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Der Übergang zur Elternschaft mit oder ohne Trauschein

Elterliche Lebensform und partnerschaftliche Arbeitsteilung zwischen Geschlechterkultur, Geschlechterstruktur und geschlechtsbezogenem Handeln

von Karin Holzer (Autor:in)
Dissertation 413 Seiten

Zusammenfassung

Die Autorin untersucht den Traditionalisierungseffekt bei verheirateten und unverheirateten Paaren. Anders als in der bisherigen wissenschaftlichen Forschung sieht sie die Gründe für diesen in der Institution Familie. Erkenntnisse der Familiensoziologie und der Frauen- und Geschlechterforschung miteinander vereinend, formuliert sie die Entwicklung eines integrativen Forschungsansatzes als Forschungsziel und setzt dieses methodisch mithilfe einer subjekt- und paarorientierten Übergangsforschung um.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Danksagung
  • Inhaltsverzeichnis
  • 1. Einleitung
  • 1.1 Problemstellung, zentrale Annahme und handlungsleitende Fragestellungen der vorliegenden Arbeit
  • 1.2 Zentrales Ziel der vorliegenden Arbeit
  • 1.3 Aufbau der vorliegenden Arbeit
  • 2. Der Übergang zur Elternschaft als Forschungsgegenstand
  • 2.1 Zum Verhältnis von Familiensoziologie und Frauen- und Geschlechterforschung
  • 2.2 Begriffsdefinitionen
  • 2.2.1 Zu den Begriffen „Familie“ und „Elternschaft“
  • 2.2.2 Zum Begriff „Übergang zur Elternschaft“
  • 2.2.3 Zum Begriff Geschlechterverhältnis: gesellschaftliches und privates Geschlechterverhältnis
  • 2.2.4 Zum Begriff „Traditionalisierungseffekt“ beim Übergang zur Elternschaft
  • 2.3 Der Traditionalisierungseffekt beim Übergang zur Elternschaft als zentrales Kernthema
  • 2.3.1 Empirische Ergebnisse zum Traditionalisierungseffekt
  • 2.3.1.1 Veränderung der Erwerbsbeteiligung von Frauen und Männern
  • 2.3.1.2 Partnerschaftliche Aufteilung der häuslichen und elterlichen Aufgaben
  • 2.3.1.3 Partnerschaftliche Arbeitsteilung bei verheirateten und unverheirateten Paaren im Vergleich
  • 2.3.2 Erklärungsversuche zum Traditionalisierungseffekt und deren Beitrag und Grenzen für die vorliegende Arbeit
  • 2.3.2.1 Familiensoziologische Ansätze
  • 2.3.2.2 Feministische Ansätze
  • 2.4 Implikationen für das weitere Vorgehen
  • 3. Familiensoziologie: Die makroanalytische Erforschung von Familie und Übergang zur Elternschaft
  • 3.1 Aufgaben und Funktionen der Familie
  • 3.2 Übergang zur Elternschaft und sozialer Wandel der Familienstrukturen
  • 3.3 Die „Pluralisierung und Individualisierung elterlicher Lebensformen“ – Verheiratete und unverheiratete Paare mit Kindern im Vergleich
  • 3.3.1 Verheiratete Paare mit Kindern
  • 3.3.1.1 Historische Entwicklung der Ehe
  • 3.3.1.2 Deinstitutionalisierungsprozesse von Ehe und Elternschaft
  • 3.3.1.3 Wahl der elterlichen Lebensform: die verheiratete Partnerschaft
  • 3.3.1.4 Zum Zusammenhang zwischen verheirateter Partnerschaft und partnerschaftlicher Arbeitsteilung
  • 3.3.2 Unverheiratete Paare mit Kindern
  • 3.3.2.1 Begriff und historische Entwicklung der nichtehelichen Lebensgemeinschaften
  • 3.3.2.2 Differenzierung nichtehelicher Lebensgemeinschaften
  • 3.3.2.3 Wahl der elterlichen Lebensform: die unverheiratete Partnerschaft
  • 3.3.2.4 Zum Zusammenhang von unverheirateter Elternschaft und partnerschaftlicher Arbeitsteilung
  • 3.4 Beitrag und Grenzen der Theorien zum sozialen Wandel der Familie
  • 4. Frauen- und Geschlechterforschung: Die makroanalytische Erforschung von Familie und Übergang zur Elternschaft
  • 4.1 Widersprüche im gesellschaftlichen Geschlechterverhältnis: Der theoretische Ansatz von Pfau-Effinger
  • 4.1.1 Theoretische Grundlagen für die Analyse von Wandlungsprozessen und Kontinuitäten im Geschlechterverhältnis beim Übergang zur Elternschaft: Geschlechterkultur, Geschlechterstruktur und geschlechtsbezogenes Handeln von gesellschaftlichen Akteuren
  • 4.1.1.1 Geschlechterkultur
  • 4.1.1.2 Geschlechterstruktur (gesellschaftliches Geschlechterverhältnis)
  • 4.1.1.3 Geschlechtsbezogenes Handeln von Individuen im privat-familialen Kontext (privates Geschlechterverhältnis)
  • 4.1.1.4 Soziale Wandlungsprozesse: Ungleichzeitigkeiten zwischen dominierender gesellschaftlicher Geschlechterkultur und geschlechterkulturellen Leitbildern von Individuen und Paaren
  • 4.1.2 Zusammenfassung der theoretischen Überlegungen
  • 4.1.3 Übergang zur Elternschaft vor dem Hintergrund widersprüchlicher Entwicklungen im gesellschaftlichen Geschlechterverhältnis
  • 4.1.3.1 Historische Entstehung und inhaltliche Konkretisierung des gesellschaftlichen Geschlechterverhältnisses: Geschlechterkultur, Geschlechterstruktur und (geschlechtsbezogenes) Handeln von Individuen
