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Angewandte Linguistik in Schule und Hochschule

Neue Wege für Sprachunterricht und Ausbildung

von Rolf Kreyer (Band-Herausgeber:in) Steffen Schaub (Band-Herausgeber:in) Barbara Ann Güldenring (Band-Herausgeber:in)
Konferenzband 415 Seiten

Zusammenfassung

Die Angewandte Linguistik liefert seit jeher wesentliche Beiträge zu einer wissenschaftlich fundierten Sprach- und Kommunikationslehre. Gleichzeitig wird sie selbst als wissenschaftliche Disziplin in der Hochschule gelehrt und rückt zunehmend wieder als potentieller Lerngegenstand der schulischen Bildung in den Blick. Aus diesem Spannungsfeld ergeben sich wichtige und interessante Fragen sowohl für einen modernen Fremdsprachenunterricht als auch für eine moderne Fremdsprachenlehrerausbildung. Der vorliegende Sammelband, hervorgegangen aus Vorträgen des Kongresses der Gesellschaft für Angewandte Linguistik (GAL) im September 2014 in Marburg, vereint Beiträge, die dieses Spannungsfeld in seiner ganzen Breite repräsentieren.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • Vorwort
  • Einleitung: Angewandte Linguistik in Schule und Hochschule – Neue Wege für Sprachunterricht und Ausbildung
  • Angewandte Linguistik in der Schule
  • “We don’t need no education”. Die Fremdsprachenlehrerbildung im Spannungsfeld von Lernerautonomie und technologischem Fortschritt
  • Bildungssprache fördern in philosophischen Gesprächen mit Kindern
  • Selbstadressiertes Sprechen junger (Fremd)Sprachenlerner: Stand der Forschung und mögliche Implikationen für die Praxis im fremdsprachlichen Klassenraum
  • Selbstreparaturen im zweitsprachlichen Erzählen: Anschlussmöglichkeiten für den Deutsch-als-Zweitsprache-Unterricht?
  • Förderung der allgemeinen Schreibkompetenz an Berufsfachschulen: Prozessorientierte Schreibdidaktik zwischen Deutsch als Mutter- (DaM) und Zweitsprache (DaZ)
  • Ausspracheschulung für japanische Deutschlernende. Eine soziophonetische Untersuchung zur Festlegung eines Aussprache-Syllabus für Deutsch als Fremdsprache
  • Prädikat sind wie Verb also auch wieder tun Worter. Oder: Wie transitorisch sind transitorische Normen?
  • Fachwortschatzunterricht zwischen Theorie und Praxis – Impulse aus der Psycholinguistik und aus der kognitiven Linguistik
  • Angewandte Linguistik in der Hochschule
  • ‘But sometimes this potential is not used at all’. Views on linguistics in EFL teacher training and teaching
  • Textlinguistische Konzepte in der Entwicklung und Bewertung schriftsprachlicher Kompetenzen im DaF-Studium
  • Interaktionsanalysen fremdsprachlichen Unterrichts. Ein Beitrag der Angewandten Linguistik zur Professionalisierung und zur Herstellung von reflexiver Praxis bei Lehramtsstudenten
  • Forschendes Lernen in der Lehrerausbildung – Studierende forschen zu sprachlicher Heterogenität im Unterricht
  • Towards corpus literacy in foreign language teacher education: Using corpora to examine the variability of reporting verbs in English
  • Reihenübersicht

Vorwort

Der vorliegende Sammelband ist aus Beiträgen des Jahreskongresses der Gesellschaft für Angewandte Linguistik (GAL) vom 16. bis zum 19. September 2014 in Marburg entstanden. Die Herausgeber danken der GAL für die Möglichkeit, diesen Sammelband in der Reihe F.A.L. zu veröffentlichen, und den Reihenherausgebern Hajo Diekmannshenke, Ulrich Schmitz und Antje Wilton für ihre hilfreichen Anregungen und Rückmeldungen sowohl zur Konzeption des Bandes als auch zu einzelnen Beiträgen. Unser Dank gilt auch dem Peter-Lang Verlag, insbesondere Herrn Michael Rücker, der das Projekt federführend betreut hat und zu jeder Zeit für Rückfragen zur Verfügung stand. Unser besonderer Dank gilt den Autorinnen und Autoren für ihre interessanten Beiträge sowie ihre immer konstruktive und effektive Zusammenarbeit. Schließlich bedanken wir uns herzlich bei Isolde Ulbrich, Viktoria Steiner und Tim Hoffmann, die durch ihre Unterstützung bei der Schlussredaktion wesentlich zur Fertigstellung des Buchprojekts beigetragen haben.

