury (2007) primärpräventive Maßnahmen in problembehafteten Familien, in Schulen und Jugendgruppen, um einem straffälligen Verhalten möglichst früh vorbeugen zu können. Die Forderung nach einer verstärkten Primärprävention wurde ergänzt durch die Forderung nach Maßnahmen zur Rückfallprävention, da sich letztendlich jegliche Präventivmaßnahme als ökonomischer erweisen sollte als ein restriktiveres Bestrafungssystem. Hieraus lässt sich wiederum für die Forschung der Auftrag ableiten, sich intensiv mit den Ursachen und den Zusammenhängen der Kriminalitätsentstehung und hier insbesondere der Gewaltkriminalität zu beschäftigen. Dieser Auftrag wird als Grundlage für die aktuelle Arbeit herangezogen, in der Einflüsse und Zusammenhänge von Persönlichkeitsmerkmalen sowie Umweltfaktoren bei der Entstehung eines aggressiven und gewalttätigen Verhaltens bei Patienten aus dem Maßregelvollzug untersucht werden sollen.

Details

Seiten
191
ISBN (PDF)
9783653049404
ISBN (ePUB)
9783653979749
ISBN (MOBI)
9783653979732
ISBN (Buch)
9783631655283
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2014 (August)
Schlagworte
Aggressionsmessung Aggressionsentstehung Selbstwert Impulsivität
Erschienen
Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2014. 191 S.

Biographische Angaben

Christian Fischer (Autor:in)

Christian Fischer studierte Psychologie an der Universität Leipzig. Er ist Stationspsychologe der Forensischen Psychiatrie am Sächsischen Krankenhaus für Psychiatrie und Neurologie Rodewisch.

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