  • 4.1.3.2 „Entfamilialisierung der Frauen“ und zögerliche Modernisierung der Geschlechterstruktur
  • 4.2 Lebenslauftheoretische Widersprüche im gesellschaftlichen Geschlechterverhältnis: Der Institutionenansatz von Helga Krüger
  • 4.2.1 Theoretische Grundlagen: Die Institutionalisierung des Lebenslaufs vor und mit der Familiengründung
  • 4.2.1.1 Theoretischer Ausgangspunkt
  • 4.2.1.2 Die Institutionalisierung des Lebenslaufs vor und mit der Familiengründung
  • 4.2.1.3 Veränderte elterliche Lebensformen versus starre Politik des Wohlfahrtsstaates
  • 4.2.1.4 Verändertes Bildungs- und Berufswahlverhalten von Frauen versus geschlechterdifferentes Bildungs- und Berufsbildungssystem
  • 4.2.1.5 Verändertes Berufsverhalten von Frauen versus starrer Arbeitsmarkt
  • 4.2.2 Zusammenfassung der theoretischen Überlegungen
  • 5. Familie und Familiengründung als Mediatoren zwischen dem gesellschaftlichen und dem privaten Geschlechterverhältnis
  • 5.1 Familie und Familiengründung als gemeinsame Anknüpfungspunkte von Familiensoziologie und Frauen- und Geschlechterforschung
  • 5.2 Biographische Ressourcenausstattung durch die Herkunftsfamilie
  • 5.2.1 Herkunftsfamilie als gesellschaftliches Teilsystem der (Geschlechter-)Struktur: Biologische Reproduktion im Spannungsfeld veränderter Familienformen versus kindorientierter Ehegründung
  • 5.2.2 Herkunftsfamilie als soziale Institution: Sozialisation und soziale Reproduktion im Spannungsfeld von Gleichheit und Ungleichheit in der immateriellen Ressourcenausstattung
  • 5.2.2.1 Eltern-Kind-Beziehung: Gleiche versus geschlechtsspezifische Wertevermittlung und Erziehung
  • 5.2.2.2 Eltern-Beziehung: Gleichberechtigte versus geschlechtshierarchische Partnerschaft
  • 5.3 Prokreationsfamilie: Biographische Ressourcenverwertung in der (elterlichen) Paarbeziehung
  • 5.3.1 Prokreationsfamilie als gesellschaftliches Teilsystem: Elterliche Paarbeziehung im Spannungsfeld von Eigendynamik und gesellschaftlicher Prägung
  • 5.3.2 Prokreationsfamilie als soziale Institution: Paarbeziehungen im Spannungsfeld von (geschlechter-)kulturellen Leitbildern von Gleichheit und Ungleichheit
  • 5.3.3 Wirklichkeitskonstruktion in Paarbeziehungen
  • 5.3.4 Zusammenfassung der theoretischen Überlegungen
  • 5.4 Implikationen für das weitere Vorgehen
  • 6. Integration von Familiensoziologie und Frauen- und Geschlechterforschung: Übergang zur Elternschaft aus einer lebenslauf- bzw. biographietheoretischen Perspektive des Individuums und des Paares
  • 6.1 Von der soziologischen Lebenslaufforschung zur familiensoziologischen Analyse des Statusübergangs zur Elternschaft
  • 6.1.1 Grundbegriffe und Merkmale des Lebenslaufkonzepts
  • 6.1.1.1 Zum Begriff „Lebenslauf“
  • 6.1.1.2 Grundlegende Merkmale des Lebenslaufkonzepts
  • 6.1.2 Beitrag und Grenzen der Lebenslaufforschung
  • 6.1.3 Übergangsforschung als Teilgebiet der Lebenslaufforschung
  • 6.1.3.1 Inhaltliche Abgrenzung der Begriffe „Lebenslauf“ und „Übergang“
  • 6.1.3.2 Gegenstand der Übergangsforschung
  • 6.1.4 Theoretische und methodische Implikationen der Übergangsforschung zur familiensoziologischen Analyse des Traditionalisierungseffektes beim Übergang zur Elternschaft
  • 6.1.4.1 Zu den Begriffen „Statusübergang“ und „Statuspassage“
  • 6.1.4.2 Der Statusübergang zur Elternschaft als Teil des Familienverlaufs im Lebenslauf von Individuen und Paaren
  • 6.1.4.3 Der Statusübergang zur Elternschaft als Mikro-Makro-Link zwischen Struktur, Kultur und individuellem und paarbezogenem Handeln
  • 6.1.4.4 Eckpunkte eines familiensoziologischen Analyserahmens für den Statusübergang zur Elternschaft
  • 6.2 Von der soziologischen Biographieforschung zur gendersensiblen Biographieforschung
  • 6.2.1 Grundbegriffe und Merkmale des (gendersensiblen) Biographiekonzepts
  • 6.2.1.1 Zu den Begriffen „Biographie“, „biographisches Handeln“ und „biographische Kompetenz“
  • 6.2.1.2 Grundlegende Merkmale des gendersensiblen Biographiekonzeptes
  • 6.2.2 Beitrag und Grenzen der gendersensiblen Biographieforschung
  • 6.2.3 Biographieforschung als rekonstruktiver Zugang zu Geschlecht
  • 6.2.4 Theoretische Implikationen der gendersensiblen Biographieforschung zur Analyse des Traditionalisierungseffektes beim Übergang zur Elternschaft
  • 6.3 Zusammenführung beider Perspektiven in einem integrativen Forschungsansatz: subjekt- und paarorientierte Übergangsforschung als Theorie und Methode zur Analyse des Traditonalisierungseffektes bei der Familiengründung
  • 6.3.1 Zusammenführung von familiensoziologischer Übergangsforschung und gendersensibler Biographieforschung zur Analyse des Traditonalisierungseffektes bei der Familiengründung