Rolf Kreyer, Philipps-Universität Marburg Steffen Schaub, Westfälische Wilhelms-Universität Münster Barbara Ann Güldenring, Philipps-Universität Marburg

Einleitung: Angewandte Linguistik in Schule und Hochschule – Neue Wege für Sprachunterricht und Ausbildung

Die Angewandte Linguistik liefert seit jeher einen bedeutenden Beitrag zu sprachlich-kommunikativen Lehr-Lernprozessen in unterschiedlichen öffentlichen und institutionellen Handlungsbereichen. Gleichzeitig wird sie selbst als wissenschaftliche Disziplin in der Hochschule gelehrt und rückt zunehmend wieder als potentieller Lerngegenstand der schulischen Bildung in den Blick (vgl. hierzu die aktuellen Sammelbände von Bredel / Schmellentin 2015, Bürgel / Siepmann 2014 oder Köpcke / Ziegler 2013). Aus diesem Spannungsfeld – Angewandte Linguistik als Pfeiler einer wissenschaftlich fundierten Sprach- und Kommunikationslehre einerseits und als Lehr- bzw. Lerngegenstand andererseits – ergeben sich wichtige und interessante Fragen sowohl für einen modernen Fremdsprachenunterricht als auch für eine moderne Fremdsprachenlehrerausbildung.

Der vorliegende Sammelband, hervorgegangen aus Vorträgen des Kongresses der Gesellschaft für Angewandte Linguistik (GAL) im September 2014 in Marburg, vereint Beiträge, die das oben genannte Spannungsfeld in seiner ganzen Breite – von impliziter Hilfswissenschaft bis hin zu explizitem Unterrichtsinhalt – repräsentieren. Die Vielfalt der Themen – von Grundschule bis Universität, von DaM über DaZ/DaF bis Englischunterricht, von Kognitive Linguistik bis Korpuslinguistik, von Sprechen bis Schreiben – spiegelt hierbei die Bandbreite angewandt-linguistischer Forschung wider und macht somit den Wert der Angewandten Linguistik für einen modernen Sprachunterricht und eine universitäre Ausbildung, die angehende Lehrerinnen und Lehrer auf den Unterricht von morgen vorbereitet, deutlich. Dem Titel des Sammelbandes Angewandte Linguistik in Schule und Hochschule gemäß können die Beiträge zwei großen Themenbereichen zugeordnet werden. ← 9 | 10 →

Der erste Teil des Bandes widmet sich neuen und neuesten Erkenntnissen, Ansätzen und Herausforderungen eines modernen Sprachunterrichts im schulischen Kontext. Der Beitrag von Gerlach und Falk diskutiert Konsequenzen, die sich aus der rasanten Entwicklung digitaler Medien, insbesondere der zunehmenden Verbreitung mobiler Endgeräte, für den modernen Fremdsprachenunterricht ergeben und untersucht die Möglichkeiten der Einbindung virtueller Lehr- und Lernräume vor dem Hintergrund des Konzepts der Lernerautonomie. Die Autoren stellen fest, dass der kontextlose und didaktisch unreflektierte Einsatz mobiler Endgeräte das Lernen langfristig behindern kann, so dass Smartphone und Tablet nur scheinbar zu vollständiger Lernerautonomie führen. Der Fremdsprachenlehrkraft komme, wenn auch in veränderter Form, weiterhin eine zentrale Rolle zu: ein Lernen ohne Lehrkraft und vollkommen losgelöst von schulischer Bildung scheint den Autoren nicht erstrebenswert.

Gyger und Buchs stellen ein bisher wenig erforschtes didaktisches Setting zur Förderung bildungssprachlicher Kompetenzen vor, nämlich das Philosophieren mit Kindern, und überprüfen in einer explorativen Studie das sprachdidaktische Potential einer von philosophischen Gesprächen gelenkten schulischen Intervention. Aufgrund ihrer Analyse ausgewählter videographierter Gesprächsausschnitte mit Kindern eines dritten Schuljahres kommen die Autoren zu dem Schluss, dass sich Philosophiegespräche mit Kindern grundsätzlich zur Förderung von fächerübergreifender Bildungssprache eignen, stellen aber gleichzeitig die Notwendigkeit weiterer Forschung auf der Grundlage einer breiteren Datenbasis und mit zusätzlichen Methoden heraus.

