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Interkulturalität und Mehrsprachigkeit in den Schulen im Donauraum

von Viktoria Ilse (Band-Herausgeber:in) Indira Suresh (Band-Herausgeber:in) Marco Winkler (Band-Herausgeber:in)
©2016 Sammelband 169 Seiten

Zusammenfassung

Die Donauraumstrategie der Europäischen Union ist Grundlage für vielfältige Initiativen. Im Rahmen des Hochschulprojekts «Interkulturalität und Mehrsprachigkeit in den Schulen im Donauraum» sollten die Studierenden der beteiligten Hochschulen den Donauraum und dessen Wichtigkeit für die Europäische Union verstehen lernen. Dieser Band präsentiert Ergebnisse der Seminare «Medien und Minderheiten im Donauraum» und «Schulen und Minderheiten im Donauraum» sowie von Begegnungen mit Hochschulvertretern in Ostrava und Ludwigsburg. Die Beiträge gliedern sich zur wissenschaftlichen Aufarbeitung des Austauschs in die Themenbereiche Mehrsprachigkeit und Interkulturalität im Allgemeinen, Deutsch als Fremd- und Minderheitensprache im Donauraum und Minderheiten im Donauraum.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Grußwort
  • Einleitung
  • Inhaltsverzeichnis
  • Mehrsprachigkeit und Interkulturalität
  • Möglichkeiten und Grenzen einer Erziehung zur Mehrsprachigkeit
  • Der gleichzeitige Erwerb zweier Sprachen
  • Das Kinder- und Jugendtheater als Ort der interkulturellen Begegnung und Mehrsprachigkeit
  • Deutsch als Fremd- und Minderheitensprache im Donauraum
  • Interkulturalität und Mehrsprachigkeit an Schulen mit deutscher Unterrichtssprache in Rumänien: Wahrnehmungen und Ansichten
  • Der Kindergarten mit deutscher Abteilung in Rumänien
  • Meilensteine und ihre Folgen im Nationalitäten-Deutschunterricht in Ungarn
  • Minderheiten in Ungarn und die Ausbildung von Minderheitenpädagogen an der ELTE TÓK
  • Das „ungarn(deutsche)“ Schulwesen
  • Minderheiten im Donauraum
  • Die Rolle der Roma-Minderheit in der Tschechischen Republik
  • Entstehung und Konstruktion von Minderheiten in der Region Ostrava
  • Beiträge Studierender der Seminare „Begegnungsseminar Ludwigsburg- Ostrava“, „Schule und Minderheiten im Donauraum“ und „Medien und Minderheiten im Donauraum“
  • Deutschunterricht und Deutsch als Fremdsprache im Donauraum am Beispiel von Ungarn
  • Roma und ihr Bild in den deutschen Medien
  • Zwei Interviews über das Ankommen in Deutschland in den 60er Jahren
  • Von der Leitkultur zur Transkulturalität
  • Die Sendungen von Ungarndeutschen über Ungarndeutsche für Ungarndeutsche
  • Die Siebenbürger Sachsen und die Donauschwaben
  • Die Herausgeberinnen und Herausgeber
  • Die Autorinnen und Autoren

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Mehrsprachigkeit und Interkulturalität

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Karl-Heinz Aschenbrenner

Pädagogische Hochschule Ludwigsburg (Deutschland)

Möglichkeiten und Grenzen einer Erziehung zur Mehrsprachigkeit

Multilingualism plays a major part in the education of many children and young people both in the European Union as a whole and in individual member states like Germany and Romania. The article presents fundamental thoughts on the phenomenon of multilingualism and multilingual families in particular. It reflects on the significance of multilingualism in European public life and points out both the opportunities which multilingual education implies and the limitations it faces.

0. Einleitung

In einer Zeit, in der viele Menschen in Europa mehrsprachig leben, stellt sich die Frage, welche Rolle diese Tatsache für die Erziehung von Kindern und Jugendlichen spielt. Sollte diese Mehrsprachigkeit gefördert werden oder wirkt sie sich eher negativ auf das Leben und Lernen aus? Im vorliegenden Beitrag wird versucht, den Blick auf Möglichkeiten und Grenzen der Mehrsprachigkeit bzw. einer auf sie bezogenen Erziehung zu lenken.

Zunächst werden grundlegende Gedanken vorgestellt, die das Phänomen Mehrsprachigkeit betreffen. Im Anschluss daran wird ein Blick auf Familien geworfen, in denen mehrere Sprachen regelmäßig gesprochen werden. Die Bedeutung der Mehrsprachigkeit im öffentlichen Leben der Europäischen Union, in Deutschland bzw. in Rumänien steht dann im Mittelpunkt des Textes, der mit dem Versuch schließt, Möglichkeiten, Grenzen und Visionen einer entsprechenden Erziehung aufzuzeigen.

1. Aspekte der Mehrsprachigkeit

In diesem Beitrag werden Menschen als ‚mehrsprachig‘ gesehen und bezeichnet, wenn sie alltäglich mehrere Sprachen in der Kommunikation einsetzen. Unterschiedliche Motive und Notwendigkeiten führen dazu, dass Kinder, Jugendliche oder Erwachsene mehr als eine Sprache erwerben bzw. erlernen. Die entsprechenden Fähigkeiten dienen der Kommunikation mit Menschen, die eine andere als die eigene Muttersprache sprechen und man braucht weitere Sprachkenntnisse in ← 15 | 16 → Bildungs- und Ausbildungszusammenhängen. Nicht zuletzt werden im beruflichen Alltag von vielen sprachliche Kompetenzen in mehr als einer Sprache erwartet.