  • 6.3.2 Eckpunkte einer subjekt- und paarorientierten Übergangsforschung
  • 6.4 Formulierung der Variablen, zentralen Forschungsfragen und Unterfragen
  • 7. Qualitative Studie
  • 7.1 Forschungsdesign
  • 7.2 Stichprobe und Sampling
  • 7.3 Messinstrumente
  • 7.3.1 Biographisch-narrative Einzel- und Paarinterviews mit halbstandardisiertem Nachfrageteil
  • 7.3.1.1 Biographisch-narrative Einzel- und Paarinterviews
  • 7.3.1.2 Leitfäden für Einzel- und Paarinterviews
  • 7.3.1.3 Kombination von Einzel- und Paarinterviews: Begründung und Analysestrategie
  • 7.3.2 Fragebogen und Interviewerprotokoll
  • 7.3.3 Durchführung der Untersuchung
  • 7.3.3.1 Vorbereitung und Durchführung der Interviews
  • 7.3.3.2 Aufbereitung der Interviews
  • 7.3.3.3 Auswertungsmethoden
  • 8. Ergebnisse
  • 8.1 Das verheiratete Elternpaar Britta und Carsten Neumeier
  • 8.1.1 Einzelbiographie von Britta Neumeier
  • 8.1.1.1 Herkunft, schulische, ausbildungsbezogene, berufliche Laufbahn
  • 8.1.1.2 Biographische Ressourcenausstattung in der Herkunftsfamilie
  • 8.1.2 Einzelbiographie von Carsten Neumeier
  • 8.1.2.1 Herkunft, schulische, ausbildungsbezogene, berufliche Laufbahn
  • 8.1.2.2 Biographische Ressourcenausstattung in der Herkunftsfamilie
  • 8.1.3 Kontextualisierung der Daten entlang des theoretischen Forschungsansatzes einer subjekt- und paarorientierten Übergangsforschung
  • 8.1.4 Fallstrukturhypothesen über die erwartete Ausgestaltung der Elternschaft
  • 8.1.5 Paarbiographie von Britta und Carsten Neumeier
  • 8.1.5.1 Aufbauphase der Paarbeziehung
  • 8.1.5.2 (Übergang zur) Bestandsphase der Paarbeziehung
  • 8.1.5.3 Damalige privat-familiale und berufsbezogene Zukunftsplanung und -wünsche angesichts bevorstehender Geburt
  • 8.1.5.4 Ausgestaltung der Elternschaft nach der Familiengründung
  • 8.1.5.5 Aktuell privat-familiale und berufliche Situation
  • 8.1.5.6 (Geschlechter-)Kulturelle Wertvorstellungen von Britta und Carsten Neumeier
  • 8.1.6 Überprüfung der Fallstrukturhypothesen
  • 8.2 Das unverheiratete Elternpaar Delia Harenberger und Thomas Müller
  • 8.2.1 Einzelbiographie von Delia Harenberger
  • 8.2.1.1 Herkunft, schulische, ausbildungsbezogene, berufliche Laufbahn
  • 8.2.1.2 Biographische Ressourcenausstattung in der Herkunftsfamilie
  • 8.2.2 Einzelbiographie von Thomas Müller
  • 8.2.2.1 Herkunft, schulische, ausbildungsbezogene, berufliche Laufbahn
  • 8.2.2.2 Biographische Ressourcenausstattung in der Herkunftsfamilie
  • 8.2.3 Kontextualisierung der Daten entlang des theoretischen Forschungsansatzes einer subjekt- und paarorientierten Übergangsforschung
  • 8.2.4 Fallstrukturhypothesen über die erwartete Ausgestaltung der Elternschaft
  • 8.2.5 Paarbiographie von Delia Harenberger und Thomas Müller
  • 8.2.5.1 Aufbauphase der Paarbeziehung
  • 8.2.5.2 (Übergang zur) Bestandphase der Paarbeziehung
  • 8.2.5.3 Damalige privat-familiale und berufsbezogene Zukunftsplanung und -wünsche angesichts bevorstehender Geburt
  • 8.2.5.4 Ausgestaltung der Elternschaft nach der Familiengründung
  • 8.2.5.5 Aktuell privat-familiale und berufliche Situation
  • 8.2.5.6 (Geschlechter-)kulturelle Wertvorstellungen von Delia Harenberger und Thomas Müller
  • 8.2.6 Überprüfung der Fallstrukturhypothesen
  • 8.3 Fallkontrastierung entlang des theoretischen Ansatzes einer subjekt- und paarorientierten Übergangsforschung
  • 8.3.1 Fallkontrastierung der weiblichen und männlichen Einzelbiographien
  • 8.3.1.1 Einzelbiographien von Britta Neumeier und Delia Harenberger
  • 8.3.1.2 Einzelbiographien von Carsten Neumeier und Thomas Müller
  • 8.3.1.3 Geschlechtstypik der weiblichen und männlichen Einzelbiographien im Vergleich
  • 8.3.2 Fallkontrastierung der Paarbiographien
  • 8.3.2.1 Aufbauphase der Paarbeziehung
  • 8.3.2.2 (Übergang zur) Bestandsphase der Paarbeziehung
  • 8.3.2.3 Damalige privat-familiale und berufsbezogene Planung und -wünsche angesichts bevorstehender Geburt
  • 8.3.2.4 Ausgestaltung der Elternschaft nach dem Übergangsgeschehen
  • 8.3.2.5 Aktuell privat-familiale und berufliche Situation
  • 8.3.3 Zusammenfassung der Ergebnisse, Formulierung von allgemeingültigen Annahmen
  • 8.3.3.1 Geschlechtstypische und lebensformabhängige Analyse der Einzelbiographien
  • 8.3.3.2 Biographische Ressourcenverwertung im Rahmen der Wirklichkeitskonstruktionen und Handlungspraxen des Paares entlang der Paarbiographien
  • 8.4 Zusammenfassung der Ergebnisse – Beantwortung der Forschungsfragen
  • 8.5 Diskussion der Ergebnisse
  • 9. Anhang
  • 10. Abbildungsverzeichnis
  • 11. Tabellenverzeichnis
  • 12. Literaturverzeichnis
  • 13. Zusammenfassung

