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Fräuleinwunder

Zum literarischen Nachleben eines Labels

von Christiane Caemmerer (Band-Herausgeber:in) Walter Delabar (Band-Herausgeber:in) Helga Meise (Band-Herausgeber:in)
Sammelband 252 Seiten
Reihe: INTER-LIT, Band 15

Zusammenfassung

Die Beiträge dieses Bandes untersuchen, was aus Judith Hermann, Karen Duve, Juli Zeh und den vielen anderen Autorinnen geworden ist, die um die Jahrtausendwende unter dem Markenzeichen «Fräuleinwunder» Furore machten. Wer schrieb weiter und welche Formen haben die Autorinnen benutzt, welche literarischen Profile und Karrieren haben sich ergeben, nachdem der Hype vorbei war? Der Band verbindet iterative Bestandsaufnahmen und Beschreibungen des Status quo – 15 Jahre später.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • „Fräuleinwunder“ – Eine Welle, ein Label und die Folgen. Eine Einleitung (Christiane Caemmerer / Walter Delabar / Helga Meise)
  • Das Fräuleinwunder auf der Durchreise. Olga Grjasnowas Romane und ihre Rezeption (Anne Fleig / Anna-Lena Scholz)
  • Geschichte und Zeiterfahrung in der Prosa von Julia Schoch (Carola Hähnel-Mesnard)
  • Kathrin Röggla und die Wunder des Feuilletons (Eva Kormann)
  • „…ganz schön absurd, das ganze wording…“. Kathrin Rögglas Schreiben unter dem Zeichen des Verlusts von Wirklichkeit (Herta Luise Ott)
  • Kunst als Raum der Selbstverwirklichung. Shanghai Performance von Silke Scheuermann (Carola Hilmes)
  • Stadt, Land, Meer. Topographische Lektüren ausgewählter Romane von Karen Duve und Jenny Erpenbeck (Katrin Dautel)
  • (Nicht) So tun, als sei die Welt bestens eingerichtet. Karen Duves Taxi als intermediales Archivierungsprojekt (Urania Milevski)
  • „Brautstrauß gefangen“ – Judith Hermanns Aller Liebe Anfang (Volker Mergenthaler)
  • Judith Hermann, Schriftstellerin und Medienfigur (Ulrike Leuschner)
  • Short Cuts. Oder: Wie das „Fräuleinwunder“ in den Film kommt (Michael Braun)
  • Le miracle de la jeune littérature féminine? Das „Literarische Fräuleinwunder“ und der Literaturtransfer nach Frankreich (Luise Hertwig)
  • Wahr, irgendwie wahr oder sollte wahr sein. Juli Zehs Simulationsversuche im Umfeld des Romans Unterleuten (Walter Delabar)
  • Über die Autorinnen und Autoren
  • Reihenübersicht

Christiane Caemmerer / Walter Delabar /
Helga Meise (Hrsg.)

Fräuleinwunder

Zum literarischen Nachleben eines Labels

Autorenangaben

Christiane Caemmerer ist Literaturwissenschaftlerin und arbeitet als Wissenschaftliche Bibliothekarin in der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz.

Walter Delabar lehrt als Professor an der Universität Hannover und ist in der Industrie tätig.

Helga Meise lehrt als Professorin Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Université de Reims Champagne-Ardenne, Frankreich.

Über das Buch

Die Beiträge dieses Bandes untersuchen, was aus Judith Hermann, Karen Duve, Juli Zeh und den vielen anderen Autorinnen geworden ist, die um die Jahrtausendwende unter dem Markenzeichen „Fräuleinwunder“ Furore machten. Wer schrieb weiter und welche Formen haben die Autorinnen benutzt, welche literarischen Profile und Karrieren haben sich ergeben, nachdem der Hype vorbei war? Der Band verbindet iterative Bestandsaufnahmen und Beschreibungen des Status quo – 15 Jahre später.

Zitierfähigkeit des eBooks

Diese Ausgabe des eBooks ist zitierfähig. Dazu wurden der Beginn und das Ende einer Seite gekennzeichnet. Sollte eine neue Seite genau in einem Wort beginnen, erfolgt diese Kennzeichnung auch exakt an dieser Stelle, so dass ein Wort durch diese Darstellung getrennt sein kann.

Christiane Caemmerer, Walter Delabar, Helga Meise

„Fräuleinwunder“ – Eine Welle, ein Label und die Folgen

Eine Einleitung

Abstract: This volume investigates the major thematic and formalistic directions of literary works by female authors who became known as the “Fräuleinwunder” generation over ten years ago. What started out as a categorization with a high market visibility has produced a host of female authors who are well renowned by now and recognized beyond the book market. And they are raising their voices not only about social and political matters, but their works also reinvent and renegotiate the relationship between literature and media.

Als die drei Herausgeberinnen und Herausgeber dieses Bandes vor zehn Jahren die Besichtigung des Labels „Fräuleinwunder“ unternahmen,1 war das Phänomen bereits gut auf dem literarischen Markt eingeführt, lagen doch zwischen der Erfindung der Formel „Fräuleinwunder“ durch den Spiegel-Artikel von Volker Hage und den Publikationen der im Band vorgestellten zwölf Autorinnen bereits sechs Jahre. Dennoch fiel die damalige Sichtung mit gehöriger Intensität und nur mittlerer Distanz über ihr Thema her. Zu nahe war den Beiträgerinnen und Beiträger noch das Phänomen, lässt sich vermuten. Denn die Frage nach der Angemessenheit des Labels „Fräuleinwunder“ war noch nicht beantwortet und erregte immer noch die Gemüter. Die Frage nach der Durchdringung von Literaturmarkt, Marketing und sachlicher, ja auch literaturkritischer Auseinandersetzung war noch nicht hinreichend beantwortet. Die Mehrfach-Auszeichnung des Phänomens, das ja eigentlich als Spinoff der popkulturellen Literatur kurz vor 2000 begründet worden war, als Neuansatz des literarischen Umgangs mit der deutschen Vergangenheit, als Neubegründung des literarischen Erzählens in der deutschsprachigen Literatur, und die Besetzung der Positionen mit Autorinnen zog überhaupt erst die Aufmerksamkeit auf sich.2 Und das mit gutem Grund.←7 | 8→