Wandruszka (1979) geht sogar so weit, zu unterstellen, dass jeder Mensch mehrere Sprachen lernt und anwendet, was seiner Meinung nach mit der „inneren Mehrsprachigkeit“ zu tun hat. Jede Sprache entfaltet verschiedene Varietäten (Beispiel: Dialekte), die je nach sozialem Umfeld und mit Blick auf verschiedene Nutzungszusammenhänge zusätzlich zur Hochsprache erlernt werden (müssen).

Mehrere Sprachen gelernt haben, führt noch nicht automatisch dazu, dass man sie auch anwenden kann. Die Fähigkeit, diese Sprachen in der Kommunikation einzusetzen, ist z.B. davon abhängig, wie viel Übungs- und Anwendungsmöglichkeiten es gibt.

Für Menschen, die mit mehreren Sprachen kommunizieren, stellt das Übersetzen von der einen in die andere Sprache eine besondere Qualifikation dar. Entgegen landläufiger Meinungen ergibt sich diese Fähigkeit aber nicht automatisch daraus, dass mehrere Sprachen gelernt werden. Das Übersetzen ist ein eigenständiger, besonderer Umgang mit zwei oder mehr Sprachen, der erlernt werden muss.

Ein weiteres wichtiges Phänomen der sprachlichen Praxis mehrsprachig lebender Menschen ist das Mischen von Sprachen. Es reicht vom Entlehnen einzelner Wörter oder Satzteile aus der aktuell nicht verwendeten Sprache (borrowing oder code mixing) bis hin zum immer wieder vollzogenen Wechsel von der einen in die andere Sprache (code switching). Die entsprechenden Zusammenhänge und Prozesse sind in aller Regel komplex. Sie können und sollten nicht einseitig und vorschnell bewertet werden. Betrachtet man das Phänomen im Ganzen, so ist es vor allem als (kreativer) Ausdruck vorhandener Sprachkompetenzen zu sehen (vgl. hierzu Jeuk 2010: 45ff.).

Mehrsprachig leben ist die eine Seite des Phänomens. Wenn viele Menschen im Alltag mit mehreren Sprachen umgehen, so entwickelt sich dadurch eine von Mehrsprachigkeit geprägte Gesellschaft, in der auch monolingual Agierende mit Phänomenen konfrontiert werden, die durch die Mehrsprachigkeit zustande kommen. Als Beispiel hierfür kann das ‚Sprachenwirrwarr‘ in öffentlichen Nahverkehrsmitteln genannt werden.

Deshalb kann mit Blick auf das Zurechtkommen der einzelnen Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen auch von einer kollektiven Kompetenz in Sachen Mehrsprachigkeit gesprochen werden.

2. Mehrsprachigkeit in der Familie

Die unterschiedliche Herkunft der Eltern ist eine häufige Ursache dafür, dass in einer Familie im Alltag mehrere Sprachen verwendet werden. So kann es sein, ← 16 | 17 → dass der Vater aus Amerika stammt, während die Mutter Deutsche ist. In der in Deutschland lebenden Familie wird dann unter Umständen sowohl Englisch als auch Deutsch gesprochen. Die Kinder lernen beide Sprachen.

Eine andere Ursache für familiäre Mehrsprachigkeit kann darin bestehen, dass die Familie als ganze von einem Land in ein anderes migriert. In diesem Falle wird in der Regel die Herkunftssprache (z.B. Türkisch) weiter verwendet, während sukzessiv Kenntnisse in der Sprache des Einwanderungslandes (z.B. Deutsch) hinzukommen.

Nicht zuletzt gibt es Motive, die mit zukünftigen Bildungschancen zu tun haben, wenn Eltern die Entscheidung treffen, ihre Kinder mit zwei Sprachen aufwachsen zu lassen, auch wenn es dafür keine Gründe gibt, die mit den ursprünglichen Sprachkenntnissen der Eltern zu tun haben. Insbesondere die englische Sprache spielt in dieser Hinsicht in Deutschland eine große Rolle.

Kinder können von Geburt an mehrere Sprachen lernen, ohne dabei Schaden zu nehmen. Das erfordert aber zusätzliche Anstrengungen aufseiten der Kinder, aber auch von den erziehenden Erwachsenen. So wird zum Beispiel Eltern empfohlen, Regeln festzulegen und zu beachten, hinsichtlich der Frage, wer wann mit wem in welcher Sprache kommuniziert (vgl. Burkhardt Montanari 2001: 31ff.). Der Verlauf des simultanen Erwerbs zweier Sprachen unterscheidet sich in der Regel nur durch die Dauer einzelner Phasen, wobei entsprechende Unterschiede meist bis zum Schuleintrittsalter ausgeglichen werden (vgl. Jeuk 2010: 15f.).

Details

Seiten
169
Jahr
2016
ISBN (ePUB)
9783631703793
ISBN (PDF)
9783653071887
ISBN (MOBI)
9783631703809
ISBN (Hardcover)
9783631676974
DOI
10.3726/978-3-653-07188-7
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2016 (November)
Schlagworte
Ostrava Roma Minderheiten Lehrerausbildung Tschechische Republik
Erschienen
Frankfurt am Main, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien, 2016. 169 S., 1 s/w Tab., 2 s/w Abb.

Biographische Angaben

Viktoria Ilse (Band-Herausgeber:in) Indira Suresh (Band-Herausgeber:in) Marco Winkler (Band-Herausgeber:in)

Viktoria Ilse promovierte zu Wirtschaftsdeutsch in DaF an der Technischen Universität Berlin. Sie war DAAD-Lektorin (Ungarn) und ist an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg tätig. Indira Suresh ist ehemalige DAAD-Lektorin (Ecuador). Sie lehrt und forscht zu DaF/DaZ an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. Marco Winkler studierte Germanistische Linguistik und Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er war Lektor in Ungarn und ist DAAD-Lektor an der Universität Ostrava (Tschechien).

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