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1. Einleitung

1.1 Problemstellung, zentrale Annahme und handlungsleitende Fragestellungen der vorliegenden Arbeit

Ungebrochen scheint in Deutschland auch heute noch der Wunsch von jungen Frauen und Männern nach einer Familie mit Kindern zu sein. Dennoch: das alte Sprichwort „Kinderregen bringt Glück und Segen“ hat offensichtlich für viele junge Menschen in Deutschland als Orientierungsrahmen für den eigenen Lebenslauf an Verbindlichkeit verloren. So bedeutet die Elternschaft doch eine längerfristige und irreversible biographische Entscheidung, die mit anderen, nicht kindzentrierten Lebensstilen und Plänen in Beruf, Freizeit und Konsum konkurriert (vgl. Peuckert, 2007; Schneider & Rost, 1998). Darüber hinaus tragen starre Arbeitsmarktstrukturen, wie etwa unflexible Arbeitszeiten, andauernd fehlende (innerbetriebliche) Kinderbetreuungseinrichtungen, aber auch die Forderung nach einer möglichst unbeschränkten Mobilität der Arbeitnehmer dazu bei, dass sich immer mehr qualifizierte Frauen gegen eine Familiengründung entscheiden oder diese über die biologischen Grenzen hinauszögern (vgl. Onnen, 2013).