Beim Review unserer damaligen Anstrengungen fällt die große Zahl der Autorinnen auf, die sich in der deutschsprachigen Literatur durchgesetzt haben und teilweise mit recht großer Produktivität aufwarten können. Die seinerzeit zusammengestellte Liste der mit dem Label „Fräuleinwunder“ belegten Autorinnen umfasst ca. 30 Namen: Judith Hermann, Karen Duve, Zoë Jenny, Christa Hein, Sibylle Mulot, Kathrin Schmidt, Birgit Vanderbeke, Tanja Langer, Susanna Gran, Nadine Barth, Elke Naters, Jenny Erpenbeck, Silvia Szymanski, Julia Franck, Terézia Mora, Anke Stelling, Alexa Hennig von Lange, Tanja Dückers, Maike Wetzel, Carmen von Samson, Juli Zeh, Malin Schwerdtfeger, Nadja Einzmann, Nariana Leky, Ricarda Junge, Doja Hacker, Marion Poschmann, Jana Hensel, Zsuzsa Bánk und Antje Rávic Strubel.3 Die Liste ist umfangreich und zeigt die Produktivität junger Autorinnen um 2000 an.

Sie hat allerdings auch eine Gegenseite: Selbst wenn sie das Label nicht notwendig in Anspruch nahmen, sahen sich um 2000 neue Autorinnen, die erstmals in der Öffentlichkeit auftraten, nolens volens mit ihm konfrontiert. Das Label, so schien es, steuerte fortan mehr oder weniger sichtbar die literarische Produktion und ihre Rezeption. Es wurde als Marketinginstrument massiv eingesetzt, Autorinnen konnten am Markt platziert werden, die positive Rezeption erhielt damit einen wirksamen Multiplikator, der wiederum neue Produktionen und neue Autorinnen beförderte. Ein heiß laufender Markt, wie wir ihn auch aus anderen ökonomischen Bereichen kennen. Mit vergleichbarem Ausgang.

Das Label lief sich notwendig tot. So große Wirkung es bei der Präsentation und Durchsetzung junger Autorinnen um 2000 hatte, zehn Jahre später war es wirkungslos geworden – nicht zuletzt deshalb, weil aus den jungen Autorinnen (die nicht alle notwendig jung gewesen waren) mittlerweile gestandene Autorinnen geworden waren, die sich – je auf ihre Weise – im Betrieb durchgesetzt oder aber von ihm Abstand genommen hatten.←8 | 9→

Zunächst ist frappierend, dass ein überraschend großer Teil der Autorinnen, denen seit der Jahrtausendwende das Label „Fräuleinwunder“ angeheftet wurde, fortfuhr zu schreiben; häufig waren diese Autorinnen sogar mit einem Titel pro Jahr auf dem Markt präsent. Zum Teil besetzen sie mittlerweile – als anerkannte Autorinnen – das Segment der dominanten Autorinnen und Autoren, von denen Leser und Kritik immer dann sprechen, wenn ein neuer Text erscheint, oder deren Stimme im Konzert der Autorinnen- und Autorenäußerungen gehört wird. Die Diskussion um die Re-Politisierung der Literatur, die in den vergangenen beiden Jahren durch die Feuilletons ging, zeugt davon. Kathrin Röggla4 oder Juli Zeh5 zählen zu den Autorinnen, die sich regelmäßig zu politischen Themen zu Wort melden.

Die Zahl der immer noch präsenten Autorinnen erreicht für ein Phänomen, das – einmal erfolgreich – sich selbst fortzuschreiben und zu vergrößern versuchte und dabei auch Autorinnen von weniger starker Qualität nach oben spülte, eine erstaunlich hohe Quote. Allein Juli Zeh, Karen Duve oder Silke Scheuermann haben in der jüngeren Vergangenheit mit sehr erfolgreichen Texten auf sich aufmerksam gemacht. Und dass eine Autorin wie Judith Hermann, deren Produktivität im Vergleich eher gering ist, ebenfalls immer noch präsent ist und – wie in diesem Band nachzulesen ist – zu heftigen Diskussionen über ihr Werk Anlass gibt, ist nicht minder erstaunlich.

Details

Seiten
252
ISBN (ePUB)
9783631702284
ISBN (PDF)
9783653054958
ISBN (MOBI)
9783631702291
ISBN (Hardcover)
9783631660805
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (Juni)
Schlagworte
Frauenliteratur Rezeption Literarisches Leben Frauenbild Literaturvermarktung Gender
Erschienen
Frankfurt am Main, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien, 2017. 252 S.

Biographische Angaben

Christiane Caemmerer (Band-Herausgeber:in) Walter Delabar (Band-Herausgeber:in) Helga Meise (Band-Herausgeber:in)

Christiane Caemmerer ist Literaturwissenschaftlerin und arbeitet als Wissenschaftliche Bibliothekarin in der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz. Walter Delabar lehrt als Professor an der Universität Hannover und ist in der Industrie tätig. Helga Meise lehrt als Professorin Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Université de Reims Champagne-Ardenne, Frankreich.

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Titel: Fräuleinwunder