In seinem Beitrag widmet sich Kötter dem Phänomen des selbstadressierten Sprechens im Kontext von Lexical Priming und formelhafter Sprache und untersucht, inwieweit die Erforschung und der didaktische Einsatz des Phänomens zur Förderung des (Fremd)Sprachenerwerbs beitragen können. Das selbstadressierte Sprechen eröffne Lernenden die Möglichkeit, sich Lerngelegenheiten zu kreieren, die auf ihre individuellen Bedürfnisse zugeschnitten seien und trage neben einer Vertiefung auch zu einer kollokations- und idiombezogenen Verbreiterung des Wortschatzes bei. Der Autor plädiert für die Entwicklung von Szenarien, in denen selbstadressiertes Sprechen vor dem Hintergrund unseres Wissens um formelhafte Sprache in Planung und Durchführung des Fremdsprachenunterrichts eingebunden wird. ← 10 | 11 →

Lütke untersucht selbstinitiierte Selbstreparaturen in mündlichen Erzählungen von Grundschulkindern, die Förderunterricht in Deutsch als Zweitsprache besuchen. Die beobachteten Daten zeigen Unterschiede in der Reparaturhäufigkeit bei verschiedenen Wortarten sowie eine hohe subjektspezifische Variabilität im Hinblick auf Reparaturtyp und, vor allem, Reparaturerfolg. Die Ergebnisse illustrieren das Potential von Selbstreparaturen für die Sprachdiagnostik und für eine differenzierte entwicklungsproximale Sprachförderung, verdeutlichen aber auch die Notwendigkeit einer differenzierten Förderung in der Primarstufe. Vor diesem Hintergrund macht die Autorin Vorschläge für eine individualisierte, strukturzentrierte Sprachförderung.

Hoefele und Konstantinidou entwerfen und evaluieren in ihrem Beitrag eine prozessorientierte Schreibdidaktik zwischen Deutsch als Muttersprache und Deutsch als Zweitsprache, die zur Förderung der allgemeinen Schreibkompetenz im Allgemeinbildenden Unterricht an Berufsfachschulen in der Schweiz Anwendung finden soll. Das Konzept fußt auf den Prinzipien der Handlungs- und Prozessorientierung sowie auf der Verbindung von Mutter- und Zweitsprachendidaktik. Die Autoren weisen in ihrer Studie nach, dass das Konzept – sofern es von kompetenten Lehrpersonen im Unterricht umgesetzt wird – das Lernen signifikant fördert und nachhaltig zur Entwicklung von Schreibkompetenz beitragen kann.

Im Fokus des Artikels von Nakagawa und Tachikawa steht die Beschreibung eines Konzepts zur Ausspracheschulung für japanische Lerner des Deutschen. Obwohl auch in Japan der kommunikative Ansatz zu einer stärkeren Gewichtung mündlicher Kommunikationsfähigkeit geführt habe, bleibe die Ausspracheschulung dennoch traditionellen Methoden verhaftet. Der von den Autorinnen vorgeschlagene Alternative liegen ein kognitiver Ansatz sowie die Silent Way-Methode zugrunde. Den Lernenden soll es damit möglich gemacht werden, ihre Aussprache autonom zu verbessern, insbesondere im Hinblick auf die sogenannten „Kernmerkmale“, also diejenigen phonetischen und phonologischen Merkmale, die für die Verständlichkeit der Aussprache entscheidend sind.

Mesch hinterfragt in ihrem Beitrag am Beispiel der Begriffe „Tun-Wort“ und „Satzaussage“ die Verwendung historisch tradierter schulgrammatischer Begriffe im Grammatikunterricht. Auf der Grundlage einer Pilotstudie mit 154 GrundschülerInnen stellt die Verfasserin fest, dass das deklarative ← 11 | 12 → Wissen über grammatische Phänomene nicht deckungsgleich mit dem vorhandenen prozeduralen Wissen ist: obwohl die SchülerInnen in der Mehrzahl Verben agentivisch-semantisch (als „Tun-Wort“) definierten, seien sie dennoch in der Lage, andere Verbarten zu identifizieren. Zudem weist sie nach, dass transitorische Normen, wie z. B. der Begriff des „Tun-Worts“, nicht wirklich überwunden werden. Sie plädiert daher anstelle einer unreflektierten Verwendung schulgrammatischer Begriffe für eine unterrichtliche Repräsentation grammatischer Konzepte, die auf dem impliziten Wissen der Lernenden aufbaut und eine sukzessive Ausdifferenzierung erlaubt.