Trotz vieler Hinderungsgründe, die mit einer Familiengründung verbunden sein mögen, entscheiden sich dennoch jedes Jahr eine Vielzahl von Frauen und Männern zur Elternschaft, werden doch mit Kindern zahlreiche positive Aspekte wie Glück, Erfüllung und partnerschaftliche Harmonie verbunden (vgl. Fthenakis, Kalicki & Peitz, 2002). Dass jedoch das freudige Ereignis, die Geburt – insbesondere des ersten Kindes – auch Risiken birgt, zeigt die umfassende familienpsychologische und -soziologische Forschung zum Themenkomplex „Übergang zur Elternschaft“. Eingehend dokumentiert wurden hier insbesondere die Auswirkungen der Elternschaft auf die soziale Lage als auch auf die psychische Befindlichkeit der Eltern, deren Bewältigung wiederum in Zusammenhang mit verschiedenen sozialen, individuellen und partnerschaftlichen Faktoren steht (vgl. Fthenakis et al., 2002; Rost & Schneider, 1995; vgl. zusammenfassend Gloger-Tippelt, 1988). Konsens aller Untersuchungen ist dabei die Tatsache, dass es die Frauen sind, die mit der Geburt des ersten Kindes in den meisten Fällen eine tiefgreifende Umgestaltung ihrer ← 17 | 18 → Lebenszusammenhänge und eine weitreichende Umstellung ihrer Lebenssituation erfahren, die sich in einer Stabilisierung traditionell-komplementärer Geschlechtsrollen manifestiert (vgl. Rost & Schneider, 1995). Insbesondere zeigt sich, dass es die Frauen sind, die als Adressaten gestiegener Anforderungen an eine gute Erziehung gelten. Diese „Semiprofessionalisierung der Mutterarbeit“ (Pasquale, 2003, S. 1) stellt, zusammen mit den Veränderungen in der Arbeits- und Berufswelt sowie den erhöhten Ansprüchen an das kulturelle und das Freizeitinteresse, insbesondere erwerbstätige Mütter vor kaum erfüllbare Herausforderungen, die nicht selten in einen ständigen Rollenkonflikt münden (vgl. Onnen, 2008; 2012). Spätestens mit dem Übergang zur Elternschaft erleben somit diejenigen Frauen, die vor der Familiengründung einen „Traditionalisierungseffekt“ (Reichle, 1996, S. 70) bzw. eine „Traditionalisierung arbeitsteiliger Arrangements“ (Grunow, 2013, S. 392) befürchtet hatten, dass sie mit dem Übergang zur Elternschaft in die „Gleichberechtigungsfalle“ (Fthenakis & Kalicki, 2000, S. 161) getappt sind.

Ein interessantes Ergebnis familienwissenschaftlicher Forschung stellt dabei die Beobachtung dar, dass sich die Traditionalisierung der Geschlechtsrollen bei der Familiengründung bei verheirateten und unverheirateten Paaren unterscheidet: Demnach erleben unverheiratete Paare eine geringere Traditionalisierung der partnerschaftlichen Arbeitsteilung als dies verheiratete Paare beim Übergang zur Elternschaft tun (vgl. z.B. Wengler, Trappe & Schmitt, 2008).

Unklar hingegen bleiben laut Fthenakis et al. (2002) die Gründe, warum die Familiengründung trotz weit verbreiteter egalitärer Rollenauffassungen und zahlreicher Gleichstellungsbemühungen der Geschlechter vor allem bei Ehepaaren im Vergleich zu nichtverheirateten Paaren nach wie vor zur Wiederholung des traditionellen Rollenmusters führt, müssten doch nach Peuckert (2007) eigentlich heutzutage verstärkt die Vorstellungen zweier selbstständiger Individuen – von beiden Elternteilen – mit jeweils eigenen Lebensplänen koordiniert werden, was neue Arrangements im Hinblick auf die Beziehungsform, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sowie die innerfamiliale Gestaltung und Aufgabenteilung in der Partnerschaft erfordere (ebd.).

Insbesondere in der Familiensoziologie, deren zentraler Gegenstand die mehrperspektivische Analyse der Familie auf der gesellschaftlichen Makroebene, der familialen Beziehungsebene oder der lebenslauftheoretischen ← 18 | 19 → Mikroebene des Individuums (vgl. Huinink & Konietzka, 2007) und des Paares darstellt, wurden bereits verschiedene theoretische Erklärungsansätze und Konzepte hinsichtlich der Auswirkungen von Elternschaft, insbesondere der ungleichen Verteilung von Haus- und Familienarbeiten zwischen den Geschlechtern diskutiert (vgl. z.B. Schulz & Blossfeld, 2010). Insbesondere die beziehungstheoretische Analyse der partnerschaftlichen Arbeitsteilung zwischen den Partnern brachte jedoch lediglich eine Vielzahl von Begründungen für einzelne Phänomene und Sachverhalte hervor, die sich meist auf Interaktionen im Paarbeziehungskontext beschränken, ohne jedoch die sozialwissenschaftliche Mehrperspektivität der Familie zu berücksichtigen. In diesem Sinne wurde auch dem Tatbestand wenig Aufmerksamkeit geschenkt, wie die auf der Makroebene zu beobachtende „Pluralisierung und Individualisierung [elterlicher] Lebensformen“ (Peuckert, 2007, S. 40) in Zusammenhang mit kulturellen und strukturellen Rahmenbedingungen in der Gesellschaft steht und wie diese vor dem Hintergrund der Ausgestaltung der partnerschaftlichen Arbeitsteilung bei der Familiengründung zu beurteilen ist.

Darüber hinaus kaum in den Fokus rückte aber ebenso der Umstand, dass Traditionalisierungseffekte, die mit der Familiengründung auftreten, auch und gerade als Ausdruck von privaten Geschlechtshierarchien innerhalb des Paarbeziehungskontextes zwischen Müttern und Vätern aufgefasst, sondern insbesondere auch vor dem Hintergrund des Zusammenspiels von geschlechterkulturellen und -strukturellen Gegebenheiten sowie dem Handeln von (werdenden) Eltern (vgl. Pfau-Effinger, 2000) untersucht werden müssen. Dieses Wechselverhältnis als zentrales Charakteristikum des privaten und des gesellschaftlichen Geschlechterverhältnisses sind sowohl hinsichtlich der handlungstheoretischen Ebene von Paaren, als auch als wichtige Rahmenbedingungen für die Analyse der partnerschaftlichen Arbeitsteilung bisher kaum einbezogen worden.