Kovács diskutiert die mögliche Rolle von Psycholinguistik und kognitiver Linguistik im Fachwortschatzunterricht, ein Aspekt, der in der umfangreichen Literatur zum Fachwortschatz bisher wenig Berücksichtigung gefunden habe. Dementsprechend möchte der Autor in erster Linie das Bewusstsein für Verbesserungsmöglichkeiten schärfen, die sich aus der Anwendung psycholinguistischer und kognitiv-linguistischer Erkenntnisse und Konzepte ergeben können. Insbesondere beschäftigt sich der Beitrag mit Aufbau und Eigenschaften fachsprachlicher Subnetzwerke des mentalen Lexikons und leitet hieraus Empfehlungen für eine effizientere Gestaltung des Fachwortschatzunterrichts ab.

Der zweite Teil des Bandes diskutiert die Rolle der Angewandten Linguistik als Lehr- und Lerngegenstand in der Universität und gibt interessante Impulse für die Ausbildung von (Fremd)SprachenlehrerInnen. Der Beitrag von Kreyer und Güldenring beleuchtet die Wahrnehmung des linguistischen Teils der Fremdsprachenlehrerausbildung bei Studierenden, ReferendarInnen und LehrerInnen. Der Linguistik komme eine besondere Rolle zu, da sie, im Gegensatz zu Literaturwissenschaft, Kulturwissenschaft und Sprachpraxis, im schulischen Unterricht nicht als expliziter Lehr- und Lerngegenstand sichtbar werde. Die Autoren plädieren daher für ein Umdenken im linguistischen Teil der universitären Ausbildung: eine stärkere Betonung der schulisch relevanten Fertigkeiten, die durch eine linguistische Ausbildung erworben werden, könnten dazu beitragen, dass sich das „Linguist Sein“ als Teil des professionellen Selbstverständnisses zukünftiger LehrerInnen etabliert.

Karvela zeigt am Beispiel der Textlinguistik, wie linguistische Prinzipien und Methoden im DaF-Studium zur Analyse, Produktion und Bewertung von Texten herangezogen werden können. Die dargestellte Anwendung ← 12 | 13 → textlinguistischer Konzepte und Methoden trage zu einer Verbesserung des eigenständigen Ausdrucks in der Fremdsprache Deutsch bei, fördere bei den Studierenden darüber hinaus aber auch gerade die Kompetenzen, die sowohl in ihrem weiteren Studium als auch in ihrem zukünftigen Beruf (als Lehrer, Lehrbuchautoren, Entwickler und Begutachter von Curricula) von ihnen erwartet werden.

Treichel stellt dar, wie Interaktionanalysen fremdsprachlichen Unterrichts zur Professionalisierung und zur Herstellung von reflexiver Praxis bei Lehramtsstudierenden beitragen können. Sie argumentiert, dass soziolinguistische und konversationsanalytische Verfahren junge LehrerInnen dabei unterstützen, eine Beurteilungskompetenz im Hinblick auf eigenen und beobachteten Unterricht aufzubauen. Diese Kompetenz müsse fachwissenschaftlich und fachdidaktisch informiert sowie methodisch kontrolliert sein und pädagogische, psychologische und sozialwissenschaftliche Konzepte einbeziehen. Die Autorin versteht eine solche aus der Angewandten Linguistik abgeleitete Kompetenz als Teil professioneller Handlungskompetenzen von FremdsprachenlehrerInnen.

Der Beitrag von Dewitz und Wagner demonstriert, wie Themen der Angewandten Linguistik mit Hilfe des Forschenden Lernens in der universitären Lehre aufgegriffen und vermittelt werden können. Anhand von zwei Beispielen illustrieren die Autorinnen mögliche Konzeptionen und Lernziele und machen deutlich, wie vielfältig die Gestaltungsmöglichkeiten Forschenden Lernens in der universitären Lehre sind. Insbesondere vor dem Hintergrund zunehmender sprachlicher Heterogenität in Klassenzimmern und der Umstellung des Studiums auf Kompetenzvermittlung stelle das Forschende Lernen eine sinnvolle Bereicherung des Lehramtsstudiums dar. Es eigne sich in besonderer Weise, die Komplexität von Schlüsselqualifikationen aufzunehmen sowie die geforderten Kompetenzen auszubilden und zu trainieren.