Jedoch auch die Frauen- und Geschlechterforschung, die die Kategorie Geschlecht bzw. das Geschlechterverhältnis in den letzten Jahren in verschiedenen Bereichen und Zusammenhängen sowohl aus einer gesellschaftlichen Makro- als auch einer interaktiven Mikroperspektive des „doing gender“ (vgl. West & Zimmerman, 1987) untersuchte, erkannte zwar verstärkt die Brisanz von „Geschlechteraspekte[n] im Kontext von Familie“ (vgl. Rendtorff, 2007), führte jedoch keine konsequente mehrperspektivische Betrachtung der Familie, geschweige denn eine Analyse von Geschlechterverhältnissen ← 19 | 20 → bei der „Familien-Gründung“ durch. Dass der Traditionalisierungseffekt beim Übergang zur Elternschaft aber gerade als der „Knackpunkt“ in der Paarbiographie aufgefasst und vor dem Hintergrund der von vielen Autoren konstatierten „Kontinuitäten und Brüche im Geschlechterverhältnis“ (vgl. z.B. Pfau-Effinger, 2000; Jurczyk, 2008) aufgefasst werden muss, stellt ein wichtiges Forschungsdesiderat in der gendersensiblen Analyse von Familie und Familiengründung dar.

Diese zum Teil einseitigen Entwicklungen in Familiensoziologie und Frauen- und Geschlechterforschung mögen unter anderem daran liegen, dass beide Disziplinen, zumindest in Deutschland, nur wenige Berührungspunkte haben (vgl. Burkart, 2008). Dementsprechend wurden nicht nur die theoretischen Diskussionen der Frauen- und Geschlechterforschung in der Familiensoziologie nur am Rande rezipiert (ebd.), sondern auch die gendersensible Forschung berücksichtigte lange Zeit nur unzureichend, dass nach Rendtorff (2007, S. 94) die Tatsache des Geschlechts bzw. des Geschlechterverhältnisses „wie in allen sozialen, kulturellen und politischen Zusammenhängen“ ebenso für das „Verständnis von Familie“ eine wichtige Rolle spielt (ebd.).

Geschlechterverhältnisse oder genauer: Traditionalisierungseffekte beim Übergang zur Elternschaft zu erforschen bedeutet jedoch, die zentralen Dimensionen beider Disziplinen, sowohl die Familie, als auch die Kategorie Geschlecht bzw. das Geschlechterverhältnis nicht nur unverbunden in den Mittelpunkt wissenschaftlicher Analyse zu stellen: Vielmehr geht es darum, diese in einem theoretischen Zusammenhang vor dem Hintergrund des Wechselspiels von Kultur, Struktur und dem Handeln (werdender) Eltern im Rahmen eines integrativen Ansatzes zu konzeptualisieren.

Einen Dreh- und Angelpunkt bei der Vermittlung von Gesellschaft und Privatheit scheint dabei sowohl in der Familiensoziologie, als auch in der Frauen- und Geschlechterforschung der Familie zuzukommen, da diese in Verdacht steht, eine entscheidende Rolle bei der Vermittlung des privaten und gesellschaftlichen Geschlechterverhältnisses zuzukommen.

Die Familie, so lautet die Grundannahme dieser Arbeit, wird im Folgenden daher als zentraler Mediator zwischen dem privaten und dem gesellschaftlichen Geschlechterverhältnis verstanden.

Aus dem Forschungsdesiderat, auf der Grundlage einer mehrperspektivischen Sichtweise auf die Familie, aber auch auf das Geschlechterverhältnis sowie dem Zusammenwirken beider Ebenen, private Geschlechtshierarchien ← 20 | 21 → bei verheirateten und unverheirateten Paaren beim Übergang zur Elternschaft erklären zu können, lassen sich daher folgende handlungsleitende Fragestellungen für die vorliegende Arbeit formulieren:

Wie lassen sich (ungleiche) Geschlechterverhältnisse bei verheirateten und unverheirateten Paaren, die beim Übergang zur Elternschaft meist an einer Traditionalisierung der häuslichen Arbeitsteilung zwischen Frauen und Männern deutlich werden, anhand einer mehrperspektivischen Sichtweise auf die Familie bzw. auf das Geschlechterverhältnis erklären?

Welche Rolle kommt dabei dem Zusammenspiel von Kultur, Struktur und dem Handeln sowohl für die Wahl der (elterlichen) Lebensform sowie die Ausgestaltung der partnerschaftlichen Arbeitsteilung zwischen den (werdenden) Eltern, als auch als Rahmenbedingung für den Übergang zur Elternschaft zu?