Callies plädiert für eine stärkere Berücksichtigung korpuslinguistischer Inhalte und Methoden bei der Ausbildung von FremdsprachenlehrerInnen. Das erhebliche Potential, das die Korpuslinguistik für das Lehren und Lernen von Fremdsprachen biete, werde bisher nur in sehr geringem Maße genutzt. Grundlegend für die Verwendung von Korpora im fremdsprachlichen Unterricht sei die sogenannte „corpus literacy“ („Korpus-Kompetenz“), ein Bündel unterschiedlicher Fertigkeiten, die Korpora und korpuslinguistische Methoden für den Fremdsprachenunterricht erschließen. Am Beispiel der ← 13 | 14 → Konzeption einer zweistündigen Seminarsitzung zum Thema Reporting Verbs zeigt der Verfasser auf, wie die Schulung von Korpus-Kompetenz in die universitäre Ausbildung von FremdsprachenlehrerInnen integriert werden kann.

Literatur

Bredel, Ursula / Schmellentin, Claudia (Hrsg.), 2015: Welche Grammatik braucht der Grammatikunterricht? Schneider: Baltmannsweiler.

Bürgel, Christoph / Siepmann, Dirk (Hrsg.), 2014: Sprachwissenschaft und Fremdsprachenunterricht. Spracherwerb und Sprachkompetenzen im Fokus. Schneider: Baltmannsweiler.

Köpcke, Klaus-Michael / Ziegler, Arne (Hrsg.), 2013: Schulgrammatik und Sprachunterricht im Wandel. DeGruyter: Berlin / Boston. ← 14 | 15 →

Angewandte Linguistik in der Schule

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Simon Falk, Philipps-Universität Marburg David Gerlach, Philipps-Universität Marburg

“We don’t need no education” Die Fremdsprachenlehrerbildung im Spannungsfeld von Lernerautonomie und technologischem Fortschritt

Abstract

The ever-evolving media environment of the 21st century and its impact on the media use behaviour of young learners inevitably lead to an instructional and methodological reconsideration of media use in education. In the present article, the authors shed light on the interdisciplinary, multi-faceted interaction between foreign language teacher training, learner autonomy, and technological development. To this end, they discuss the extent to which the role of the teacher changes, given altered teaching and learning environments, as well as the concept and demands of learner autonomy that is called for by foreign language teaching research. The article aims to give recommendations for foreign language teacher training/teacher development connecting media competencies, linguistic knowledge, and holistic approaches towards implementing reflective practice in this putatively conflictive field of learner autonomy, technological progress, and instructional design.

Die rasante Entwicklung digitaler Medien in den letzten Jahren – und hier insbesondere von mobilen Endgeräten – hat nicht nur zu einer veränderten Kommunikationskultur, sondern auch zu vielfältigen neuen Formen des Wissenserwerbs geführt. Einen für den Bildungsbereich bedeutenden Anteil nimmt dabei die Möglichkeit ein, zeitlich und räumlich flexibel, mithilfe multimodaler Anwendungen im Gegensatz zu schulischem Fremdsprachenunterricht vergleichsweise autonom Sprachen zu lernen. Sprachlernapps wie Duolingo, Babbel und viele mehr ermöglichen beispielsweise die Nutzung innovativer, variantenreicher Lernformen sowie die Anpassung an den individuellen Lernfortschritt.

Virtuelle Lernräume gewinnen so zunehmend an Bedeutung und scheinen den einzelnen Nutzerinnen und Nutzern Eigenverantwortlichkeit für ihr Lernen in vollem Maße zu übertragen. Im Rahmen des Beitrags soll daher zunächst auf die veränderten Möglichkeiten der Einbindung und Nutzung ← 17 | 18 → von Lehr- und Lernräumen eingegangen werden, um dann das fremdsprachendidaktische Prinzip der Lernerautonomie näher zu betrachten. Gegenstand des Beitrags ist anschließend insbesondere die Frage, inwiefern sich durch die technologischen Entwicklungen, durch die erweiterten Lehr-/Lernräume und die fremdsprachendidaktisch forcierte Lernerautonomie die Rolle der Fremdsprachenlehrkraft verändert (hat) oder (noch) verändern muss. Der These der veränderten Rolle der Lehrkraft folgend werden Lösungsmöglichkeiten diskutiert, wie in der Lehreraus- und -fortbildung Medien- und Fremdsprachendidaktik sowie Linguistik innerhalb der Grenzen des Konzepts der Lernerautonomie verknüpft werden können.

Biographische Angaben

Rolf Kreyer (Band-Herausgeber:in) Steffen Schaub (Band-Herausgeber:in) Barbara Ann Güldenring (Band-Herausgeber:in)

Rolf Kreyer ist Professor für Sprachwissenschaft des modernen Englisch an der Philipps-Universität Marburg. Steffen Schaub ist Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Barbara Ann Güldenring ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Philipps-Universität Marburg.

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Titel: Angewandte Linguistik in Schule und Hochschule