Welchen Beitrag leisten hier wissenschaftliche Erkenntnisse der Familiensoziologie und der Frauen- und Geschlechterforschung zur Konzeptualisierung eines integrativen theoretischen Ansatzes zur Erklärung des Traditionalisierungseffektes beim Übergang zur Elternschaft?

Aus diesen handlungsleitenden Fragestellungen leitet sich das zentrale Ziel der vorliegenden Arbeit ab.

1.2 Zentrales Ziel der vorliegenden Arbeit

Auf Grund der begrenzten Tragweite bisheriger theoretischer Konzepte zur Erklärung des „Traditionalisierungseffektes“ (vgl. Reichle, 1996) bei der Familiengründung und auf der Grundlage der Annahme, dass eine umfassendere theoretische und methodische Erforschung dieses Phänomens bei verheirateten und unverheirateten Paaren notwendig ist, wird in der vorliegenden Arbeit das zentrale Ziel verfolgt, einen integrativen Forschungsansatz zu entwickeln, der, wie in der Analyse des Übergangs zur Elternschaft bisher kaum vorgenommen, die wissenschaftlichen Erkenntnisse und Konzepte beider Wissenschaftsdisziplinen, sowohl der Familiensoziologie als auch der Frauen- und Geschlechterforschung mit dem Fokus miteinander vereint, Erklärungen für die in der wissenschaftlichen Literatur häufig nachgewiesenen (hierarchisch geprägten) Geschlechterverhältnisse bei verheirateten und unverheirateten Paaren beim Übergang zur Elternschaft zu finden. ← 21 | 22 →

Dabei lassen sich für den integrativen Forschungsansatzes folgende „inhaltliche Eckpunkte“ anhand der zentralen Zielbestimmung dieser Arbeit formulieren:

Den ersten theoretischen Eckpunkt stellt erstens die familienwissenschaftliche und gendersensible Analyse der Familie bzw. des Geschlechterverhältnisses dar, die das Verhalten von (werdenden) Eltern nicht nur vor dem Hintergrund einer „Pluralisierung und Individualisierung [elterlicher] Lebensformen“ (Peuckert, 2007, S. 40) bzw. einem „Wandel der Familienstrukturen“ (vgl. Nave-Herz, 2009), sondern insbesondere vor dem Hintergrund des Zusammenspiels von Kontinuitäten und Wandlungsprozessen einer sogenannten Geschlechterkultur, Geschlechterstruktur und dem (geschlechtsbezogenen) Handeln von Individuen und Gruppen (vgl. Pfau-Effinger, 2000) untersucht. Für die Entwicklung des integrativen Ansatzes ist dabei nicht nur entscheidend, dass und wie die Familie, sowohl als Herkunftsfamilie, als auch als sogenannte Prokreationsfamilie in kulturelle Gegebenheiten und gesellschaftliche Strukturen bzw. ebenso in das Geschlechterverhältnis eingebunden ist, sondern vor allem wie das (geschlechtsbezogene) Handeln von verheirateten und unverheirateten (werdenden) Eltern auf der Grundlage des Zusammenspiels von Geschlechterkultur und Geschlechterstruktur, nicht zuletzt über die Familie vermittelt, erklärt werden kann.

Wenngleich in der vorliegenden Arbeit für die theoretische Analyse dieses Zusammenspiels zunächst makroanalytische Ansätze aus der Familiensoziologie und der Frauen- und Geschlechterforschung herangezogen werden, wird mit der Entwicklung des integrativen Ansatzes zweitens eine Überwindung des Makro-Mikro-Dualismus in der Betrachtung von Geschlechterverhältnissen bei der Familiengründung angestrebt. Hierfür werden die makroanalytisch orientierten Ansätze quasi auf den Lebensverlauf von Individuen und Paaren „heruntergebrochen“: Während in der Familiensoziologie in den letzten Jahren eine Überwindung des Makro-Mikro-Dualismus verstärkt über eine lebenslauftheoretische bzw. an Übergängen orientierte Perspektive zu erreichen versucht wurde, in der das Handeln und die dahinter stehenden Motivstrukturen der Menschen im Mittelpunkt stehen, „die mit der Ablösung vom elterlichen Haushalt, der Aufnahme, Gestaltung und Auflösung von Paarbeziehungen sowie der Geburt eigener Kinder und ihrer Erziehung zu tun haben“ (Huinink, 2008, S. 36), wurde indes in der Frauen- und Geschlechterforschung mit der Biographieforschung ein theoretisches ← 22 | 23 → Konzept und eine Methode vorgeschlagen, in der nicht nur die Frage nach dem „Werden und Gewordensein geschlechtlich positionierter und identifizierter Subjekte“ (Dausien, 2006a, S. 17) gestellt, sondern ein theoretisches Konzept geliefert wurde, welches „strukturell auf der Schnittstelle von Subjektivität und gesellschaftlicher Objektivität, von Mikro- und Makroebene angesiedelt“ (Krüger & Marotzki, 1999, S. 8) ist.

Der besondere Beitrag der von beiden Forschungsdisziplinen vorgenommenen Orientierung am Lebenslauf bzw. an der Biographie von Individuen und Paaren ist für die vorliegende Arbeit darin zu sehen, dass hierdurch nicht nur eine gemeinsamer „Nenner“ beider Forschungsdisziplinen für die Analyse von „Geschlechteraspekte[n] im Kontext von Familie“ (Rendtorff, 2007, S. 94) erkannt wurde, sondern insbesondere hierdurch die Rückbindung an die Familie, aber auch die Einbindung menschlichen Handelns in geschlechterkulturelle und -strukturelle Gegebenheiten vermittelt über die Familie ermöglicht wird. Die am Lebenslauf bzw. an der Biographie orientierte Sichtweise auf Familie und Familiengründung wird daher für die vorliegende Arbeit als besonders anschlussfähig für die Analyse von Kontinuitäten und Wandlungsprozessen im Geschlechterverhältnis im Zusammenspiel von Kultur, Struktur und dem Handeln von Individuen und Paaren beim Übergang zur Elternschaft aufgefasst.

Zusammenfassend soll am Ende der vorliegenden Arbeit eine mögliche Antwort auf die Frage stehen, warum nach Fthenakis et al. (2002) alle Anstrengungen und Erfolge, die auf eine Gleichstellung der Geschlechter in verschiedenen Lebensbereichen zielen, davon bedroht sind, durch den Übergang zur Elternschaft zurückgeworfen zu werden.

1.3 Aufbau der vorliegenden Arbeit

Analog der in diesem Abschnitt (Kapitel 1) beschriebenen Argumentationskette lässt sich folgender Aufbau der vorliegenden Arbeit beschreiben:

Kapitel 2 befasst sich mit dem Übergang zur Elternschaft als Forschungsgegenstand. Nach einer Darstellung des „Verhältnisses“ von Familiensoziologie und Frauen- und Geschlechterforschung (Abschnitt 2.1), erfolgt eine Klärung der zentralen Begrifflichkeiten (Abschnitt 2.2). Als zentrales Kernthema der vorliegenden Arbeit wird sodann der nach Reichle (1996) benannte „Traditionaliserungseffekt“ beim Übergang zur Elternschaft als zentrales Kernthema ← 23 | 24 → in den Mittelpunkt der Analyse gerückt (Abschnitt 2.3). Eine Darstellung der Implikationen für das weitere Vorgehen stellt das Ende dieses Kapitels dar (Abschnitt 2.4).

Kapitel 3 setzt an der makroanalytischen Erforschung von Familie und Übergang zur Elternschaft an, so wie sie unter anderem in der Familiensoziologie vorgenommen wird. Dieses Kapitel bildet den ersten inhaltlichen Schwerpunkt der theoretischen Ausführungen, auf deren Grundlage die am Lebenslauf bzw. an der Biographie des Individuums orientierte Perspektive auf den Übergang zur Elternschaft abgeleitet wird.

Ausgehend von einer Darstellung der Aufgaben und Funktionen der Familie (Abschnitt 3.1), wird der Übergang zur Elternschaft vor dem Hintergrund sozialer Wandlungsprozesse der Familienstrukturen (Abschnitt 3.2) dargestellt und im Ergebnis an einer Pluralisierung und Individualisierung elterlicher Lebensformen (Abschnitt 3.3), am Vergleich der verheirateten (3.3.1) und der unverheirateten Paare mit Kindern (3.3.2), festgemacht. Das Kapitel schließt mit einem Überblick über den Beitrag und die Grenzen der wichtigsten Theorien zum sozialen Wandel der Familie ab (Abschnitt 3.4).

In Kapitel 4 folgt die makroanalytische gendersensible Erforschung von Familie und Übergang zur Elternschaft.

Aufbauend auf den familiensoziologischen Konzepten wird auf der Grundlage zweier theoretischer Ansätze aus der Frauen- und Geschlechterforschung das gesellschaftliche Geschlechterverhältnis als weitere Kontextbedingung in die theoretische Analyse des Übergangs zur Elternschaft mit einbezogen: Während sich mit dem makroanalytisch orientierten Ansatz von Pfau-Effinger (2000) die Widersprüche im gesellschaftlichen Geschlechterverhältnis vor dem Hintergrund des Zusammenspiels einer Geschlechterkultur, Geschlechterstruktur und dem (geschlechtsbezogenen) Handeln von Individuen und Gruppen veranschaulichen lassen (Abschnitt 4.1), verdeutlicht der am Lebenslauf orientierte Ansatz von Krüger (1995) noch stärker, welche Bedeutung insbesondere der Familie, sowohl der Herkunftsfamilie, als auch der sogenannten Prokreationsfamilie für die Erklärung widersprüchlicher Entwicklungen im Geschlechterverhältnis auch und gerade beim Übergang zur Elternschaft zukommt (Abschnitt 4.2).

Biographische Angaben

Karin Holzer (Autor:in)

Karin-Anna Holzer studierte Diplom-Pädagogik an der Universität Regensburg und wurde an der Universität Vechta promoviert. Sie arbeitet als Seminarleiterin/Qualifizierungstrainerin in der beruflichen Weiterbildung in Ingolstadt.

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Titel: Der Übergang zur Elternschaft mit oder ohne Trauschein